Der französische Einzelhandelsriese Carrefour treibt seine globale Umstrukturierung weiter voran. Während der Konzern den Rückzug aus seinem langjährigen Engagement in der Türkei formal abgeschlossen hat, rückt die Preisgestaltung im französischen Heimatmarkt in den Fokus.
Strategische Zukäufe in Israel und neue Kooperationen im Bereich der Markenlizenzierung unterstreichen zudem die Neuausrichtung des Konzerns in einem herausfordernden Marktumfeld.
Rückzug aus dem türkischen Joint Venture
Carrefour hat die Veräußerung seiner Beteiligung am türkischen Joint Venture CarrefourSA erfolgreich beendet. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde der Verkauf eines Anteils von 32,16 Prozent am Kapital durch die Tochtergesellschaft Carrefour Nederland BV an den Käufer Yeni Mağazacılık A.Ş. (A101) vollzogen. Insgesamt wurden in diesem Zuge über 41 Millionen Aktien im Nennwert übertragen.
Der Abschluss der Transaktion folgte auf eine bedingte Genehmigung durch die türkische Wettbewerbsbehörde. Um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen, war die Veräußerung von 38 spezifischen CarrefourSA-Filialen eine notwendige Voraussetzung für die Zustimmung der Aufsichtsbehörden.
CarrefourSA betonte unterdessen in regulatorischen Klarstellungen, dass der operative Betrieb normal weiterlaufe und die jüngsten Finanzberichte für das erste Halbjahr 2026 die Finanzlage des Unternehmens korrekt widerspiegeln.
Preisstrategie im französischen Heimatmarkt
Parallel zu den Desinvestitionen im Ausland stehen die operativen Entscheidungen in Frankreich unter Beobachtung. Medienberichten zufolge hat Carrefour im französischen Heimatmarkt signifikante Preisanpassungen vorgenommen. Wie der CEO von Nomad Foods, Dominic Brisby, gestern in einer Telefonkonferenz mitteilte, hat der Einzelhändler seit Mitte Juli bei bestimmten Produkten Preiserhöhungen von bis zu 32 Prozent umgesetzt.
Diese Entwicklung findet in einem Umfeld statt, in dem die Aktie des Unternehmens seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 11 Prozent verzeichnete. Aktuell notiert das Papier bei 15,72 Euro. Damit liegt der Kurs deutlich über dem 52-Wochen-Tief von 11,95 Euro, zu dem ein Abstand von 32 Prozent besteht.
Expansion in Israel und personeller Abschied
Abseits des europäischen Marktes baut Carrefour seine Präsenz im Nahen Osten aus. Die israelische Tochtergesellschaft Global Retail unterzeichnete eine Vereinbarung zur Übernahme einer 70-prozentigen Beteiligung am Großhändler Free Market.
Die Transaktion hat ein Volumen von 19 Millionen israelischen Schekel und zielt darauf ab, den Marktzugang im Bereich der ländlichen Siedlungen und Firmenkunden zu stärken. Zudem gewann Carrefour Israel eine Ausschreibung des israelischen Sicherheitsministeriums zur Belieferung von Bewirtungsbereichen, ein Auftrag mit einem geschätzten Jahreswert von 35 Millionen Schekel.
In der Konzernzentrale wurde zudem ein Generationenwechsel spürbar: Das Unternehmen trauert um den ehemaligen Vorsitzenden und CEO Daniel Bernard, der im Alter von 80 Jahren verstorben ist. Bernard leitete den Konzern von 1998 bis 2005 und war der Architekt der Fusion mit Promodès im Jahr 1999, die Carrefour zu seiner heutigen Größe verhalf.
Mit Blick auf die künftige Markenstrategie kündigte Carrefour zudem an, auf der Fachmesse Brand Licensing Europe im Oktober neue Lizenzstrategien vorzustellen, darunter die jüngste Zusammenarbeit mit der Marke Pokémon. Aktionäre erhielten am 6. August die zuvor beschlossene Dividende, nachdem die Aktie bereits Ende Juli ex-Dividende gehandelt worden war.
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