BYD heute mit Geschäftszahlen: Waren 8 Euro der Boden?

BYD legt heute die Q3-Zahlen vor: Die Aktie steht nahe dem Jahrestief, Exporte wachsen dreistellig, Analysten erwarten fast 50% mehr Gewinn.

Auf einen Blick:
  • BYD verkaufte neun Monate lang weniger Fahrzeuge
  • Exportabsatz legte im September um 154 Prozent zu
  • Ungarische Serienfertigung startet im vierten Quartal
  • Analysten erwarten höhere Quartalsgewinne

BYD heute mit Zahlen: Waren 8 Euro der Boden?

In wenigen Stunden veröffentlicht BYD die Zahlen zum dritten Quartal, und selten war ein Zahlentermin für die Investoren des chinesischen Autobauers so wichtig wie heute. Die Aktie notiert mit rund 8 € nur einen Hauch über ihrem 52-Wochen-Tief und mehr als ein Drittel unter dem Jahreshoch.

An der Hongkonger Börse steht der Kurs auf Jahressicht 35% im Minus – und das bei einem Unternehmen, das im Vorjahr 4,6 Mio. Fahrzeuge verkauft hat, Tesla als größten Elektroautobauer der Welt abgelöst hat und bis 2030 Toyota überholen will.

Falls Sie BYD bislang nur als Namen kennen: Der Konzern aus Shenzhen baut Elektroautos und Plug-in-Hybride, fertigt seine Batterien selbst und gilt als Kostenführer der Branche. Sicher läuft nicht alles ideal, in Teilen sogar schlecht. Doch auf dem aktuellen Kursniveau könnten die vielen Baustellen inzwischen im Kurs eingepreist sein.

Heimatmarkt China: Subventionsabbau und Preiskrieg

Was aber hat der Aktie so zugesetzt? Zum einen ist da der chinesische Heimatmarkt. Die Zentralregierung hat die Kaufsteuerbefreiung für Elektroautos und Hybride (NEVs) zum Jahreswechsel halbiert, viele Käufer hatten ihre Anschaffung deshalb ins Jahr 2025 vorgezogen.

Die Folge: Der NEV-Absatz im Einzelhandel lag im September 16,7% unter dem Vorjahr, in den ersten neun Monaten summiert sich das Minus auf gut 12%. Dass 2026 mit halben Subventionen schlechter wird als 2025, war absehbar. Nicht absehbar war, dass der seit drei Jahren tobende Preiskrieg einfach weiterging. Er drückte die Gewinnmarge der gesamten chinesischen Autoindustrie im ersten Quartal auf nur noch 3,2% – ein historisches Tief.

Inzwischen hat die Regierung den Verkauf unter Herstellungskosten sogar untersagen müssen. Für BYD als Kostenführer ist das langfristig ein Vorteil, kurzfristig schrumpft der Markt trotzdem: Nach neun Monaten hat BYD 3,13 Mio. Fahrzeuge verkauft, 4% weniger als im Vorjahr. Das Jahresziel von 5 bis 5,5 Mio. Fahrzeugen ist damit nicht mehr zu erreichen, und es ist davon auszugehen, dass das Management es heute einkassiert. Die Analysten jedenfalls rechnen schon seit Monaten mit weniger.

Europa: BYD setzt auf Ungarn-Produktion

Ebenfalls belastend dürfte der Newsflow gewesen sein, der auch von der politischen Seite kam. Die EU erhebt auf reine Elektroautos von BYD zusätzlich zum regulären Autozoll von 10% einen Ausgleichszoll von 17%. BYD hat darauf clever reagiert und den Europa-Vertrieb auf Plug-in-Hybride verlagert, für die nur der Basiszoll gilt – über die Hälfte der in Europa ausgelieferten BYDs hat heute einen Verbrennungsmotor an Bord.

