Im zweiten Quartal 2026 hat BYD bei den weltweiten Auslieferungen reiner Elektrofahrzeuge erstmals klar an Tesla vorbeigezogen. 557.090 batterieelektrische Fahrzeuge standen 480.126 Einheiten bei Tesla gegenüber. Der chinesische Konzern nutzt den Schwung, um sein nächstes Ziel offen auszusprechen: Toyota soll als größter Autobauer der Welt abgelöst werden – und das binnen fünf Jahren, ohne dass BYD dafür den US-Markt für Personenwagen betreten müsste. Das erklärte Stella Li von BYD. Der Größenunterschied bleibt vorerst gewaltig: 2025 verkaufte BYD rund 4,5 Millionen Fahrzeuge, Toyota mehr als 10,5 Millionen.
Europa als Wachstumsmotor gegen einen schwächelnden Tesla
Besonders deutlich zeigt sich der Rollenwechsel in Europa. Während Teslas Absatz auf dem Kontinent 2025 um 26,9 Prozent auf 238.656 Fahrzeuge einbrach, legte BYD im selben Jahr um rund 270 Prozent auf 187.657 Einheiten zu. Der Trend setzte sich 2026 fort: In den ersten fünf Monaten meldete Tesla ein Plus von 57 Prozent auf 118.000 europäische Neuzulassungen, BYD kam auf 135.307 Fahrzeuge und ein Plus von 145 Prozent. Im Mai 2026 erreichte BYD in Europa einen Marktanteil von 2,8 Prozent und lag damit vor Ford, Tesla und Nissan. Um das Wachstum zu stützen, plant der Konzern nach Angaben aus dem Umfeld des Unternehmens Investitionen von rund zwei Milliarden Euro in etwa 3.000 Schnellladepunkte in Europa bis 2027. Parallel positioniert sich die Marke auch im Premiumsegment: Der elektrische Supersportwagen Denza Z startet bei 142.900 britischen Pfund.
Expansion in Asien und Lateinamerika
Auch außerhalb Europas treibt BYD den Ausbau seiner Werke voran. In Thailand überschritten die kumulierten Auslieferungen zum zweiten Jahrestag des Werks Rayong die Marke von 130.000 Fahrzeugen. Die Anlage, BYDs erste Passagierfahrzeug-Basis außerhalb Chinas, hat eine Jahreskapazität von 150.000 Einheiten, beschäftigt mehr als 5.000 Mitarbeiter – 93 Prozent davon Thailänder – und fertigt fünf Modelle mit einem lokalen Teileanteil von 50 Prozent vor Ort.
In Pakistan traf am Hafen von Karachi die bislang größte Lieferung von BYD-Fahrzeugen ein: mehr als 2.000 Einheiten per Ro-Ro-Schiff, verschifft über den offiziellen Vertriebspartner Mega Motor Company. Danish Khaliq, Vizepräsident für Vertrieb und Strategie, und Lei Jian, Länderchef von BYD Pakistan, führten die Sendung auf die wachsende Nachfrage nach Elektrofahrzeugen im Land zurück. In Brasilien lief am 16. Juli am Werk Camaçari das 100.000. Fahrzeug vom Band, gut ein Jahr nach dem Produktionsstart im Juli 2025 – der Konzern will dort bis 2030 zur meistverkauften Automarke aufsteigen.
Heimatmarkt bleibt Schwachstelle
Dem internationalen Schwung steht eine deutliche Eintrübung im chinesischen Heimatmarkt gegenüber. In der ersten Jahreshälfte 2026 verkaufte BYD weltweit 1.777.321 Fahrzeuge, ein Rückgang von 16,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Inlandsauslieferungen brachen sogar um 45,9 Prozent auf 795.169 Einheiten ein. Der Kontrast zwischen schrumpfendem Heimatgeschäft und zweistelligem Wachstum in Übersee prägt derzeit das Bild des Konzerns.
An der Börse spiegelt sich diese gemischte Lage wider. Die BYD-Aktie schloss am Freitag bei 9,90 Euro, ein Rückgang von 1,75 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Plus von 9,39 Prozent, ein Hinweis auf eine gewisse Erholung. Zum 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro aus dem Juli 2025 fehlen der Aktie aktuell jedoch noch gut 33 Prozent.
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