Die Fabrik im ungarischen Szeged soll BYDs Tor zum europäischen Massenmarkt sein. Stattdessen entwickelt sich das Milliardenprojekt zu einem handfesten Reputationsrisiko. Der chinesische Elektroautobauer steht als erstes Unternehmen seines Landes wegen mutmaßlicher Arbeitsrechtsverletzungen im Fokus des Europäischen Parlaments.
Auslöser ist ein Bericht der Organisation China Labor Watch von Mitte April. Die Vorwürfe wiegen schwer. Subunternehmer sollen auf der Baustelle systematisch überlange Schichten von mehr als zwölf Stunden an sieben Tagen die Woche anordnen. Hinzu kommen intransparente Rekrutierungspraktiken, die chinesische Wanderarbeiter in die Abhängigkeit treiben.
Besonders brisant ist die Wahl der Partner. Auf der Baustelle agiert eine Tochtergesellschaft der Jinjiang Construction Group. Genau dieser Konzern war bereits 2024 in einen Skandal um sklavereiähnliche Zustände in einem brasilianischen BYD-Werk verwickelt. Der Autobauer hatte damals die Zusammenarbeit in Südamerika beendet, heuerte nun aber offenbar eine andere Tochterfirma desselben Netzwerks in Europa an. Ein BYD-Sprecher betonte auf Nachfrage die strikte Einhaltung lokaler Gesetze.
Strategische Bedeutung des Standorts
Für den Konzern steht viel auf dem Spiel. Das Werk in Szeged soll helfen, drohende EU-Zölle auf Importfahrzeuge zu umgehen. Mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar fließen in den Aufbau der Fabrik.
Nach dem Start der Testproduktion im ersten Quartal 2026 ist der Beginn der Massenfertigung für das zweite Jahresviertel angesetzt. Bei voller Auslastung sollen hier jährlich 300.000 Fahrzeuge vom Band rollen.
Wall Street bleibt optimistisch
Trotz der politischen Störfeuer zeigt sich die Wall Street unbeeindruckt. JPMorgan bewertet die Aktie weiterhin mit „Overweight“ und einem Kursziel von 120 Hongkong-Dollar. Die Analysten verweisen auf eine unerwartet starke Prognose des Managements. BYD peilt für das laufende Jahr einen Inlandsabsatz von bis zu vier Millionen Einheiten an. Das entspricht einem Wachstum von maximal 14 Prozent und übertrifft die flachen Markterwartungen deutlich.
Treiber dieser Entwicklung ist eine veränderte Produktstrategie. Bis zum vierten Quartal 2026 dürften teurere Modelle mit einem Preis von über 200.000 Yuan mehr als 30 Prozent der Verkäufe ausmachen. Neue Schnellladetechnologien verbessern parallel dazu die Margen im Heimatmarkt.
An der Börse spiegelt sich aktuell eine abwartende Haltung wider. Die Aktie schloss zuletzt bei 96,45 Hongkong-Dollar und rutschte damit unter die 100-Tage-Linie. Fällt der Kurs weiter, rückt die nächste charttechnische Unterstützung bei 96,83 Hongkong-Dollar in den Fokus. Kurzfristig dürften jedoch konkrete Neuigkeiten zum Produktionshochlauf in Ungarn die Richtung vorgeben.
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