Chevron hat im zweiten Quartal 2026 einen Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar erzielt – der höchste Wert seit sechs Jahren. Der Gewinn je Aktie lag bei 6,06 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 5,55 Dollar deutlich. Der Umsatz kletterte auf 67,2 Milliarden Dollar, ein Plus von 57,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Auch operativ zeigte sich der Konzern robust: Der operative Cashflow erreichte 22,6 Milliarden Dollar, während die Produktion um 20 Prozent auf 4,07 Millionen Barreläquivalente pro Tag stieg.
Hess-Integration und neue Wachstumsfelder treiben das Geschäft
Ein wesentlicher Treiber der Zahlen ist die im Juli 2025 abgeschlossene Übernahme von Hess, die Chevron zusätzliche Produktionskapazitäten und Reserven eingebracht hat. Parallel baut der Konzern sein Geschäft außerhalb des klassischen Öl- und Gasgeschäfts aus: Ein über 20 Jahre laufendes Stromabkommen mit Microsoft soll ein Rechenzentrum in West-Texas versorgen und zeigt, wie Chevron seine Energieinfrastruktur zunehmend auch für die Bedürfnisse der Technologiebranche öffnet. An die Aktionäre flossen im Jahr 2024 bereits 27 Milliarden Dollar über Dividenden und Rückkäufe zurück. Die laufende Dividende von 1,78 Dollar je Aktie wird am 19. August ex-Dividende gehandelt und am 10. September ausgezahlt, was einer annualisierten Rendite von 3,6 Prozent entspricht. Chevron hat seine Ausschüttung damit 38 Jahre in Folge gesteigert, wobei die Payout-Ratio inzwischen bei 123,4 Prozent liegt.
Ein Sonderfall bleibt das Venezuela-Geschäft: Chevron ist der einzige große US-Ölkonzern, der dort weiterhin produziert, mit rund 150.000 Barrel pro Tag an fünf Standorten – das entspricht 17 Prozent der gesamten Landesproduktion. Der Konzern betont dabei Sicherheits- und Compliance-Standards, während Wettbewerber wie ConocoPhillips die Lage zwar beobachten, aber bislang keine eigenen Investitionsentscheidungen getroffen haben. Nach Einschätzungen aus der Branche könnte Venezuela in den kommenden fünf Jahren Investitionen zwischen 500 und 750 Milliarden Dollar anziehen, sollte sich das regulatorische Umfeld weiter öffnen.
Analysten bleiben mehrheitlich positiv, Insider verkauft
Die Reaktionen der Analysehäuser auf die Quartalszahlen fielen überwiegend zustimmend aus. Goldman Sachs bestätigte sein „Buy“-Rating mit einem Kursziel von 216 Dollar, während Mizuho mit „Outperform“ und einem Kursziel von 230 Dollar sogar noch optimistischer ist. Weitere Häuser bewegen sich in einer ähnlichen Spanne, sodass der Analystenkonsens Chevron aktuell als „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 207,17 Dollar einstuft. Auf der Investorenseite zeigte sich ein gemischtes Bild: Während institutionelle Anleger insgesamt rund 72 Prozent der Aktien halten und einzelne Fonds ihre Positionen im ersten Quartal aufstockten, reduzierte Edgestream Partners seinen Bestand um mehr als die Hälfte. Zusätzlich verkaufte Chevron-Direktor John B. Hess im Mai 380.000 Aktien zu einem Kurs von 193,20 Dollar – eine Transaktion, die angesichts seiner Insider-Position genau beobachtet wurde.
Im Vergleich zum Wettbewerber ExxonMobil, der im selben Quartal ebenfalls einen mehrjährigen Gewinnrekord meldete, fällt die Einstufung an der Wall Street unterschiedlich aus: Während ExxonMobil vielfach als „Buy“ geführt wird, stufen Analysten Chevron eher als „Hold“ ein – ein Hinweis darauf, dass die Kursfantasie nach dem starken Lauf der vergangenen Monate teils bereits eingepreist scheint.
An der Börse kam die Bilanz gut an. Die Chevron-Aktie schloss am Freitag bei 170,90 Euro und legte an diesem Handelstag um 2,36 Prozent zu. Seit Jahresbeginn steht damit ein Kursplus von 32,58 Prozent zu Buche, auch wenn der Titel mit einem Abstand von 8,77 Prozent noch unter seinem 52-Wochen-Hoch aus dem März notiert. Die Kombination aus Rekordgewinn, hoher Dividendenkontinuität und strategischer Diversifizierung über die Microsoft-Partnerschaft dürfte das Anlegerinteresse an Chevron in den kommenden Wochen hochhalten, während das Venezuela-Engagement als Sondersituation mit Chancen und politischen Risiken zugleich im Blick bleibt.
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