Jim Cramer hat kein gutes Haar an Cerebras gelassen. Der CNBC-Moderator bezeichnete den IPO des KI-Chipherstellers öffentlich als „verpfuschten Deal“ — und traf damit einen wunden Punkt.
Der Vorwurf ist konkret: Das Unternehmen habe die Nachfrage falsch eingeschätzt und den Ausgabepreis zu niedrig angesetzt. Cerebras debütierte am 14. Mai 2026 zu 185 Dollar. Die Aktie eröffnete bei 350 Dollar, kletterte kurz auf 386 Dollar und schloss bei 311 Dollar. Einen Tag später folgte ein Minus von 20 Prozent. Wer in den ersten Wochen nach dem Börsengang kaufte, sitzt seither auf Verlusten.
Kurs stabilisiert sich — weit unter dem Hoch
Am 11. Juni pendelte die Aktie zwischen 220,50 und 248,51 Dollar. Sie schloss bei 229,17 Dollar. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 23,5 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 386,34 Dollar wirkt aus heutiger Sicht wie eine andere Ära.
Das Handelsvolumen lag mit 3,91 Millionen Aktien spürbar unter dem Tagesdurchschnitt von 5,32 Millionen. Kein Zeichen für besondere Dynamik — in keine Richtung.
Analysten bleiben bullisch
Trotz des Kursrückgangs zieht Cerebras weiter Analystenaufmerksamkeit auf sich. Craig-Hallum stufte die Aktie am Montag auf „Strong Buy“ hoch. Barclays hatte die Coverage bereits mit „Overweight“ und einem Kursziel von 280 Dollar gestartet. Wedbush, UBS, TD Cowen und Mizuho folgten mit überwiegend positiven Ratings. Needham-Analyst N. Quinn Bolton setzt das Kursziel bei 300 Dollar an.
Sein Argument: Cerebras ist das einzige Unternehmen, das sogenannte Wafer-Scale Engines baut — KI-Prozessoren aus einem einzigen, großformatigen Siliziumstück. Diese Chips bieten deutlich mehr On-Chip-Speicher und Bandbreite als konkurrierende Designs. Für schnelle Inferenz-Aufgaben sind sie damit besonders gut geeignet.
Erste Quartalszahlen am 23. Juni
Das nächste harte Datum ist der 23. Juni 2026. Nach Börsenschluss legt Cerebras seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen vor. Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz um 76 Prozent auf 510 Millionen Dollar. Aus einem Nettoverlust von 481,6 Millionen Dollar wurde ein Gewinn von 88 Millionen Dollar.
Die Bilanz gibt etwas Halt: Cerebras hält rund 1,11 Milliarden Dollar in liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen. Die Gesamtverbindlichkeiten liegen bei knapp 971 Millionen Dollar — klassische Bankschulden fehlen. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 52 Milliarden Dollar.
Am 23. Juni zeigt sich, ob das Wachstum aus 2025 anhält — und ob Cerebras die hohen Erwartungen, die der Markt beim IPO eingepreist hat, tatsächlich erfüllen kann.
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