Kunden zögern, der Umsatz sinkt, die Aktie reagiert prompt. Cancom kämpft im zweiten Quartal mit einer Investitionszurückhaltung, die sich gegenüber dem ersten Quartal noch verschärft hat. Der Kurs verlor am Dienstag als einer der schwächsten SDAX-Werte deutlich an Wert und rutschte in Richtung der 23-Euro-Marke.
Im ersten Halbjahr sank der Erlös um 3,5 Prozent auf 775,9 Millionen Euro. Vorstandschef Rüdiger Rath räumte ein, dass Kunden Investitionsentscheidungen verzögert hätten. Besonders deutlich fällt der Kontrast zum Konkurrenten Bechtle aus: Der Rivale aus Neckarsulm profitierte von einer erholten Behördennachfrage und hob seinen Jahresausblick Ende Juli sogar an.
Sparkurs rettet die Marge
Trotz sinkender Erlöse verdiente Cancom operativ deutlich mehr. Das Ebitda kletterte um ein gutes Drittel auf 49,2 Millionen Euro, der Gewinn für die Aktionäre stieg auf 11,2 Millionen Euro nach 2,76 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Effekt geht auf Kostendisziplin zurück, nicht auf eine bessere Geschäftsdynamik.
Im Softwaregeschäft zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Das Geschäftsvolumen wuchs zwar insgesamt, doch beim Weiterverkauf von Software fremder Hersteller darf Cancom nur den Bruttogewinn als Umsatz verbuchen — nicht den vollen Verkaufspreis. Das drückt auf die ausgewiesenen Erlöse, ohne dass die Substanz des Geschäfts leidet.
Die Branche insgesamt steckt in einer schwierigen Phase. Stark steigende Preise für IT-Hardware, vor allem bei Speicherkomponenten, lassen Mittelstandskunden zögern. Hinzu kommt ein rückläufiges internationales Geschäft, während sich der deutsche Markt stabiler entwickelt.
Ausblick wirkt ambitioniert
Das Management bestätigte die Jahresprognose: Der Umsatz soll 2026 auf 1,75 bis 1,85 Milliarden Euro steigen, nach 1,71 Milliarden Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis peilt Cancom bei 110 bis 130 Millionen Euro an, verglichen mit 102,5 Millionen Euro im Vorjahr.
Angesichts der schwachen Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr müsste sich das Tagesgeschäft in den kommenden Monaten deutlich beschleunigen, um dieses Ziel noch zu erreichen. Ein Marktbeobachter bezeichnete den bestätigten Ausblick bereits als zunehmend ambitioniert angesichts der verzögerten Kundeninvestitionen. Ob sich die Nachfrage im zweiten Halbjahr tatsächlich erholt, dürfte sich erst in den kommenden Quartalsberichten zeigen.
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