Nein, die Situation an der Börse ist für BYD derzeit wahrlich keine gute. Am Dienstag notierte die Aktie des chinesischen Fahrzeugkonzerns in Frankfurt bei 8,06 Euro und damit auf dem tiefsten Stand seit knapp zwei Jahren. Mittlerweile hat sie sich zwar deutlich erholt, doch ein Jahresminus von rund 35 Prozent für die BYD-Aktie spricht weiter Bände. Überkapazitäten und der Preiskampf bei E-Autos im Heimatmarkt setzten das Unternehmen unter Druck. Doch dieser könnte sich nach Ansicht von Autoexperten perspektivisch verlagern – und das eigentlich Undenkbare scheint nicht mehr ausgeschlossen.
BYD Aktie Chart
Forscher sehen China und BYD auf dem Vormarsch
Dass auch die europäische Automobilindustrie in Schieflage geraten ist, ist kein Geheimnis. Insbesondere VW steht offenbar vor einem schmerzhaften Transformationsprozess. An die 100.000 Stellen könnten wegfallen, vier Werksschließungen in Deutschland stehen laut Berichten zur Diskussion. Was das mit BYD zu tun hat? Auf dem Kontinent bislang noch wenig, aber das könnte sich ändern.
Die Süddeutsche Zeitung befragte laut Auto, Motor & Sport den Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson von der Stanford University sowie den Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, nach den Auswirkungen jüngster geopolitischer Schocks für die Weltwirtschaft. „Das traditionelle Modell der Autoexporte stirbt aus“, wurde Ferguson zitiert. Damit nicht genug: Sollte es nicht zu einem radikalen Wandel komme, werden „die Europäer sehr bald massenweise chinesische Autos fahren. BYDs zum Beispiel“, so der Forscher.
Könnte BYD wirklich VW schlucken?
- Sein Kollege aus Kiel geht noch einen Schritt weiter, was die prekäre Lage von VW anbetrifft
- Sollten die Wolfsburger pleitegehen, wäre es für Schularick möglich, dass China die Macht an sich reißt
„VW wird wahrscheinlich von einem chinesischen Autohersteller aufgekauft. Etwa von BYD“, so der Wissenschaftler. Insgesamt warnen demnach beide Experten vor dem „Risiko der Deindustrialisierung in Europa und Deutschland“, auch wegen des technologischen Rückstands auf China. Das mag alles sein. Aktuell allerdings hat BYD wohl genug mit den eigenen Problemen zu kämpfen.
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