Bei BYD wächst der Abstand zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Bewertung an der Börse. Während der chinesische Elektroautobauer seine internationale Expansion vorantreibt und nach einer längeren Schwächephase wieder steigende Gewinne meldet, fällt die Aktie immer weiter zurück. Am Freitag nun konnte die BYD aber immerhin einmal gut 3,7 % für sich verbuchen. Doch schon zum Beginn der neuen Woche gab die Aktie wieder um -2,45 % nach. 8,44 Euro sind noch keine Basis , die einen durchgehenden Erfolg garantiert. Auf der anderen Seite ist immerhin ein größerer Abstand zu sehr wichtigen Unterstützungen gelegt.
Noch Ende Juni war die Aktie bis auf etwa 8,16 Euro gefallen. Anschließend gelang eine kräftige Erholung, die im Hochsommer sogar Kurse von mehr als 10 Euro ermöglichte. Von diesem Aufschwung ist inzwischen kaum noch etwas übrig.
BYD muss wieder Gas geben
Seit Jahresbeginn summieren sich die Verluste auf 19,85 %. Die technischen Indikatoren bestätigen die Schwäche: Zum GD 100 fehlen 8,4 %, zur 200-Tage-Linie sogar 15,1 %. Um wichtige Trendmarken zurückzuerobern, müsste das Papier kräftig zulegen.
Apple Aktie Chart
Chartanalysten richten ihren Blick deshalb auf die Region um 8 Euro. Dort könnte sich erneut ein Boden ausbilden. Gelingt das nicht, würde auch diese mögliche Unterstützung infrage gestellt.
Dabei erzählt die Geschäftsentwicklung eine andere Linie, die sich ergeben kann. BYD hat im zweiten Quartal eine Serie von fünf Quartalen mit rückläufigen Gewinnwerten beendet. Der Nettogewinn stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um gut 30 %. Das Unternehmen hat damit gezeigt, dass es trotz schwieriger Marktbedingungen wieder profitabler wachsen kann.
Allerdings blieb der Umsatz hinter den Erwartungen zurück. Statt der von Analysten geschätzten 25,81 Milliarden Dollar wurden lediglich 24,23 Milliarden Dollar erreicht. Diese Enttäuschung dürfte ein Grund dafür sein, dass die Börse den jüngsten Gewinnanstieg bislang kaum honoriert.
Der entscheidende Hoffnungsträger ist inzwischen das Auslandsgeschäft. Im September legte der Absatz außerhalb Chinas gegenüber dem Vorjahresmonat um rund 154 % zu. Die internationale Expansion entwickelt sich damit zu einem wichtigen Gegengewicht zum Heimatmarkt. Nur möchte jetzt die EU mit dem jüngsten Deal Chinas Exporte nach Europa deutlich eindämmen. Mehr als 50 % weniger Hybride sollen geliefert werden. Macht nichts, BYD wird durch den Bau von Fabriken in Europa dazwischengehen, so die Vermutung.
In China selbst bleibt die Lage schwierig. Der intensive Preiskampf, aggressive Rabatte der Wettbewerber und eine schwächere Nachfrage setzen die Hersteller unter Druck. BYD muss deshalb zunehmend außerhalb des Heimatmarktes wachsen, um diese Belastungen auszugleichen.
Eine Grenze dieser Strategie wurde allerdings am Donnerstag noch sichtbar. Nach jüngsten Berichten schließt BYD eine Expansion in die USA vorerst aus. Damit entfällt zumindest kurzfristig die Fantasie zusätzlicher Umsätze auf dem amerikanischen Markt. Die erfolgreiche Erschließung anderer Auslandsmärkte wird umso wichtiger. Nun hat die EU mit China einen deal geschlossen, wonach die Importe für Hybride um gut 50 % reduziert werden sollen. BYD allerdings sieht diese Art von „Druck (…) nur kurzfristig“.
Analysten bleiben dennoch zuversichtlich. Die Kursziele lassen sich demnach bei bis zu 14 Euro verankern.
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