Canopy Growth Aktie: Entscheidung über die EBITDA-Wende naht

Canopy Growth meldet deutliche Verlustreduktion und Umsatzplus, doch die Korrektur früherer Bilanzen trübt das Bild. Analysten zeigen sich vorsichtig optimistisch.

Auf einen Blick:
  • Umsatz steigt um 13 Prozent
  • Nettoverlust sinkt um 68 Prozent
  • Bilanzkorrektur für 2024 und 2025
  • Wall Street Zen stuft auf Hold hoch

Ausgangslage

Canopy Growth hat am Freitag Zahlen vorgelegt, die dem kanadischen Cannabiskonzern zumindest kurzfristig Auftrieb gaben. Der Nettoumsatz stieg im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um 13 Prozent auf 81,2 Millionen kanadische Dollar. Der Nettoverlust schrumpfte auf 14,6 Millionen Dollar – eine Verbesserung von 68 Prozent gegenüber dem Vorjahresverlust von 44,9 Millionen Dollar.

Der Verlust je Aktie von 0,03 kanadischen Dollar fiel damit deutlich geringer aus als die von Analysten erwartete Marke von 0,06 Dollar. An den Heimatbörsen reagierte der Markt: In Toronto notierte das Papier am Montag bei 1,33 kanadischen Dollar, an der Nasdaq bei 0,98 US-Dollar.

Im deutschen Handel bewegt sich die Aktie aktuell bei 0,8376 Euro und damit weiterhin rund 12 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 0,9504 Euro. Der Rücksetzer auf das 52-Wochen-Tief vom 30. März liegt inzwischen gut 11,68 Prozent zurück – ein Hinweis darauf, dass sich der Titel nach dem Absturz vom Dezember-Hoch bei 2,00 Euro zumindest stabilisiert.

Warum die Zahlen trotzdem nicht zum klaren Kaufsignal wurden, liegt an einem Detail, das im Zahlenwerk selbst steckt: Canopy Growth teilte in seiner definitiven Proxy-Erklärung mit, dass die geprüften Abschlüsse für die Geschäftsjahre 2024 und 2025 wegen eines technischen, nicht zahlungswirksamen Fehlers bei der Klassifizierung aktiensettlebarer Warrants nicht mehr verlässlich seien.

Für die neue Berichtsperiode ab Geschäftsjahr 2027 hat das Unternehmen die Prüfgesellschaft MNP als neuen unabhängigen Abschlussprüfer bestellt und damit PKF O’Connor Davies abgelöst.

Die entscheidende Frage

Für Anleger reduziert sich die Investmentthese derzeit auf eine einzige Kennzahl: Erreicht Canopy Growth im Geschäftsjahr 2027 tatsächlich ein positives bereinigtes EBITDA, wie das Management bekräftigt hat? Der Konzern stützt dieses Ziel auf erwartete Synergien von 10 Millionen kanadischen Dollar aus der Integration von MTL Cannabis, die innerhalb von 18 Monaten realisiert werden sollen.

Die Segmentzahlen liefern erste Indizien: Das kanadische Medizinal-Cannabis-Geschäft wuchs um 22 Prozent auf 25,8 Millionen Dollar, die Vaporizer-Sparte Storz & Bickel legte um 6 Prozent auf 16,1 Millionen Dollar zu.

Ob dieses Wachstumstempo ausreicht, um die Synergieziele zu tragen und gleichzeitig das Vertrauen nach der Restatement-Meldung zurückzugewinnen, entscheidet, ob der aktuelle Kursstand eine Bodenbildung oder nur eine Verschnaufpause markiert.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht, dass die Verlustreduktion die Konsensschätzungen übertraf und das Umsatzwachstum über mehrere Segmente hinweg breit angelegt ist.

Die Analysten von Wall Street Zen stuften die Aktie am Freitag von „Sell“ auf „Hold“ hoch – ein vorsichtiges, aber immerhin positives Signal nach Monaten negativer Einstufungen. Institutionelle Investoren zeigten zuletzt ebenfalls Interesse: Lazard Asset Management baute Anfang August eine neue Position von 1.807.986 Aktien auf, während Tidal Investments seinen Bestand um 31,5 Prozent auf gut 5 Millionen Aktien aufstockte.

Sollte die MTL-Cannabis-Integration die versprochenen Synergien tatsächlich liefern und die europäischen Aktivitäten weiter wachsen, könnte sich der Weg zu einem positiven EBITDA schneller abzeichnen als derzeit eingepreist – zumal das Management die US-Bundesregulierung der Schedule-III-Einstufung als branchenweit positives Signal wertet, auch wenn die kurzfristigen Wachstumstreiber laut Unternehmensangabe in Europa und bei MTL Cannabis liegen.

Bärisches Szenario

Dagegen steht das Restatement der Abschlüsse 2024 und 2025 als ernstes Vertrauensproblem, selbst wenn der zugrunde liegende Fehler nicht zahlungswirksam war.

Solche Korrekturen ziehen erfahrungsgemäß erhöhte Prüfaufwände und mögliche weitere Rechtsrisiken nach sich – ein Muster, das Canopy Growth bereits kennt: Ein Ontario-Gericht bestätigte am 5. August einen Vergleich mit KPMG in einer Sammelklage wegen angeblich irreführender Prüfberichte für das zum 31. März 2022 endende Geschäftsjahr, dessen Konditionen vertraulich bleiben.

Parallel bewertete Weiss Ratings, ein automatisiertes Screening-Haus, die Aktie Ende Juli lediglich von „Sell (e+)“ auf „Sell (d-)“ herauf – weiterhin ein Verkaufsurteil.

Zudem bleibt die geplante Aktienzusammenlegung im Verhältnis zwischen 1-zu-5 und 1-zu-15, über die die Aktionäre erst auf der Hauptversammlung im September abstimmen sollen, ein Unsicherheitsfaktor: Solche Maßnahmen signalisieren oft anhaltenden Kursdruck und könnten die Volatilität, die aktuell bei annualisiert 47,58 Prozent liegt, kurzfristig weiter erhöhen.

Ausblick

Solange Canopy Growth die Wachstumsraten in Kanada und bei Storz & Bickel hält und die MTL-Cannabis-Synergien planmäßig anlaufen, bleibt der Pfad zu einem positiven bereinigten EBITDA im Geschäftsjahr 2027 realistisch – die jüngste Hochstufung durch Wall Street Zen und der Zukauf institutioneller Investoren stützen dieses Bild vorsichtig.

Kippt dagegen das Vertrauen weiter, etwa durch neue Fragen zur Bilanzqualität nach dem Warrant-Fehler, dürfte die Aktie trotz der Verlustverbesserung unter Druck bleiben.

Zwei Termine liefern die nächsten konkreten Anhaltspunkte: der für Dienstag angesetzte Auftritt von CEO Luc Mongeau auf der Canaccord Genuity Growth Conference sowie die Hauptversammlung am 25. September, auf der über die Aktienzusammenlegung entschieden werden soll.

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