Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von BYD ist freundlich in den Freitagshandel gestartet: In Frankfurt verbesserten sich die Papiere des chinesischen Batterie- und Fahrzeugherstellers um gut zwei Prozent auf 9,92 Euro. Damit scheint die jüngste Schwäche bei der BYD-Aktie wieder beendet. Auf Monatssicht hat sie sich ohnehin gut entwickelt: Ein Aufschlag von gut 15 Prozent seit Ende Juni sprechen eine klare Sprache. Und auch aus Deutschland gibt es gute Nachrichten: Die Chinesen wollen ein Segment erobern, das bislang vor allem einer deutschen Premiummarke vorbehalten war.
Taxis von BYD statt von Mercedes
Denn laut Medienberichten verliert Mercedes seine jahrzehntelange Dominanz im deutschen Taxigeschäft, während der chinesische Hersteller BYD in die entstehende Lücke stößt. Über viele Jahre galten Modelle wie die E-Klasse als Standard im Taxi-Gewerbe, doch inzwischen setzt der Konzern stärker auf Luxusfahrzeuge und höhere Margen. Nach Angaben des Industriemagazins brachen die Taxi-Zulassungen der Marke in den ersten acht Monaten 2024 deutlich ein: Statt 1.730 Fahrzeugen im Vorjahreszeitraum wurden nur noch 497 neue Mercedes-Taxis registriert. Besonders drastisch fiel der Rückgang bei der E-Klasse aus.
Von dieser Entwicklung profitiert dem Bericht zufolge vor allem BYD. Der chinesische Hersteller baue seine Präsenz im Bereich der professionellen Personenbeförderung konsequent aus und positioniere sich mit seinen Elektrofahrzeugen als Alternative für Taxiunternehmen, heißt es. „Während Mercedes das Segment nicht mehr aktiv bedient, setzt BYD auf die Chancen der Mobilitätswende und gewinnt dadurch an Bedeutung.“
BYD kann kurzfristig liefern
Mercedes begründet den Rückzug aus dem werksseitigen Taxiangebot mit zu geringen Stückzahlen und fehlender Wirtschaftlichkeit. Zudem passe das Taxigeschäft nach Aussagen eines Managers nicht mehr zum Luxusanspruch der Marke. Zwar können Fahrzeuge weiterhin über den Spezialisten INTAX zu Taxis umgerüstet werden, ein offizielles Werksangebot gibt es jedoch nicht mehr.
Ganz anders BYD. Der chinesische Hersteller arbeitet laut Industriemagazin für seine neue Taxi- und Mietwagenoffensive mit vier spezialisierten Unternehmen zusammen: DIE Transform aus der Lang Gruppe in Nümbrecht, INTAX in Oldenburg, Heedfeld in Berlin sowie Reuss in Hamburg. „Durch die regionale Verteilung der Partner sollen Bestellungen, Umbauten und Auslieferungen in verschiedenen Teilen Deutschlands abgewickelt werden können“, so der Bericht.
- Gemeinsam mit DIE Transform halte BYD nach eigenen Angaben rund 100 bereits vorbereitete Fahrzeuge auf Lager
- Damit sollen Taxi- und Mietwagenunternehmen ihre Flotten kurzfristig erweitern können, so die Hoffnung
BYD baut Vertriebsstandorte weiter aus
Hinter der Taxi-Offensive verbirgt sich eine Gesamtstrategie. BYD habe Deutschland, dem wichtigsten Einzelmarkt in Europa, zum Schwerpunkt seiner Entwicklung auf dem Kontinent auserkoren, meldet aktuell finanzmarktwelt.de. Im März bezog der Autohersteller aus Shenzhen demnach seine neue Firmenzentrale in Offenbach. „Von hieraus baut BYD systematisch seine Händlerpräsenz aus und zielt dabei hauptsächlich auf Privatkunden“, heißt es. Der Privatkundenanteil lag im Juni demnach bei fast 51 Prozent, weit mehr als im Durchschnitt mit 65 bis 70 Prozent Firmenzulassungen. BYD wolle mit dieser Strategie die Bekanntheit und das Vertrauen in die Marke stärken.
- Seit Anfang 2025, als es nur 26 Vertriebsstandorte gegeben habe, habe sich der Ausbau des Händlernetzes deutlich erhöht, so der Bericht
- „Im Juli kam mit dem Autohaus Wackenhut der 200. Standort hinzu; bis zum Jahresende sollen es rund 350 Verkaufsstationen werden“
In Deutschland erstmals vor Toyota
Der Erfolg gibt dem Unternehmen Recht, zumindest auf dem Papier. Während der Absatz in der Heimat schrumpft, kommt das Europa-Geschäft offenbar langsam in Fahrt: Im Juni 2026 hat BYD demnach erstmals Toyota bei den Neuzulassungen in Deutschland hinter sich gelassen. Die Chinesen kamen auf 6.259 Auslieferungen, Toyota auf lediglich 6.072.
BYD rangierte damit auf Platz 14 der meistverkauften Marken in Deutschland, nur noch knapp hinter Fiat. Kleine Einschränkung: Die Chinesen waren zuletzt mit überdurchschnittlich vielen Eigenzulassungen aufgefallen.
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