Die Stimmung rund um BYD hat sich gedreht. Monatelang befand sich der chinesische Autobauer in der Defensive. Das Börsenjahr verlief hart. Die Aktie verlor seit Januar gut 12 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht steht sogar ein Minus von 28 Prozent.
Noch am 30. Juni markierte das Papier ein tiefes 52-Wochen-Tief. Die Wende kam schnell. Bis Freitagabend schoss der Kurs wieder auf 9,58 Euro nach oben. Der Auslöser für diesen starken Kurssprung kommt direkt aus der Fabrik. Die Machtverhältnisse im globalen Elektro-Markt kippen zurück nach Shenzhen.
Rückkehr auf den Thron
BYD ist wieder der weltgrößte Hersteller von reinen Elektroautos. Im zweiten Quartal lieferte der Konzern 557.090 Batteriefahrzeuge aus. Der wichtigste amerikanische Rivale kam im selben Zeitraum nur auf etwa 480.000 Einheiten.
Dieser Sieg wiegt schwer. In China fielen kürzlich wichtige Steuerbefreiungen weg. Das bremste die heimische Nachfrage merklich. BYD gleicht diese Schwäche nun gezielt über den Export aus. Das Auslandsgeschäft wächst rasant. Im Juni machten internationale Verkäufe bereits mehr als 40 Prozent des Gesamtvolumens aus.
Flucht nach vorn
Zusätzlich setzen europäische Zölle chinesische Autobauer massiv unter Druck. BYD reagiert darauf und forciert die lokale Produktion. Der Konzern sucht aktuell nach einem Standort für ein zweites europäisches Montagewerk. Die Teams prüfen Berichten zufolge Flächen in Spanien und Frankreich.
Die Marschroute ist klar. BYD wandelt sich vom reinen Exporteur zum lokalen Produzenten. Das erste Werk in Ungarn startet voraussichtlich im vierten Quartal 2026. Alle Ressourcen fließen nun in die Europäische Union. Das geplante Milliardenprojekt in der Türkei hat das Management vorerst auf Eis gelegt.
Zölle als teures Hindernis
Der Weg in Europa bleibt dennoch steinig. Die EU-Kommission bereitet neue Maßnahmen vor. Sie will eine lukrative regulatorische Lücke schließen. Bisher profitierten Plug-in-Hybride von deutlich niedrigeren Zöllen als reine Stromer.
BYD nutzte diesen Vorteil konsequent aus. Im Mai feierte die Marke in Deutschland einen Rekord bei Hybrid-Zulassungen. Neue Zölle auf diese Fahrzeuge dürften die hohen Margen in diesem Segment nun spürbar belasten. Reicht das aus, um die Offensive aus Shenzhen zu stoppen? Das Management zeigt sich unbeeindruckt. BYD hob das Exportziel für 2026 kürzlich auf 1,5 Millionen Einheiten an. Der Konzern traut sich offenbar zu, die neuen Kosten einfach aufzufangen.
Chartbild hellt sich auf
Der Kurssprung vom Freitag brachte einen Zuwachs von starken 7,38 Prozent. Das Chartbild stabilisiert sich dadurch. Der 14-Tage-RSI steht nun bei neutralen 56,6 Punkten. Von überkauften Niveaus bleibt das Papier weit entfernt.
Trotz der jüngsten Erholung existiert ein erheblicher Abschlag. Das 52-Wochen-Hoch liegt noch immer über 35 Prozent entfernt. Für die kommenden Tage steht eine entscheidende Hürde im Fokus. Der 50-Tage-Durchschnitt verläuft aktuell bei exakt 9,96 Euro. Gelingt der nachhaltige Sprung über diese Marke, festigt sich die Erholung. Die Aktie könnte dann den langfristigen Abwärtstrend der vergangenen zwölf Monate ernsthaft attackieren.
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