BYD holt sich politisches Gewicht ins Haus. Der chinesische Elektroautobauer beruft Peter Szijjarto, bis vor Kurzem noch Ungarns Außen- und Außenhandelsminister, zum Leiter für externe Beziehungen und neue Geschäftsfelder. Der Schritt fällt in eine Phase, in der BYD seine Europa-Strategie neu ordnet — mit einem Erfolg in Ungarn und einem Rückschlag in der Türkei.
Szijjarto tritt seinen neuen Posten am 15. Juli an. Seine Aufgabe: BYD in Europa politisch und wirtschaftlich besser vernetzen. Im Fokus steht dabei das geplante Werk im ungarischen Szeged, das ab dem vierten Quartal 2026 Fahrzeuge produzieren soll. Die Fabrik soll zum Kern eines europäischen Produktionsnetzwerks werden und die Abhängigkeit von Importen aus China verringern.
Rückschlag in der Türkei, Fortschritt in Ungarn
Nicht alle Expansionspläne laufen nach Plan. Die Türkei kündigt an, Investitionsanreize zurückzufordern, sollte BYD sein Werksprojekt in der Provinz Manisa offiziell canceln. Der Konzern hatte das Milliarden-Projekt im Juni auf Eis gelegt und priorisiert stattdessen den Standort Ungarn.
Parallel baut BYD seine technologische Basis aus. Am 13. Juli unterzeichnete der Konzern eine mehrjährige Materialpartnerschaft mit dem deutschen Spezialchemie-Konzern Covestro. Die Kooperation geht über ein klassisches Lieferantenverhältnis hinaus: Beide Unternehmen wollen gemeinsam neue Werkstoffe für Fahrzeuge, Batterien und Energiespeicher entwickeln.
Neue Modelle mit Rekord-Ladeleistung
Auch technisch legt BYD nach. Die Premiummarke Denza nimmt seit dem 13. Juli in China Vorbestellungen für den Elektro-Supersportwagen Z entgegen. Die reguläre Markteinführung folgt im vierten Quartal.
Kernstück des Modells ist BYDs „Flash Charging“-Technologie mit einer Ladeleistung von bis zu 1.500 Kilowatt. Auf passender Hardware lädt die Batterie in nur fünf Minuten von 10 auf 70 Prozent. Für eine Ladung von 10 auf 97 Prozent braucht es rund neun Minuten. BYD will diese Technik bis Ende 2026 in der gesamten reinen Elektroflotte verbauen — vom Einstiegsmodell bis zur Luxusklasse.
Am 17. Juli zeigte BYD zudem einen ersten Blick auf den neuen Tang SUV der 8er-Serie. Das Modell soll eine Reichweite von über 800 Kilometern bieten und in der zweiten Jahreshälfte starten.
Aktie unter Druck, aber mit Erholungstendenz
Die BYD-Aktie schloss am Freitag bei 9,90 Euro, ein Minus von 1,75 Prozent zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 9,39 Prozent zu Buche — ein Zeichen, dass sich das Papier von seinen Tiefs löst. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem Juli 2025 fehlen der Aktie aktuell noch 33 Prozent.
Die kommenden Monate dürften zeigen, ob sich die politische Schützenhilfe aus Ungarn in konkrete Fortschritte beim Werksbau in Szeged übersetzt. Der Produktionsstart bleibt für das vierte Quartal 2026 terminiert.
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