Eine Hochstufung durch das Analysehaus Freedom Capital und versöhnliche Worte von OpenAI-Chef Sam Altman haben den jüngsten Kursrutsch bei Cerebras Systems gebremst.
Nach einer verlustreichen Handelswoche, in der Spekulationen über den Verlust von Aufträgen an Nvidia sowie das Auslaufen von Haltefristen die Notierung belasteten, meldeten sich Optimisten zu Wort. Analyst Paul Meeks stufte die Aktie am Freitag von „Hold“ auf „Buy“ hoch und setzte ein Kursziel von 209 US-Dollar fest.
Meeks bezeichnete den jüngsten Ausverkauf als übertrieben. Die Nachfrage nach Rechenleistung für Anwendungen künstlicher Intelligenz werde das Angebot auf Jahre hinaus übersteigen. Nach Einschätzung von Freedom Capital bietet die hauseigene Chip-Architektur Wafer Scale Engine besondere Stärken bei der KI-Inferenz.
Denkbar seien künftig auch hybride Rechensysteme, bei denen Prozessoren von Nvidia die Vorverarbeitung übernehmen und Cerebras-Chips die eigentliche Ausgabe steuern. Das Kursziel von 209 US-Dollar liegt unter dem breiten Analystenkonsens, der zuletzt bei 292 US-Dollar notierte.
OpenAI-Allianz und Belastungen durch Lock-up-Fristen
Zusätzliche Beruhigung brachte eine Stellungnahme von Sam Altman. Der OpenAI-Chef bekräftigte am Freitag auf der Plattform X, Cerebras bleibe ein enger Partner, mit dem man intensiv an Spitzenwerten bei der Ausführungsgeschwindigkeit arbeite.
Zuvor hatten Marktberichte für Unruhe gesorgt, wonach OpenAI für den schnellen Modus seines Modells GPT-6.1 Sol auf Nvidia-Hardware setze. Altman selbst hält seit mindestens Februar 2017 rund 89.373 Aktien des Chip-Spezialisten.
Die Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen fußt auf einer im Januar 2026 getroffenen Vereinbarung, die laut Reuters über ihre Gesamtlaufzeit mit mehr als 10 Milliarden US-Dollar bewertet ist. Diese sieht vor, OpenAI gestaffelt bis 2028 Zugriff auf bis zu 750 Megawatt an Inferenz-Rechenkapazität bereitzustellen. Gleichwohl verdeutlichte der jüngste Kurseinbruch die hohe Abhängigkeit von einzelnen Großkunden.
Verstärkt wurde der Abgabedruck zur Wochenmitte durch das Freiwerden zuvor gesperrter Papiere. Am Mittwoch lief eine Haltefrist für bis zu 19,4 Millionen Insideraktien aus, was rund 8 Prozent der ausstehenden Anteile entsprach. Zudem hatten Führungskräfte des Unternehmens in den vorangegangenen Wochen bereits Anteile im Rahmen vorab festgelegter Handelspläne veräußert.
Hoher Abstand zum bisherigen Höchststand
Die Gemengelage aus Konkurrenzängsten und wachsendem Aktienangebot hinterließ an der Börse deutliche Spuren. Zum Handelsschluss am Freitag lag der Kurs bei 169,52 USD, womit das Papier einen Tagesverlust von -4,6% verbuchte. Damit notiert der Titel mit einem Abstand zum 52-Wochen-Hoch von -56% weit unter den Rekordmarken, die kurz nach dem Börsengang erreicht worden waren.
Trotz der deutlichen Verluste im Wochenverlauf wiesen mehrere Analysehäuser auf die langfristigen Wachstumspotenziale hin. Während Freedom Capital auf das Zusammenspiel mit bestehenden Partnerschaften bei AMD und AWS verwies, bestätigten Häuser wie UBS ihr positives Votum.
Der Marktkonsens erwartet für Cerebras einen Anstieg der Erlöse von 887 Millionen US-Dollar im Jahr 2026 auf 2,95 Milliarden US-Dollar im Jahr 2027. Maßgeblich für diesen Pfad bleibt, ob das Unternehmen seine Strom- und Fertigungskapazitäten im geplanten Zeit- und Kostenrahmen erweitern kann.
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