BYD meldet Rekordabsatz: Operative Trendwende könnte Aktie deutlich antreiben

BYD feiert Rekordmonat: Trotz China-Krise treibt das starke Exportgeschäft die Aktie an. Steht der E-Auto-Riese vor der großen Trendwende?

Auf einen Blick:
  • Rekordverkäufe im Juni 2026
  • Exportanteil steigt auf 43 Prozent
  • Produktionsstart in Ungarn geplant
  • Analysten sehen 49 Prozent Kurspotenzial

Die Aktie des chinesischen Elektroautobauers BYD zählte in den vergangenen zwölf Monaten zu den großen Enttäuschungen des Automobilsektors. Von den Höchstständen bei knapp 18 Euro ist das Papier weit entfernt, zwischenzeitlich fiel der Kurs sogar auf ein Zwei-Jahres-Tief.

Doch zuletzt drehte der Wind: Seit Anfang Juli legte die BYD-Aktie gut 15% zu.

Einige Beobachter führten die Kursgewinne auf Gerüchte über eine VW-Übernahme zurück, doch das war eine zufällige Überschneidung – BYD wird VW nicht übernehmen (können).

Weder Hauptanteilseigner Niedersachsen noch die Bundesregierung würden einem Verkauf des wirtschaftlich bedeutenden Automobilherstellers zustimmen. Der wahre Grund für den Kursanstieg ist vielmehr fundamentaler Natur.

Bester Monat in der Unternehmensgeschichte

Denn zu Monatsbeginn legte BYD seine Auslieferungszahlen für Juni vor, und die fielen deutlich besser aus als von den Investoren erwartet wurde. 403.472 verkaufte Fahrzeuge bedeuteten das höchste Monats-Absatzvolumen in der Firmengeschichte.

Noch wichtiger als der Rekord selbst ist die zurückgekommene Dynamik: Im April waren es 321.123 Fahrzeuge, im Mai 383.453, im Juni nun der Bestwert. Das zweite Quartal summiert sich damit auf über 1,1 Mio. Fahrzeuge – nach einem ausgesprochen schwachen Jahresstart eine spürbare Belebung.

Der schwache Start hatte dabei einen operativen Grund: BYD stellt die Fertigung derzeit von der ersten auf die zweite Generation seiner Blade-Batterie um, die dank Schnelllade-Technologie in wenigen Minuten aufgeladen werden kann. Die Umrüstung der Produktionslinien verlängerte zeitweise die Lieferzeiten mehrerer Schlüsselmodelle.

Inzwischen löst sich dieser Engpass auf, was den Sprung im Juni miterklärt. Wie gefragt die neue Technik ist, zeigte Anfang Juli die neue Limousine Seal 08 – das erste Modell, bei dem Flash-Charging sowohl in der Elektro- als auch in der Hybridvariante serienmäßig an Bord ist: Innerhalb von gut 30 Stunden gingen rund 65.000 verbindliche Bestellungen ein.

BYD Aktie Chart

Heimatmarkt bleibt das Sorgenkind

Trotz der guten Verkaufszahlen ist bei weitem nicht alles gut bei BYD und der Aktienkurs auch nicht grundlos in den einstelligen Bereich gefallen. Im Gesamtjahr liegt BYD mit gut 1,8 Mio. verkauften Fahrzeugen noch knapp 16% unter dem Vorjahreswert.

Der Grund liegt fast ausschließlich im noch immer kriselnden Heimatmarkt: In China verkaufte BYD im Juni nur noch rund 228.000 Fahrzeuge, der dortige Automarkt dürfte Branchenprognosen zufolge 2026 um 11% schrumpfen.

Der Preiskrieg tobt weiter, und mit Xiaomi, NIO und Xpeng sind inzwischen alle Preisklassen hart umkämpft. Xiaomi lieferte im Juni zum dritten Mal in Folge mehr als 30.000 Fahrzeuge aus, NIO und Xpeng kamen auf jeweils gut 40.000. BYD bleibt mit über 400.000 Einheiten zwar klare Nummer 1, muss sich den Kuchen aber mit immer mehr Anbietern teilen.

