Benoît Grenot übernimmt den Vorstandsvorsitz bei Carbios in einer denkbar schwierigen Phase. Zwei Großprojekte liegen hinter dem Zeitplan, die Finanzierung des Flagschiffwerks in Frankreich ist offen. Und die Aktie? Sie steckt im freien Fall.
Seit Jahresbeginn hat der Kurs mehr als 48 Prozent verloren. Allein in den letzten sieben Handelstagen waren es 27 Prozent Minus. Am Freitag notierte das Papier bei 6,01 Euro – nur 4,5 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 5,75 Euro.
Neuer CEO, alte Baustellen
Der Verwaltungsrat berief Grenot zum 1. Juni 2026 zum Chief Executive Officer. Er war zuvor stellvertretender CEO neben Vincent Kamel, der mit 64 Jahren in den Ruhestand trat. Aufsichtsratschefin Isabelle Parize lobte Grenots internationale Erfahrung, besonders in China.
Ein strategischer Vorteil – denn genau dort hakt es.
China-Projekt auf 2028 verschoben
Die Partnerschaft mit Wankai läuft, doch der Zeitplan bröckelt. Das erste chinesische PET-Biorecycling-Werk in Haining benötigt zusätzliche technische Anpassungen. Die Inbetriebnahme verschiebt sich auf das erste Halbjahr 2028.
Auch die Kapitalmaßnahme mit Wankai stockt. Ursprünglich sollte die Zeichnung einer Kapitalerhöhung über 5 Millionen Euro bis zum 2. Juni 2026 erfolgen. Jetzt einigten sich beide Seiten auf eine Fristverlängerung bis Ende Dezember 2026. Der Ausgabepreis liegt bei 8,0947 Euro je Aktie.
Longlaville-Finanzierung offen
Das französische Kernprojekt in Longlaville bleibt der zweite große Unsicherheitsfaktor. Die Baukosten sind mit 230 Millionen Euro veranschlagt. Öffentliche Mittel in Höhe von 42,5 Millionen Euro sind vertraglich gesichert.
Der Rest soll aus Bankdarlehen, Eigenkapital und Beiträgen französischer Partner kommen. Die Beteiligten wollen die Finanzierung bis zum dritten Quartal 2026 abschließen. Passiert das nicht, droht der nächste Rückschlag.
Kassenlage entspannt – vorerst
Carbios ist nicht akut in Geldnot. Zum Jahresende 2025 lag die Liquidität bei 59 Millionen Euro auf Gruppenebene. Das operative Geschäft ist für mehr als zwölf Monate finanziert. Für 2026 rechnet das Unternehmen mit Mittelabflüssen von 20 Millionen Euro – ohne das Longlaville-Projekt. Sobald die Finanzierung steht, soll der Bau wieder anlaufen.
Hauptversammlung als Stimmungstest
Der nächste Termin für Anleger ist die Hauptversammlung am 18. Juni 2026 in Paris. Kurz darauf, am 24. September, folgen die Halbjahreszahlen. Für Grenot wird es die erste große Bühne sein. Er muss erklären, wie er die Projektrisiken in den Griff bekommen will – und wann die Finanzierung für Longlaville endgültig steht. Der Markt wartet nicht ewig.
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