Zehn Analysten empfehlen den Kauf. Jim Cramer nennt die Aktie eine Warnung an alle Anleger. Und in wenigen Tagen legt Cerebras Systems seinen ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor. Selten war ein Erstbericht so heiß umstritten.
Vom IPO-Hoch weit entfernt
Am 18. Juni erholte sich die Aktie deutlich. Sie schloss bei 234,71 Dollar, nachdem sie am Vortag bei 213,67 Dollar gelegen hatte. Intraday schwankte der Kurs zwischen 215 und 245 Dollar.
Die Erholung täuscht jedoch nicht über den Abstand zum Ausgangspunkt hinweg. Am ersten Handelstag eröffnete die Aktie bei 350 Dollar und schloss bei 311 Dollar. Gegenüber diesem Niveau liegt sie heute rund 25 Prozent tiefer. Seit dem Allzeithoch von knapp 269 Dollar Ende Mai folgte ein Rücksetzer bis in die niedrigen 200er — und erst jetzt eine Gegenbewegung.
Cramers Urteil: zu teuer, auch nach dem Rückgang
CNBC-Moderator Jim Cramer hat die Aktie mehrfach kommentiert. Sein Fazit ist eindeutig: „Cerebras war bei 311 Dollar, als ich sagte, es ist viel zu teuer. Jetzt ist es auf 214 Dollar gefallen — fast ein Drittel des Wertes weg. Cerebras ist für mich zu einer Warnung geworden.“ Wer nach dem ersten Handelstag gekauft habe, sei „zerquetscht“ worden. Auch nach dem Rückgang sei die Aktie ihm zu teuer.
Cramer stützt sich auf die Bewertung. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis lag auf dem Post-IPO-Hoch bei rund 187. Zum Vergleich: Nvidia kommt auf etwa 26, AMD auf rund 21, Broadcom auf etwa 33. Auch beim aktuellen Kurs bleibt das Multiple extrem.
Analysten sehen das anders — alle zehn
Kein einziger der zehn abdeckenden Analysten empfiehlt den Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 294 Dollar. Das Spektrum reicht von 250 Dollar bis zu 340 Dollar, den Citigroup als höchstes Ziel auf dem Markt ausgerufen hat.
Die Begründungen ähneln sich: Cerebras baut auf sogenannten Wafer-Scale Engines — Chips in Wafer-Größe, die für KI-Inferenz gebaut sind. Craig-Hallum initiierte die Abdeckung mit einem Kaufvotum und einem Ziel von 325 Dollar. Needham folgte mit 300 Dollar und betonte die überlegene SRAM-Kapazität. Barclays vergab ein Übergewichten-Rating mit 280 Dollar Ziel, Wedbush ein Outperform mit 270 Dollar.
Das Argument der Bullen: Das Umsatzwachstum rechtfertigt den Aufschlag. Cerebras steigerte den Jahresumsatz von 25 Millionen Dollar im Jahr 2022 auf 510 Millionen Dollar in 2025 — ein Plus von 76 Prozent allein im vergangenen Jahr. Das Unternehmen schreibt Gewinne: 1,38 Dollar je Aktie.
Erste Quartalszahlen als Lackmustest
Ende Juni präsentiert Cerebras seine Ergebnisse für das erste Quartal 2026. Es ist der erste Quartalsbericht seit dem Börsengang. Das Management muss zeigen, dass das Wachstum anhält und die Pipeline gefüllt ist.
Zum aktuellen Kurs notiert die Aktie rund 27 Prozent unterhalb des Analystenkonsenszielpreises von 294 Dollar. Der Quartalsbericht wird zeigen, ob dieser Abstand eine Kaufgelegenheit war — oder ob Cramer recht behält.
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