Die Unruhen in Frankreich treffen Carrefour dort, wo es wehtut: im Weihnachtsgeschäft. Nach der Kürzung der Jahresziele brach die Aktie am Mittwoch im frühen Handel zeitweise um bis zu zwölf Prozent ein. Zuletzt lag das Minus bei gut elf Prozent, der Kurs fiel auf den tiefsten Stand seit Februar.
Was der Konzern gesenkt hat
Der Händler spricht von einer „beispiellosen Situation“ in Frankreich. Konzernchef Alexandre Bompard verwies auf große Unsicherheit bei den Konsumausgaben und bei den Bedingungen, unter denen Filialen wieder öffnen können. Die ohnehin schwache Kaufkraft leide zusätzlich unter steigenden Energiekosten.
Die neuen Ziele fallen deutlich aus. Die Marge des wiederkehrenden Betriebsergebnisses soll nur noch um 0 bis 15 Basispunkte zulegen, zuvor waren 25 Basispunkte geplant. Beim bereinigten Gewinn je Aktie erwartet Carrefour nun einen stabilen bis leicht steigenden Wert statt eines hohen einstelligen Wachstums. Der freie Cashflow soll leicht sinken, bisher war ein moderater Anstieg vorgesehen.
Das Management beziffert die Belastung durch die Unruhen auf 80 bis 200 Millionen Euro. Etwa 50 Filialen waren am ersten Tag betroffen, rund ein Prozent des französischen Netzes. Plünderungen und beschädigte Ausstattung kommen ebenso dazu wie weniger Kundschaft, kürzere Öffnungszeiten wegen Ausgangssperren und vorsorgliche Schließungen.
Analysten werden vorsichtiger
Morgan Stanley stufte die Aktie von „Overweight“ auf „Equalweight“ ab und senkte das Kursziel von 20,10 auf 18,35 Euro. Die Bank sieht ihre Überzeugung von strategischen Fortschritten in Frankreich geschwächt. Ihr neues Kursziel beruht auf einem niedrigeren Kurs-Gewinn-Verhältnis von 9,5, weil Sichtbarkeit und Vertrauen in die Planung gelitten haben.
Jefferies spricht von einem überraschend gesenkten Ausblick und kürzt die Prognose für das operative Ergebnis um 6,5 Prozent. Neben dem schwächeren Frankreich-Geschäft sorgt auch die gedämpfte Konsumlaune in Brasilien für Sorgen.
Lage bleibt angespannt
Die Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten waren am Wochenende von Ausschreitungen begleitet worden. Örtlich gelten Ausgangssperren, die Gelbwesten haben für Samstag neue Demonstrationen angekündigt. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte eine umfangreiche Mobilisierung der Polizei an.
Morgan Stanley rechnet im vierten Quartal mit einem Rückgang des französischen operativen Ergebnisses um rund 30 Prozent. Ob die Demonstrationen am Samstag ruhig bleiben, dürfte darüber mitentscheiden, wie tief die Spuren im Jahresendgeschäft ausfallen.
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