Der US-Anbieter von Kernbrennstoffen Centrus Energy hat mit seinen jüngsten Quartalszahlen die Erwartungen des Marktes deutlich übertroffen. Neben einem starken Gewinnwachstum rücken die strategische Expansion der heimischen Urananreicherung und neue Absatzmärkte im Verteidigungssektor in den Fokus der Anleger.
Starkes Quartalsergebnis stützt den Kurs
Wie das Unternehmen gestern mitteilte, kletterte der Umsatz im zweiten Quartal 2026 auf 176,1 Millionen Dollar, was einem Zuwachs von 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht.
Besonders beeindruckte der bereinigte Gewinn je Aktie, der mit 1,77 Dollar die Konsensschätzung von 0,92 Dollar weit hinter sich ließ. Während das Nettoeinkommen nach GAAP-Standard aufgrund höherer Aufwendungen um 42 Prozent auf 16,8 Millionen Dollar sank, stieg das bereinigte Nettoeinkommen auf 38,7 Millionen Dollar.
Die Aktie reagiert heute positiv auf die Meldungen und notiert bei 177,10 Euro, ein Plus von 7,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Trotz dieser Erholung liegt der Wert weiterhin rund 56 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch vom Oktober vergangenen Jahres.
Ein wesentlicher Pfeiler für die künftige Entwicklung ist der massive Auftragsbestand, der zum Quartalsende bei 4,5 Milliarden Dollar lag und bis ins Jahr 2040 reicht. Darin enthalten sind auch kontingente Aufträge im Wert von 3,0 Milliarden Dollar.
Ausbau der Urananreicherung in Ohio
Parallel zu den Finanzdaten treibt Centrus Energy die physische Kapazitätserweiterung voran. Am heutigen Mittwoch empfing das Unternehmen den Gouverneur von Ohio, Mike DeWine, in der Anreicherungsanlage in Piketon. Das im September 2025 angekündigte Expansionsprojekt soll die Abhängigkeit der USA von ausländischen Energiequellen verringern. In der Region Piketon werden durch den Ausbau rund 1.000 Stellen im Baugewerbe sowie 300 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen.
Im Zentrum steht die Produktion von High-Assay Low-Enriched Uranium (HALEU), einem spezialisierten Kernbrennstoff für Reaktoren der nächsten Generation. Ein bestehender Vertrag mit dem US-Energieministerium (DOE) über 900 Millionen Dollar bildet hierfür das Fundament. Die kommerzielle Produktion in Piketon soll planmäßig im Jahr 2029 anlaufen, nachdem bereits Ende 2026 die erste Zentrifugenkaskade in Oak Ridge in Betrieb gehen soll.
Fokus auf nationale Sicherheit und Exportchancen
Das Management sieht zudem erhebliches Potenzial jenseits der zivilen Nutzung. Laut Bloomberg identifiziert Centrus Energy das US-Militär als einen Schlüsselmarkt. Neal Nagarajan, Leiter der Investor Relations, betonte, das Unternehmen sei die einzige kommerziell tragfähige Option für den nationalen Sicherheitssektor der USA. CEO Amir Vexler erwartet bis Ende des Jahres den Abschluss eines entsprechenden Regierungsvertrags für Kernbrennstoffe.
Auch internationale Entwicklungen könnten für Impulse sorgen. Medienberichten zufolge hat die US-Regierung ein 30-jähriges Atomabkommen mit Saudi-Arabien zur Prüfung an den Kongress übermittelt. Dies könnte amerikanischen Unternehmen ermöglichen, Anlagen im Ausland zu bauen oder zu betreiben.
Analysten bewerten die Aussichten des Unternehmens positiv: Die Experten von Needham bekräftigten ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 262 Dollar, während Evercore das Papier mit „Outperform“ und einem Ziel von 337 Dollar einstuft. Als Risiko gilt jedoch das aktuelle Budget für das Geschäftsjahr 2027, das bisher keine weiteren Fördermittel für die HALEU-Produktion vorsieht.
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