Cameco Aktie: Westinghouse-IPO auf 30 Milliarden bewertet

Trotz enttäuschendem Quartalsergebnis hebt Cameco die Jahresprognose an. Der Westinghouse-IPO und Produktionsreserven stützen die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Umsatzprognose für 2026 deutlich erhöht
  • Westinghouse-IPO als Kurstreiber
  • Produktionskapazität könnte auf 25 Mio. Pfund steigen
  • Aktie erholt sich trotz schwacher Zahlen

Cameco liefert derzeit ein Musterbeispiel dafür, wie unterschiedlich Anleger kurzfristige Zahlen und langfristige Perspektiven gewichten können. Für mich zeigt der aktuelle Kursverlauf, dass der Markt der Uran-Story mehr Vertrauen schenkt als der Bilanz des zweiten Quartals – und ich halte das für nachvollziehbar, auch wenn die Risiken nicht kleiner werden.

Ein Quartal zum Vergessen

Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 waren enttäuschend. Der Umsatz sank um 7 Prozent auf 814 Millionen US-Dollar, das bereinigte Nettoergebnis brach auf 77 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,18 kanadische Dollar je Aktie ein – deutlich unter der Konsensschätzung von 0,36 kanadischen Dollar. Das bereinigte EBITDA verlor sogar 42 Prozent auf 391 Millionen US-Dollar, vor allem wegen schwächerer Equity-Erträge aus der Beteiligung an Westinghouse.

Barclays reagierte darauf am 3. August mit einer Kürzung des Kursziels auf 97 US-Dollar bei einem „Equal Weight“-Rating. Wer nur auf diese Kennzahlen schaut, müsste skeptisch werden.

Doch genau hier beginnt für mich die eigentliche Cameco-Geschichte: Das Unternehmen hat trotz des schwachen Quartals seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 deutlich angehoben, auf eine Spanne von 3,32 bis 3,57 Milliarden US-Dollar gegenüber zuvor 2,85 bis 3,06 Milliarden US-Dollar.

Die Produktionsprognose für Uran bleibt bei 19,5 bis 21,5 Millionen Pfund unverändert. Das liest sich wie ein Unternehmen, das kurzfristige Volatilität in Kauf nimmt, weil es strukturell von einer anderen Entwicklung überzeugt ist.

Die Westinghouse-Karte

Der eigentliche Kurstreiber liegt für mich nicht im Uranabbau selbst, sondern in der 49-Prozent-Beteiligung an Westinghouse Electric, die Cameco gemeinsam mit Brookfield Renewable Partners hält. Westinghouse hat vertraulich eine Registrierungserklärung nach Form S-1 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht – mit einer angepeilten Bewertung von mindestens 30 Milliarden US-Dollar.

Sollte dieser Börsengang gelingen, wäre das ein gewaltiger Werthebel für Cameco, dessen aktuelle Marktkapitalisierung bei 37,44 Milliarden Euro liegt. Untermauert wird die Fantasie durch eine bedingte Zusage des US-Energieministeriums über 17,5 Milliarden US-Dollar zur Finanzierung von Langfristkomponenten für bis zu zehn neue AP1000-Reaktoren.

Aus meiner Sicht erklärt genau diese Kombination, warum die Aktie sich in der Vorwoche um mehr als 12 Prozent erholte, nachdem Investoren zunächst auf die IPO-Ankündigung und die sektorweite Aufbruchstimmung reagierten. Auch UBS hatte bereits am 2. August ihr Rating auf „Buy“ angehoben und einen Rückgang des Aktienkurses von 27 Prozent binnen sechs Monaten als attraktiven Einstiegspunkt bewertet.

Produktionsreserven als stille Größe

Ein Aspekt, den ich für unterschätzt halte: Cameco-Präsident und Chief Operating Officer Grant Isaac erklärte, das Unternehmen könne die Uranproduktion an der McArthur-River-Mine und der Key-Lake-Mühle von derzeit 10 bis 11,5 Millionen Pfund auf bis zu 25 Millionen Pfund U3O8 steigern, sollte die Marktnachfrage es rechtfertigen.

Diese Kapazitätsreserve gibt Cameco eine Flexibilität, die in einem zyklischen Rohstoffmarkt viel wert ist – vorausgesetzt, der Uranpreis zieht tatsächlich weiter an.

Auch institutionelle Investoren scheinen an dieser These festzuhalten: Die Institutionelle Eigentümerquote lag zuletzt bei gut 70 Prozent, mit Zukäufen etwa von UBS Asset Management.

Unterm Strich

Der aktuelle Kurs von 85,26 Euro, ein Wochenplus von 1,2 Prozent und ein Monatsplus von 8,0 Prozent deuten darauf hin, dass der Markt die Aktie derzeit eher optimistisch einpreist, während die annualisierte Volatilität von 39 Prozent an die Nervosität rund um diese Wette erinnert.

Für mich überwiegen die Chancen: Die Kombination aus angehobener Umsatzprognose, Produktionsreserven und der Westinghouse-IPO-Fantasie spricht dafür, dass der Markt über das schwache zweite Quartal hinwegsieht.

Die Quartalszahlen am 30. Oktober dürften zeigen, ob sich diese Erwartungshaltung fundamental bestätigt – bis dahin bleibt Cameco für mich eine Geschichte, die stärker von Katalysatoren als von der laufenden Bilanz getragen wird.

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