BYD treibt seine internationale Expansion voran. Der chinesische Autobauer will sein Filialnetz in Japan bis Ende des laufenden Jahres von derzeit rund 80 auf 100 Standorte vergrößern, bis Ende 2027 sollen es 120 werden. Das geht aus Angaben hervor, die das Unternehmen im August gemacht hat.
Der Ausbau folgt auf einen überraschenden Erfolg des Kleinstwagens Racco, der speziell für den japanischen Kei-Car-Markt entwickelt wurde. Nach der Vorstellung Mitte August verzeichnete das Modell binnen weniger Wochen mehr als 1.000 Bestellungen und übertraf damit das ursprüngliche Zwei-Wochen-Ziel bereits am 9. August.
Die Kei-Car-Klasse gilt in Japan als besonders umkämpft, da einheimische Hersteller wie Suzuki oder Daihatsu den Markt traditionell dominieren. Dass BYD hier überhaupt Fuß fasst, wertet das Unternehmen offenbar als Signal, das Vertriebsnetz zügig zu verstärken.
Neue Modelle auf der Auto Show in Chengdu
Parallel zur Japan-Strategie präsentiert BYD heute auf der Chengdu Auto Show die Modelle Formula S und Formula S GT. Die Messe gilt als wichtige Bühne für den chinesischen Automarkt und bietet dem Konzern eine Gelegenheit, seine Modellpalette einem breiten heimischen Publikum vorzustellen, während zugleich die Expansion in Übersee vorangetrieben wird.
Ergänzt wird die internationale Ausrichtung durch eine Vereinbarung mit dem malaysischen Partner Bus Cap. Die in Shenzhen unterzeichnete Absichtserklärung sieht die lokale Montage und Fertigung von Elektrobussen vor, mit Malaysia als Ausgangspunkt für eine weitere Erschließung Südostasiens. Geplant ist unter anderem der Aufbau einer Fertigungsstätte in Perak, die Produktlokalisierung, Vertrieb, Marketing und Kundendienst abdecken soll.
Absatzzahlen stützen die Expansionspläne
Untermauert wird die Auslandsstrategie durch solide Verkaufszahlen im Heimatmarkt. Im Juli setzte BYD nach Großhandelszahlen 419.211 Neuenergiefahrzeuge ab, ein Plus von 21,76 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bereits der dritte Monat in Folge mit Jahreswachstum.
Nach dem Verkauf von 1,81 Millionen Fahrzeugen im ersten Halbjahr müsste der Konzern für den Rest des Jahres im Schnitt rund 530.000 Einheiten monatlich absetzen, um zumindest die untere Marke des Jahresziels von 5 bis 5,5 Millionen Fahrzeugen zu erreichen. Die Auslandsoffensive in Japan, China und Südostasien dürfte dabei eine zunehmend wichtige Rolle spielen.
Kursreaktion bleibt verhalten
An der Börse hat die Nachrichtenflut bislang keine größeren Ausschläge ausgelöst. Die Aktie schloss gestern bei 9,98 Euro, ein Plus von 1,1 Prozent zum Vortag, und liegt damit rund 4,6 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Zum 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro aus dem vergangenen August fehlen dem Papier weiterhin etwa 25 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 6,7 Prozent zu Buche – die operative Dynamik in Japan und Südostasien hat den Kurs bislang also nicht sichtbar gedreht.
Für Anleger bleibt die Kombination aus wachsendem Auslandsgeschäft und robustem Heimatabsatz der entscheidende Faktor, ob BYD sein ambitioniertes Jahresziel doch noch erreichen kann.
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