BYD Aktie: Ungarn-Werk verschiebt sich auf Q4 2026

BYD verzeichnet im Juli ein deutliches Absatzplus, bleibt aber hinter dem eigenen Jahresziel zurück. Zudem verzögert sich das ungarische Werk, während die Exporte einen Rekord erreichen.

Auf einen Blick:
  • Juli-Absatz steigt um 21,76 Prozent
  • Exporte erreichen neuen Rekordwert
  • Ungarn-Werk startet später als geplant
  • Aktie bleibt unter 52-Wochen-Hoch

BYD hat im Juli den dritten Monat in Folge ein Umsatzplus verzeichnet – doch der chinesische Elektroautobauer bleibt hinter seinem eigenen Jahresziel zurück. Gleichzeitig sorgt eine Verzögerung beim Vorzeigewerk in Ungarn für neue Fragezeichen bei der Europastrategie.

Juli-Zahlen zeigen Erholung, Jahresziel bleibt ambitioniert

BYD verkaufte im Juli nach eigenen Angaben 419.211 Neuenergiefahrzeuge im Großhandel, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das ist eine deutliche Beschleunigung gegenüber dem Juni-Zuwachs von lediglich 5,46 Prozent. Trotzdem liegt die kumulierte Bilanz seit Jahresbeginn noch im Minus: Von Januar bis Juli verkaufte der Konzern 2.227.722 Fahrzeuge, ein Rückgang von 10,54 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – wenn auch schwächer als der Einbruch von 15,72 Prozent im ersten Halbjahr.

Nach 1,81 Millionen verkauften Fahrzeugen im ersten Halbjahr müsste BYD den Rest des Jahres im Schnitt rund 530.000 Einheiten pro Monat absetzen, um zumindest die untere Grenze seines Jahresziels von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen zu erreichen. Der Juli-Wert liegt noch klar darunter – das Unternehmen braucht also eine weitere spürbare Beschleunigung in den kommenden Monaten.

Innerhalb der Modellpalette zeigte sich die Dynamik uneinheitlich. Die Kernmarke BYD Auto mit den Baureihen Dynasty und Ocean setzte 350.178 Einheiten ab. Die Geländewagenmarke Fang Cheng Bao verbuchte mit 41.213 verkauften Fahrzeugen einen Monatsrekord und ein Wachstum von 190,64 Prozent. Denza kam auf 19.196 Einheiten, ein Plus von 68,76 Prozent zum Vorjahr, aber ein Rückgang gegenüber dem Juni. Die Luxusmarke Yangwang blieb mit 485 verkauften Fahrzeugen eine Nische.

Auslandsgeschäft bleibt der zentrale Wachstumstreiber

Der Export ist derzeit der wichtigste Hebel für BYD. Im Juli erreichten die Auslandsverkäufe von Pkw und Pick-ups mit 179.841 Einheiten einen Rekord, ein Zuwachs von 124,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit stammte rund 43 Prozent des Monatsabsatzes aus dem Ausland. Kumuliert hat BYD damit bereits 972.097 Exporteinheiten erreicht und müsste für den Rest des Jahres nur noch etwa 105.581 Einheiten pro Monat ausliefern, um sein Exportziel von 1,5 Millionen Fahrzeugen zu erfüllen. Hält das Juli-Tempo bis Jahresende an, käme der Konzern sogar auf rund 1,87 Millionen Auslandsverkäufe – deutlich über der eigenen Marke.

Im Heimatmarkt lief das Geschäft trotz der für die Branche typischen Sommerflaute solide: Die Schnellladereihe Da Tang verkaufte sich über 10.000 Mal, das Modell Tai 7 EV kam nahe an diese Marke heran. BYD selbst erklärte, die Produktionskapazität für die zweite Generation der Blade-Batterie könne mit der Nachfrage nicht Schritt halten, während im Ausland vor allem fehlende Schiffskapazitäten den Absatz begrenzten. Im Wettbewerbsvergleich zeigte sich, dass auch Konkurrenten wie Chery und Geely im Juli kräftig zulegten – Chery exportierte laut Berichten erstmals über 200.000 Fahrzeuge in einem Monat, Geely steigerte sein Auslandsgeschäft bereits den zweiten Monat in Folge um über 200 Prozent.

Rückschlag in Ungarn belastet Europapläne

Ein Dämpfer kommt aus Europa: Das als Vorzeigeprojekt geplante Werk in Ungarn verschiebt sich nach Berichten des Fachmediums Automotive World auf das vierte Quartal 2026 – rund ein Jahr später als ursprünglich vorgesehen. Grund sind Vorwürfe von Arbeitsrechtsverstößen bei Subunternehmern sowie eine neue Untersuchung der amtierenden ungarischen Regierung zu den zuvor gewährten Subventionen und Steuervergünstigungen. Bereits Ende Juli hatte Ungarn eine Prüfung der Staatshilfen für BYD eingeleitet, nachdem der frühere Außenminister Péter Szijjártó sein Parlamentsmandat niedergelegt hatte, um zum Unternehmen zu wechseln – ein Schritt, der wegen seiner früheren Rolle bei der Aushandlung der Subventionen Interessenkonflikte aufwirft. 2025 war angekündigt worden, dass BYD seinen europäischen Hauptsitz sowie ein Forschungszentrum in Budapest ansiedelt und dafür rund 64 Millionen Dollar an staatlicher Unterstützung erhält; die Montage im neuen Werk Szeged soll nun im vierten Quartal beginnen.

Parallel zu den operativen Entwicklungen treibt BYD seine Produktpipeline voran: Erst Ende Juli brachte der Konzern mit dem Racco ein rein elektrisches Kei-Car für Japan auf den Markt, das nach staatlicher Förderung unter zwei Millionen Yen kostet und den bisherigen Marktführer Nissan Sakura unterbieten soll. Für August kündigte BYD zudem die Vorstellung seines ersten humanoiden Roboters sowie den öffentlichen Auftritt des Modells Da Han mit einer Reichweite von bis zu 1.008 Kilometern auf der Auto-Show in Chengdu an.

Aktie bleibt unter Druck

An der Börse spiegelt sich die gemischte Lage wider. Das Papier schloss am Donnerstag bei 10,05 Euro, ein Minus von 1,72 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 6,01 Prozent zu Buche, was für eine gewisse Stabilisierung nach den schwächeren Vorwochen spricht. Zum 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro aus dem vergangenen August fehlen der Aktie aber weiterhin rund 24 Prozent – ein Abstand, der die Unsicherheit rund um Exporttempo und die Verzögerungen in Ungarn widerspiegelt. Die nächsten Quartalszahlen werden Marktbeobachtungen zufolge gegen Ende August erwartet und dürften zeigen, ob die Juli-Dynamik im dritten Quartal anhält.

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