Goldman Sachs hat heute das Kursziel für Celestica von 480 auf 435 US-Dollar gesenkt und die Einstufung „Conviction Buy“ bestätigt. Der Grund liegt im Finanzierungsbedarf des Wachstums: Hohe Investitionen und zusätzlich gebundenes Betriebskapital dürften nach Einschätzung der Bank den freien Cashflow belasten. Damit bleibt Goldman grundsätzlich optimistisch, setzt bei der Bewertung aber vorsichtiger an.
Niedrigeres Multiple trotz Kaufempfehlung
Die Analysten verwenden für ihre Bewertung einen Gewinnmultiplikator von 13 statt zuvor 18. Bezugsgröße ist das von Goldman als „NTM+1“ bezeichnete erwartete Ergebnis je Aktie. Die Kurszielsenkung beruht damit auf einem niedrigeren Bewertungsansatz.
Für Anleger ist diese Unterscheidung wichtig. Goldman hält an der besonders hervorgehobenen Kaufempfehlung fest, gewichtet den Kapitalbedarf jedoch stärker. Stark steigende Erlöse reichen aus Sicht der Bank offenbar nicht aus, um den bisherigen Bewertungsmaßstab beizubehalten.
Operativ bleibt die Messlatte hoch: Celestica erwartet für 2027 einen Umsatz von 40 Mrd. US-Dollar und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 21,50 US-Dollar.
Diese Erwartungen sind keine bereits erzielten Ergebnisse. Für die Bewertung kommt es deshalb sowohl auf ihre Umsetzung als auch darauf an, wie viel Liquidität das Unternehmen auf dem Weg dorthin benötigt.
Wachstum bindet erhebliche Mittel
Für 2027 plant Celestica Investitionen von 1,5–2 Mrd. US-Dollar. Hinzu kommt laut Goldman Sachs ein erheblicher Bedarf an Betriebskapital.
Die Bank erwartet deshalb im kommenden Jahr einen negativen freien Cashflow. Das Management rechnet für 2028 wieder mit einem positiven Wert. Zwischen dem angestrebten Ergebniswachstum und dem erwarteten Mittelzufluss liegt somit eine Phase hoher finanzieller Vorleistungen.
Der freie Cashflow ist bereits im laufenden Jahr ein Schwachpunkt des Ausblicks. Celestica hat die entsprechende Prognose für 2026 von 600 Mio. auf 460 Mio. US-Dollar gesenkt.
Damit richtet sich der Blick nicht allein auf Umsatz und bereinigten Gewinn. Entscheidend wird auch, ob Celestica den Mittelbedarf der Expansion beherrscht und die erwartete Rückkehr zu einem positiven freien Cashflow erreicht.
Nachfrage bietet Chancen und Konzentrationsrisiken
Gestern erklärte Celestica, die Kundennachfrage für 2028 liege bereits deutlich über der Umsatzprognose für 2027. Garantiert ist dieses Nachfragevolumen allerdings nicht.
Zugleich konzentriert sich das Geschäft stark auf wenige Abnehmer. Im dritten Quartal entfielen 35 % des Umsatzes auf einen Kunden; die zehn größten Kunden standen für 85 %.
Diese Konzentration ergänzt das Finanzierungsrisiko: Die Wachstumspläne hängen wesentlich von der Nachfrage großer Einzelkunden ab. Goldmans Entscheidung verbindet daher zwei Aussagen: Das Kurspotenzial bleibt aus Sicht der Bank attraktiv, der hohe Kapitalbedarf rechtfertigt aber einen niedrigeren Bewertungsmaßstab.
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