BYD – Trendwende trotz Gegenwind jetzt auch bei der Aktie?

BYD verkauft 383.453 Elektro- und Hybridfahrzeuge

Auf einen Blick:
  • Verkaufszahlen zeigen erste Trendwende
  • Technologievorsprung, der starkes Kaufargument liefert
  • Neue Batteriegeneration entkräftet das Hauptargument der E-Auto-Kritiker
  • BYD mit cleverer Europa-Strategie

Gestern Morgen meldeten die Nachrichtenagenturen, dass die US-Regierung den chinesischen E-Autobauer BYD auf die sogenannte Section-1260H-Liste gesetzt hat – die Pentagon-Liste chinesischer Unternehmen, denen Verbindungen zur militärisch-zivilen Fusionsstrategie Pekings nachgesagt werden.

Zur Erläuterung des sperrigen Begriffs: China hat mit der militärisch zivilen Fusionsstrategie festgelegt, dass zivile Unternehmen verpflichtet sind, mit dem Militär zu kooperieren, wenn der Staat es verlangt. Dazu gehört beispielsweise Technologie zu teilen, Daten bereitzustellen oder Forschungsergebnisse zu übergeben. Das gilt für alle chinesischen Unternehmen, egal ob staatlich oder privat. Bei BYD konkret bedeutet das aus US-Sicht: BYD baut Batterien, Elektromotoren und Software, die theoretisch auch in militärischen Fahrzeugen, Drohnen oder Logistiksystemen eingesetzt werden könnten.

Die Liste umfasst inzwischen 188 Firmen (nach 134 im Vorjahr) und schließt die betroffenen Unternehmen von US-Verteidigungsaufträgen aus. Klingt dramatisch – die BYD-Aktie verliert zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe jedoch nicht – und das wundert mich auch nicht. Denn weder der US-Defense-Markt noch der ziele Automobilmarkt spielen für BYD eine Rolle. Das Unternehmen verkauft dort so gut wie keine Fahrzeuge, hat dort keine nennenswerten Geschäftsbeziehungen und ist von US-Verteidigungsaufträgen so weit entfernt wie kaum ein anderes Unternehmen vorstellbar. Die Listung hat also eher symbolischen Charakter und bedeutet keinen wirtschaftlichen Einschnitt.

Verkaufszahlen zeigen erste Trendwende

Die eigentliche BYD-Nachricht der vergangenen Tage kam dann auch nicht aus Washington, sondern aus der Zentrale in Shenzhen. Im Mai verkaufte BYD weltweit exakt 383.453 Elektro- und Hybridfahrzeuge – ein Plus von 19,4% gegenüber dem Vormonat und das erste Jahresplus nach acht Rückgangsmonaten in Folge. Die Exportzahlen kletterten auf 160.644 Fahrzeuge, ein Plus von rund 80% gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Rekord. Erstmals entfiel mehr als 40% des gesamten Absatzes auf internationale Märkte.

Besonders dynamisch entwickelt sich Europa. In Frankreich warten Kunden auf bestimmte BYD-Modelle mindestens vier Monate, in Spanien fünf bis sechs. In Deutschland wurden im April 4.705 BYD-Fahrzeuge neu zugelassen – mehr als Teslas 3.149. Bis Jahresende will BYD in Deutschland 50.000 Fahrzeuge absetzen, doppelt so viele wie 2025, und das Händlernetz von 150 auf 300 Standorte ausbauen.

Schleppend lief es dagegen noch im chinesischen Heimatmarkt, wo der Wegfall staatlicher Kaufanreize und ein harter Preiskampf auf Absatz und Margen drücken. Doch auch hier dreht sich der Wind: Im Mai stoppte BYD den sieben Monate andauernden Jahresrückgang. Das Plus von 0,26% ist kein Jubelgrund, aber ein Signal. Stabilisiert sich der Heimatmarkt weiter, dürfte die BYD-Aktie deutlich anziehen.

Technologievorsprung, der starkes Kaufargument liefert

Für viele Anleger war der Investitionsimpuls BYD der gigantische chinesische Automobilmarkt. Doch das ist nicht mehr die Investitionsstory. Die liegt mittlerweile in der Innovationskraft und im Export. Auf seiner „Intelligence Strategy“-Veranstaltung in Shenzhen kündigte das Unternehmen an, als weltweit erster Automobilhersteller die volle finanzielle Haftung für Unfälle beim Einsatz seines Fahrassistenzsystems „God’s Eye“ zu übernehmen – ohne Kostenbegrenzung, ein Jahr lang, inklusive Fahrzeugreparaturen, Drittschäden und Personenschäden. Das ist möglich, weil BYD seine gesamte Technologiekette selbst kontrolliert – von der Chip-Entwicklung über die Software bis zur Fahrzeughardware.

Täglich werden rund 200 Millionen Kilometer Fahrdaten aus der Flotte eingespeist und alle drei Tage in aktualisierte Algorithmen gegossen. Das „God’s Eye“-Paket kostet als Einmalzahlung rund 1.500 Euro – Teslas vergleichbares System schlägt in China mit umgerechnet rund 8.100 Euro zu Buche, Huawei verlangt immerhin noch 4.600 Euro. Keiner der Wettbewerber übernimmt auch nur annähernd eine vergleichbare Haftung.

Neue Batteriegeneration entkräftet das Hauptargument der E-Auto-Kritiker

BYD hat technologisch noch mehr zu bieten. Mit der fünften Generation seiner DM-Hybridtechnologie hat der Konzern zuletzt Fahrzeuge auf den Markt gebracht, die Reichweiten von über 1.000 Kilometern ermöglichen – ein Wert, der selbst hartgesottene Verbrenner-Fans zum Nachdenken bringen dürfte. Das Haupt-Gegenargument „lange Tankzeiten bei der Fahrt in den Urlaub“ ist für viele Reisen entkräftet.

Offenbar wird es 2027 sogar noch besser, denn BYD arbeitet bereits an einer neuen Batteriegeneration, welche die Wettbewerbsposition des Unternehmens noch weiter stärken soll. Wer die Entwicklung der letzten Jahre verfolgt hat, weiß, dass BYD bei Batterietechnologie nichts ankündigt, was es nicht liefern kann – schließlich ist der Konzern nicht nur Autobauer, sondern gleichzeitig auch einer der weltgrößten Batteriehersteller.

BYD mit cleverer Europa-Strategie

BYD ist sehr innovativ und es gibt keine Hinweise darauf, dass der Vorsprung bei Fertigungstiefe und Kostenstruktur durch einen europäischen Autobauer zeitnah aufgeholt werden könnte. Den Preis-Leistungs-Vorteil wird BYD in Europa voraussichtlich noch lange halten können, sodass die Verkaufszahlen weiter zulegen dürften.

Die vom Unternehmen getroffenen Maßnahmen zur Umgehung möglicher Zölle, wie der Bau eines eigenen Werkes in Ungarn, dürften die Wettbewerbsposition in Europa zusätzlich absichern. Ein Fahrzeug, das in der EU produziert wird, ist von Strafzöllen auf chinesische Importe schlicht nicht betroffen – und BYD hat frühzeitig die Weichen gestellt, um eine Markt-Ausgrenzung zu vermeiden. Sehr gut vorstellbar, dass die Aktie den Tiefpunkt endlich erreicht hat.

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