Carbon Aktie: 28,7 Millionen Kompensation von Halbleiterkunden

SGL Carbon kehrt dank Sonderzahlungen in die Gewinnzone zurück und hält am Jahresziel fest. Analysten bleiben jedoch vorsichtig.

Auf einen Blick:
  • Gewinn trotz zweistelligem Umsatzrückgang
  • Sonderzahlungen aus Halbleiterbranche stützen Ergebnis
  • Schuldenabbau und stabiler Cashflow
  • Analysten senken leichtes Kursziel

Die SGL Carbon SE hat trotz eines zweistelligen Umsatzrückgangs im ersten Halbjahr 2026 die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft und ihre Prognose für das Gesamtjahr bekräftigt. Während das Unternehmen von einer deutlichen Margenverbesserung profitierte, zeigten sich Analysten aufgrund langfristiger Unsicherheiten zuletzt etwas vorsichtiger.

Margenverbesserung durch Sondereffekte

Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete der Konzern einen Umsatz von 394,2 Millionen Euro. Dies entspricht einem Rückgang von 13,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, was unter anderem auf die planmäßige Einstellung defizitärer Carbonfaser-Geschäfte Mitte des vergangenen Jahres zurückzuführen ist. Trotz des geringeren Volumens sank das bereinigte EBITDA mit 69,8 Millionen Euro nur unterproportional um 3,7 Prozent.

Ein wesentlicher Treiber für die verbesserte Profitabilität waren Kompensationszahlungen in Höhe von 28,7 Millionen Euro. Diese erhielt SGL Carbon von Kunden aus der Halbleiterindustrie für Anpassungen bestehender Verträge.

In der Folge kletterte die EBITDA-Marge im Berichtszeitraum auf 17,7 Prozent, nachdem sie im Vorjahreszeitraum noch bei 16,0 Prozent gelegen hatte. Unterm Strich verbuchte das Unternehmen einen Nettogewinn von 11,8 Millionen Euro, nachdem am 6. August für das Vorjahr noch ein Verlust von 31 Millionen Euro ausgewiesen worden war.

Fortschritte bei Restrukturierung und Bilanz

Innerhalb der Geschäftsbereiche stach das Segment Fiber Composites hervor. Hier verbesserte sich das bereinigte EBITDA auf 18,9 Millionen Euro, verglichen mit 10,6 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Dieser Anstieg resultierte maßgeblich aus einer optimierten Kostenstruktur und einem veränderten Produktmix im Zuge der laufenden Restrukturierung der Carbonfaser-Aktivitäten. Zudem konnte das Unternehmen den Free Cashflow mit 31,4 Millionen Euro stabil im positiven Bereich halten.

Parallel zur operativen Entwicklung verbesserte sich die finanzielle Stabilität. Die Nettofinanzschulden wurden zum Stichtag am 30. Juni auf 79,3 Millionen Euro reduziert, was einen deutlichen Rückgang gegenüber den 98,9 Millionen Euro zum Jahresende 2025 darstellt.

Der Verschuldungsfaktor sank damit auf einen Wert von 0,6. Strategisch setzt das Unternehmen zudem auf neue Partnerschaften: Am 3. August wurde bekannt, dass SGL Carbon gemeinsam mit X-energy die Kapazitäten für Graphit in Nuklearqualität ausbauen will.

Analysten bleiben trotz Prognosebestätigung vorsichtig

Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 hält das Management an seinen Zielen fest. Erwartet wird ein Konzernumsatz zwischen 720 und 770 Millionen Euro bei einem bereinigten EBITDA in der Spanne von 110 bis 130 Millionen Euro.

Medienberichten zufolge bietet die Bestätigung der Ziele nach den Turbulenzen der Vorjahre eine solide Basis für Investoren, auch wenn die Abhängigkeit von Einmaleffekten im ersten Halbjahr die Qualität des Ergebnisses beeinflusste.

Analysten reagierten dennoch zurückhaltend auf das Zahlenwerk. Der Analyst Henrik Paganetty von Jefferies senkte am 8. August das Kursziel für die Aktie von 5,00 Euro auf 4,80 Euro und behielt die Einstufung „Hold“ bei. Zwar erkenne er eine sich langsam verbessernde Berechenbarkeit des Geschäftsmodells, bleibe jedoch hinsichtlich der langfristigen Margenentwicklung konservativer als zuvor.

An der Börse wird die Entwicklung des Unternehmens derzeit konstruktiv begleitet. Mit einem aktuellen Kurs von 4,22 Euro notiert das Papier 9,0 % über seinem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 3,87 Euro. Seit Jahresbeginn konnte der Wert bereits um 35 % zulegen. Die nächsten detaillierten Einblicke in die Geschäftsentwicklung werden für den 5. November erwartet, wenn SGL Carbon die Quartalsmitteilung für die ersten neun Monate veröffentlicht.

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