Hacker haben über Nacht die Kühltechnik zahlreicher französischer Supermärkte manipuliert. Die Temperaturen in Kühlschränken stiegen auf bis zu 50 Grad Celsius, Lebensmittel verdarben, vereinzelt brachen Brände aus. Auch Carrefour ist betroffen, die Aktie reagierte an der Börse jedoch zunächst gelassen.
Carrefour: Begrenzter Schaden
Der Konzern teilte mit, 80 seiner Supermärkte seien getroffen worden. Die große Mehrheit der rund 6.000 Filialen blieb demnach unberührt. Das relativiert das Ausmaß für Carrefour deutlich.
Am Morgen notierte die Aktie auf Tradegate bei 16,02 Euro, ein Plus von 0,85 Prozent. Der Markt stuft den Vorfall für den Konzern bislang offenbar als verkraftbar ein.
Härter erwischte es andere Händler. Les Mousquetaires, Mutter von Intermarché, meldete rund 150 betroffene Filialen, die Kühltemperatur lag dort sechs Stunden auf Höchstwert. Sämtliche Lebensmittel wurden vernichtet, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden. Auch Monoprix und Coopérative U gehören zu den Betroffenen.
Schwachstelle in Danfoss-Software
Die Pariser Staatsanwaltschaft spricht von einem Angriff „großen Ausmaßes“ auf vernetzte Kühlgeräte mehrerer großer Händler. Premierminister Sébastien Lecornu beauftragte die nationale Cybersicherheitsbehörde ANSSI mit Ermittlungen. Nach Angaben aus seinem Umfeld identifizierte sie eine Schwachstelle in Software des dänischen Anbieters Danfoss.
Danfoss erklärte, betroffen seien Kältemanagementsysteme mit veralteter Firmware. Man habe Kunden seit Langem zu Updates geraten.
Der Angriff blieb offenbar nicht auf Frankreich beschränkt. Ein Cyberanalyst des Sicherheitsunternehmens Sekoia nennt zusätzlich Spanien, Portugal, Polen, Deutschland und Belgien. Welche Folgen dort entstanden, ist offen. Paris stimmt sich nach eigenen Angaben mit europäischen Partnern ab.
Zeitgleich meldete der niederländische Händler Ahold Delhaize einen Sicherheitsvorfall in seinem Netzwerk. Ein Zusammenhang mit den französischen Angriffen ist unklar.
EU-Agrarkommissar Christophe Hansen verurteilte die Attacke scharf. Die Versorgungssicherheit müsse stärker in den Blick rücken, Lebensmittel als Waffe seien Realität.
Für Carrefour hängt der weitere Verlauf nun von den Ermittlungen der ANSSI ab. Sie sollen klären, wie die Angreifer vorgingen und ob weitere Händler gefährdet sind.
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