Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von BYD kommt einfach nicht mehr richtig in Fahrt. Zwar haben sich die Papiere des chinesischen Autobauers im Juli wieder bei mehr als 10 US-Dollar festgesetzt, zum Wochenstart aber mussten sie an der Nasdaq den nächsten Rücksetzer von drei Prozent auf aktuell 10,56 Dollar hinnehmen. Von ihren Kursständen aus dem April jenseits der 14 Dollar sind sie damit noch weit entfernt. BYD bleibt operativ zwar nach eigenen Angaben einer der erfolgreichsten Autobauer der Welt – an der Börse überzeugt das dennoch weniger. Die Aktie jedenfalls hat aufs Jahr gesehen noch immer mehr als 30 Prozent eingebüßt.
BYD Aktie Chart
BYD erfüllt hohe Erwartungen nicht
Der Grund liegt wohl vor allem in den hoch gesteckten Erwartungen. Denn Anleger bewerten nicht die Vergangenheit, sondern die künftige Ertragskraft. Und die Skepsis bezüglich des Konzerns wächst. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, haben der harte Preiskampf in China und sinkende Margen die Profitabilität zuletzt deutlich belastet. Hinzu kommt, dass BYD selbst zum Treiber des ruinösen Wettbewerbs geworden ist.
Mit aggressiven Rabatten verteidigt der chinesische Konzern seine Marktführerschaft, erkauft sich das Wachstum aber mit schwindenden Gewinnen. Für Investoren ist das ein Warnsignal: Hohe Stückzahlen verlieren an Bedeutung, wenn jeder zusätzlich verkaufte Wagen weniger einbringt. Bloomberg verweist darauf, dass Anleger deshalb ihre Gewinnerwartungen für den gesamten chinesischen E-Auto-Sektor nach unten korrigieren.
In Ungarn wir noch immer nicht produziert
Erschwerend kommen geopolitische Risiken hinzu. Europa erhebt Zusatzzölle auf chinesische Elektroautos, weitere Handelsbarrieren bleiben möglich. Zwar expandiert BYD mit neuen Werken und steigenden Exporten ins Ausland, doch diese Strategie benötigt Zeit und hohe Investitionen. Noch immer wird im geplanten Werk in Ungarn kein einziges Elektroauto produziert, ursprünglich war ein Start Ende 2025 angepeilt.
Und so bleibt das Unternehmen stark vom chinesischen Heimatmarkt abhängig, dessen Wachstum sich spürbar verlangsamt. Für Investoren ergeben sich daraus mehrere Unsicherheiten:
- anhaltender Margendruck durch den ruinösen Preiskampf
- geopolitische Risiken durch Zölle und Handelskonflikte
- hohe Investitionen in die internationale Expansion
Hat BYD Kunden in Australien betrogen?
Schlechte Nachrichten sind in einer solchen Lage Gift – doch eine solche gab es zuletzt. Laut übereinstimmender Medienberichten haben mehr als 1.200 BYD-Kunden in Australien ein Fahrzeug mit einem falschen Baujahr erhalten. „Wie der australische Sender ABC News berichtet, wurde ihnen statt des bestellten 2026er-Modells ein Fahrzeug aus dem Jahr 2025 geliefert“, meldet etwa das Magazin Auto, Motor & Sport. Nach ABC News sei vorrangig der Atto 3 betroffen, andere Medienberichte nennen außerdem den Sealion 8 und den Pick-up Shark 6.
Der Fehler flog dem Bericht zufolge durch einen Kunden auf, der versucht habe, eine Versicherung für das Fahrzeug abzuschließen. „Er richtete sich daraufhin direkt an BYD und der Hersteller informierte – nach internen Prüfungen – die anderen Halter der betroffenen Autos.“ Zunächst sei eine Entschädigung von 1.100 australischen Dollar (etwa 670 Euro) angedacht gewesen. Darüber beschwerten sich laut ABC News einige Kunden, auch ein Verbraucherschützer sah darin einen Betrug. „Es war ein Verwaltungsfehler. Es gab keinen Betrug“, rechtfertigte sich Paul Ellis, PR-Direktor von BYD. Alle Betroffenen haben nun die Wahl: Sie können den vollen Kaufpreis zurückerhalten, ihr Fahrzeug gegen ein korrektes 2026er-Modell tauschen oder das Auto behalten und die Entschädigung akzeptieren.
Analysten weiter mit hohen Kurszielen
Das ist zumindest ein Imageschafden: Bei den Analysten sind derlei Herausforderungen aber offenbar noch nicht angekommen. Laut marketscreener.com liegt das durchschnittliche Kursziel für die BYD-Aktie aktuell noch immer bei umgerechnet 13,86 Euro, was einem Kurszuwachs von knapp 50 Prozent entspräche. Von 29 angeführten Analysten
- empfehlen 25 den Kauf der BYD-Aktie
- drei raten zum Halten der Papiere
- nur einer würden derzeit reduzieren
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