BYD hat auf der Chengdu International Auto Show, die am Freitag eröffnete, einen ganzen Messepavillon für sich reserviert. In Halle 9 zeigte der chinesische Autobauer die dritte Generation des Tang SUV und startete den Vorverkauf für sein neues Flaggschiff „Da Han“. Die Limousine soll laut chinesischem CLTC-Testzyklus 1.008 Kilometer Reichweite erreichen und lässt sich in fünf Minuten für eine Teilladung an einer Schnellladesäule betanken.
Die Präsenz auf der Messe fällt in eine entscheidende Woche für die Aktie: Am Freitag treffen sich die Direktoren des Unternehmens, um die Halbjahreszahlen zum 30. Juni 2026 abzusegnen. Die Modelloffensive der vergangenen Wochen soll den Boden für die Zahlenvorlage bereiten und zeigen, dass BYD trotz Preisdrucks im Heimatmarkt technologisch am Drücker bleibt.
Neue Modelle für unterschiedliche Preissegmente
Neben dem Da Han bringt BYD mit dem Sub-Label Fang Cheng Bao auch die sportlichen Modelle Formula S und Formula S GT in Stellung. Deren Innenraumdesign wurde in Chengdu vorgestellt, die Vorbestellung läuft bereits zu Preisen zwischen 230.000 und 280.000 Yuan.
Am unteren Ende der Preisskala positioniert sich dagegen der bereits Anfang August gestartete Seagull 06, der LiDAR-gestütztes Fahren und Schnellladetechnik in das Segment zwischen 100.000 und 150.000 Yuan bringt – ein Preisbereich, in dem BYD traditionell besonders stark ist.
Auch international expandiert der Konzern weiter. In Australien lief der Verkaufsstart des Atto 3 Evo an, erstmals mit Hinterradantrieb und einer 800-Volt-Architektur für die Topversionen; die ersten Auslieferungen sind für September angekündigt.
In Bangladesch hat das Unternehmen Runner Automobiles eine Vereinbarung zum Import und Vertrieb von BYD-Fahrzeugen unterzeichnet. In Japan meldete BYD zudem, binnen zwei Wochen nach Marktstart über 1.000 Bestellungen für den elektrischen Kei-Wagen Racco erhalten zu haben – zehn Prozent des für 2026 angepeilten Jahresziels für dieses Modell.
Marktanteil in Europa zieht deutlich an
Medienberichten zufolge hat sich der Marktanteil von BYD in der EU, der EFTA und Großbritannien im ersten Halbjahr 2026 auf 2,4 Prozent verdoppelt und damit gleichauf mit Tesla gezogen. Das unterstreicht, dass die internationale Expansion inzwischen spürbar zum Wachstum beiträgt – ein Aspekt, der bei der Zahlenvorlage am Freitag im Fokus stehen dürfte, sollte der Heimatmarkt weiterhin schwächeln.
Institutionell bleibt das Interesse an BYD hoch: BlackRock meldete Anfang August eine Beteiligung von 2,91 Prozent an den BYD-ADRs. Die Analysten von Bernstein SocGen Group bestätigten am 11. August ihre Kaufempfehlung für die in Hongkong gelistete Aktie mit einem Kursziel von 130,00 Hongkong-Dollar.
Kurs pendelt vor den Zahlen
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt gefestigt: Am Freitag legte das Papier um 2,0 Prozent auf 10,13 Euro zu, binnen 30 Tagen steht ein Plus von 3,8 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie dennoch mit 5,4 Prozent im Minus, auf Sicht von zwölf Monaten beträgt der Rückstand sogar 20 Prozent.
Zum 52-Wochen-Hoch von 13,23 Euro aus dem August 2025 fehlen der Aktie derzeit 23 Prozent. Die kommenden Halbjahreszahlen am Freitag dürften zeigen, ob die aggressive Modelloffensive und die Fortschritte in Europa reichen, um diesen Abstand zu verkürzen.
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