Für Carbios läuft derzeit nicht viel nach Plan. Der französische Biotech-Spezialist für Kunststoff-Recycling verschiebt die Inbetriebnahme seiner ersten PET-Anlage in China deutlich nach hinten. Statt wie geplant 2027 soll die Fabrik in Haining nun erst in der ersten Jahreshälfte 2028 anlaufen.
Die Aktie reagiert mit einem erneuten Rücksetzer. Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 45 Prozent an Wert verloren. Am Mittwoch notierte die Aktie bei 6,39 Euro – rund 60 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 15,79 Euro. Der RSI von unter 32 signalisiert überverkaufte Niveaus.
Technische Anpassungen nötig
Grund für die Verzögerung ist zusätzlicher technischer Aufwand. Carbios muss seinen enzymbasierten Prozess an die spezifischen Gegebenheiten des Standorts in der Provinz Zhejiang anpassen. Parallel dazu einigten sich Carbios und sein chinesischer Partner Wankai New Materials darauf, auch die geplante Kapitalerhöhung zu verschieben. Wankai sollte ursprünglich fünf Millionen Euro in Carbios investieren. Der Termin rückt nun vom ersten Halbjahr 2026 auf den 31. Dezember 2026.
Die Planung für die Anlage selbst läuft aber weiter. Das Projekt mit einer Jahreskapazität von 50.000 Tonnen PET-Abfall bleibt ein zentraler Baustein für die Asien-Expansion. Die Technologie des Unternehmens nutzt maßgeschneiderte Enzyme, um PET-Kunststoffe in seine Ausgangsstoffe zu zerlegen – das Ziel ist eine vollständige Kreislaufwirtschaft.
Solide Kasse, steigende Verluste
Trotz der Verzögerung ist Carbios finanziell noch gut aufgestellt. Zum Jahresende 2025 verfügte der Konzern über 59 Millionen Euro an liquiden Mitteln. Das Geld soll die Betriebskosten für mindestens zwölf Monate decken. Der prognostizierte Mittelabfluss für 2026 liegt bei rund 20 Millionen Euro – etwas weniger als im Vorjahr.
Die Gewinn- und Verlustrechnung fällt dagegen durchwachsen aus. Carbios erzielte 2025 einen Umsatz von 5,7 Millionen Euro, dem operative Kosten von 30,7 Millionen Euro gegenüberstanden. Unterm Strich stand ein Verlust von 34,3 Millionen Euro – gut elf Millionen mehr als 2024. Das Eigenkapital belief sich auf 187,6 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 232,5 Millionen Euro.
Europas erste Anlage in Sicht
Neben dem China-Projekt arbeitet Carbios an der weltweit ersten PET-Biorecycling-Anlage in Longlaville, Frankreich. Dort entsteht ein Gemeinschaftsunternehmen mit Indorama Ventures. Die Kapazität ist ebenfalls auf 50.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt. Der Start ist für 2027 geplant.
Damit stehen zwei Großprojekte im Raum, die das Unternehmen auf eine komplett neue Ebene heben sollen. Ob die Verschiebung in China ein Einzelfall bleibt oder ob weitere Verzögerungen drohen, wird sich in den kommenden Quartalen zeigen.
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