Starkes Exportgeschäft als Chance für die Anleger

Die eigentliche BYD-Investitionsgeschichte spielt sich jedoch außerhalb Chinas ab. Im Juni verkaufte BYD 175.349 Fahrzeuge im Ausland – ein Plus von fast 95% gegenüber dem Vorjahr. Der Auslandsanteil stieg damit auf 43% und dürfte im weiteren Jahresverlauf noch größer werden.

Das Management traut sich für 2026 insgesamt 1,5 Mio. oder mehr Auslandsverkäufe zu, und die Expansion erreicht immer neue Märkte: Ende Juli startet BYD in Japan mit dem Kleinstwagen Racco einen Angriff auf das bislang von heimischen Herstellern dominierte Segment.

Im oft herangezogenen Vergleich mit E-Auto-Pionier Tesla hat BYD die Nase wieder vorn: Im zweiten Quartal verkaufte der Konzern 557.090 reine Elektro-Pkw, Tesla lieferte 480.126 Fahrzeuge aus. Auch auf Halbjahressicht liegt BYD mit 867.479 zu 838.149 Einheiten in Führung und bleibt damit der größte reine Elektroautobauer der Welt.

Europa als entscheidender Hebel

Der wichtigste Hebel für die kommenden Jahre liegt in Europa. Im ungarischen Szeged will BYD noch im vierten Quartal dieses Jahres mit der Fahrzeugmontage beginnen – es ist die erste europäische Pkw-Fabrik des Konzerns. Parallel dazu prüft das Unternehmen bereits eine zweite europäische Produktionsstätte, als Kandidaten gelten Spanien oder Frankreich. Die europäischen Werke bringen die Produktion näher an die Kunden und verkürzen die Lieferwege spürbar.

Lokal gebaute Fahrzeuge umgehen zudem die EU-Zölle auf in China produzierte Elektroautos, sodass sich die Marge je Fahrzeug spürbar verbessert. Obwohl das noch günstigere Angebote ermöglichen würde, hat BYD gegenüber Investoren klargestellt, nicht länger über einen reinen Preiskampf wachsen zu wollen, sondern über Technologie, Innovation und höhere Forschungsausgaben.

Dies ist ein deutliches Zeichen von Selbstbewusstsein und Ausdruck der schon heute starken Marktposition.

BYD Aktie Chart

Bewertung nach der langen Talfahrt attraktiv

Fehlt noch der Blick auf die Bewertung, und die ist nach der langen Talfahrt mindestens genau so attraktiv wie die Investitionsstory. Die Aktie des weltweit größten E-Autobauers kostet zwar ein überdurchschnittliches Branchen-KGV, dem stehen aber hohe Gewinn-Wachstumsraten gegenüber, die es im erwarteten Branchenschnitt nicht gibt, dazu rund 10% erwartetes Umsatzwachstum.

Bis zum durchschnittlichen Kursziel der Analysten klafft trotz einiger Kurszielsenkungen im ersten Halbjahr noch immer eine Lücke von rund 49%. Von 29 Analysten raten 25 zum Kauf, drei zum Halten und nur einer zum Verkauf der Aktie. Die Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Monate dürften im Kurs damit mehr als ausreichend eingepreist sein.

Kurzfristig dürfte die Skepsis dennoch hoch bleiben: Viele Investoren werden verlangen, dass BYD die Erholung der Verkaufszahlen in den Sommermonaten bestätigt – die Halbjahreszahlen Ende August dürften darüber genauer Auskunft geben.

Mit dem Rekordmonat Juni, dem beschleunigten Exportwachstum und dem nahenden Produktionsstart in Ungarn liegen nun aber gleich drei Argumente auf dem Tisch, die für eine nachhaltige Erholung sprechen. Wie so oft an der Börse gilt also für BYD: High Risk – High Reward.

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