Cerebras: 24,6 Milliarden Auftragsbestand vs. Cramer-Warnung

Nach dem Börsendebakel sehen neun Großbanken Potenzial in Cerebras. Der Milliarden-Auftragsbestand stützt die optimistische Prognose.

Auf einen Blick:
  • Aktie fiel 45 Prozent unter Höchststand
  • Neun Banken empfehlen den Kauf
  • Auftragsbestand von 24,6 Milliarden Dollar
  • Erster Quartalsbericht Ende Juni erwartet

Jim Cramer nennt Cerebras Systems eine „Cautionary Tale“. Neun Großbanken sehen die Aktie als klaren Kauf. Selten war ein Post-IPO-Urteil so gespalten.

Vom Börsenstart zum Absturz

Der Börsengang am 14. Mai verlief spektakulär — und schmerzhaft. Die Aktie startete bei 185 Dollar, schoss intraday auf 386 Dollar und schloss den ersten Handelstag bei 311 Dollar. Seitdem geht es bergab. Aktuell notiert das Papier bei 214 Dollar — rund 45 Prozent unter dem Allzeithoch.

Cramer fasste es auf CNBC unverblümt zusammen: „Wer Cerebras zwischen 320 und 360 Dollar gekauft hat, wird nie wieder eine Aktie kaufen.“ Kein Wunder, dass Privatanleger, die beim Hype eingestiegen sind, jetzt zähneknirschend zusehen.

Analysten sehen das ganz anders

Kurz nach Ablauf der Post-IPO-Sperrfrist am 8. Juni starteten mehr als neun Banken gleichzeitig ihre Coverage — alle mit Kaufempfehlung. Citi, Morgan Stanley, Wedbush, Barclays, UBS und weitere Institute reihen sich in den Bullenchor ein. Das Konsens-Kursziel liegt bei 294 Dollar, die Spanne reicht von 250 bis 340 Dollar.

Citi-Analyst Atif Malik setzt mit 340 Dollar das höchste Ziel. Er sieht Cerebras als First Mover im KI-Inferenzmarkt, den er auf 130 Milliarden Dollar taxiert. Seinen Schätzungen zufolge könnte das Unternehmen 40 bis 50 Prozent des Segments für schnelle Inferenz erobern.

Craig-Hallum-Analyst Richard Shannon betont die patentierte Wafer-Scale-Technologie. Sowohl OpenAI als auch Amazon hätten Cerebras genau deshalb als Lösung gewählt — weil keine Konkurrenzplattform bei der Inferenzgeschwindigkeit mithalten könne.

Ein Auftragsbestand, der alles überragt

Das Fundament der Bullen-These ist der Auftragsbestand: 24,6 Milliarden Dollar — fast das 48-Fache des Jahresumsatzes 2025 von 510 Millionen Dollar. OpenAI hat im Januar einen Compute-Deal über 20 Milliarden Dollar abgeschlossen. Darin enthalten: rund 750 Megawatt Cerebras-Kapazität bis 2028, mit Option auf weitere 1,25 Gigawatt. Im März folgte eine Kooperation mit AWS für disaggregierte Inferenz.

Analysten projizieren auf dieser Basis einen Umsatzsprung von 510 Millionen Dollar im Geschäftsjahr 2025 auf 5,5 Milliarden Dollar bis 2028. Die Bruttomarge verbesserte sich bereits von 12 Prozent im Jahr 2022 auf 39 Prozent im Jahr 2025.

Das Hauptrisiko ist dabei offensichtlich: OpenAI steht hinter dem Großteil des Auftragsbestands. Eine Abhängigkeit dieser Größenordnung macht das Unternehmen anfällig für jeden Strategiewechsel eines einzigen Kunden.

Erster Quartalsbericht als Lackmustest

Ende Juni veröffentlicht Cerebras seine ersten Quartalszahlen als börsennotiertes Unternehmen. Es ist der erste harte Datenpunkt — und damit die erste echte Möglichkeit, den 24-Milliarden-Auftragsbestand mit konkreten Umsatzzahlen zu unterlegen. Halten die Margen das Tempo, dürfte das die Analysten-Kursziele stützen. Enttäuscht das Ergebnis, bekommt Cramers Warnung neues Gewicht.

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