Die Strategie ging auch auf: Im ersten Halbjahr hat BYD in Europa mit 174.144 Zulassungen erstmals Tesla überholt. Anfang Oktober hat Brüssel dieses Schlupfloch jedoch geschlossen, zwar nicht mit neuen Zöllen, aber mit einer Importobergrenze: Ab Dezember dürfen nur noch 350.000 chinesische Hybride pro Jahr in die EU.

Für BYD sollte die Quotenregelung verkraftbar sein. Die Quote gilt für alle chinesischen Hersteller zusammen, und BYD ist mit Abstand der größte unter ihnen. Vor allem aber: Im vierten Quartal läuft im ungarischen Szeged die Serienfertigung an. In Ungarn gefertigte BYDs gelten als europäische Autos – weder Zoll noch Quote können daran etwas ändern. Anfangs mit 150.000, später mit 300.000 Fahrzeugen Kapazität verschafft sich BYD einen Vorteil, den exportwillige Wettbewerber aus dem Heimatland (derzeit noch) nicht haben.

Export als Gewinnmaschine

Europa und andere Auslandsmärkte sind für die Chinesen hochattraktiv, denn BYD verdient dort deutlich mehr Geld als zu Hause. Laut einer JPMorgan-Analyse bleiben chinesischen Herstellern im Heimatmarkt im Schnitt rund 5.000 Yuan Nettogewinn je Fahrzeug, im Ausland bis zu 20.000 Yuan.

Genau dieser Hebel hat im zweiten Quartal für unerwartet starke Ergebnisse gesorgt: Der Gewinn stieg um 30%, die erste Gewinnsteigerung nach fünf rückläufigen Quartalen. Der Exportmotor dreht seither noch schneller. Im September gingen 179.877 Fahrzeuge ins Ausland, ein Plus von 154%, fast 40% des Gesamtabsatzes. Nach neun Monaten stehen 1,34 Mio. Exportfahrzeuge in den Büchern.

Was die Analysten für das dritte Quartal erwarten

Das ist eine gute Ausgangslage für heute. Goldman Sachs erwartet einen Umsatz von 243 Mrd. Yuan (+25%) und einen Nettogewinn von 11,5 Mrd. Yuan, ein Plus von 47% zum Vorjahr und 39% zum Vorquartal; Citi liegt mit 12,95 Mrd. Yuan (bereinigt) noch einen Schnaps höher.

Treiber sind neben den Exporten ein um 19% höherer Absatz und ein gestiegener Durchschnittspreis dank der neuen Flash-Charging-Modelle (Schnelllader mit Megawatt-Leistung). Der Marktanteil bei NEVs in China soll von 22% auf 25% gestiegen sein – BYD gewinnt also im schrumpfenden Heimatmarkt Anteile. Der Konsens erwartet 1,38 Yuan Gewinn je Aktie nach 0,85 Yuan im Vorjahr.

Die Messlatte liegt damit hoch, dennoch hat die Erwartung, dass die Ergebnisse geschlagen werden, zuletzt um 18,2% zugenommen. Eine so starke Veränderung führt meiner Erfahrung nach oft dazu, dass die Ergebnisse dann auch wirklich übertroffen werden.

Krisenbewertung für ein wachsendes Unternehmen

BYD ist ein Unternehmen, dessen Gewinn wieder wächst, dessen Exportgeschäft stark expandiert und dessen Bewertung auf dem Niveau einer tiefen Krise steht. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt umgerechnet bei rund 14,40 €, Goldman führt die Aktie auf seiner viel beachteten Conviction-Buy-Liste, Citi nennt 16,20 € als fair – gegenüber einem aktuellen Kurs von gut 8 €.

Citi rechnet zudem damit, dass gute Zahlen Leerverkäufer zum Eindecken zwingen könnten; dann könnte es sehr dynamisch nach oben gehen. Die heutigen Zahlen könnten aber auch ohne Short Squeeze die Initialzündung einer Erholung sein und zeigen, dass der Boden endlich gesehen wurde.

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