Ein Regierungsdekret aus Peking reicht am Freitag aus, um BYD-Aktien um 3,01 Prozent auf 9,58 Euro nach oben zu schicken. Chinas Staatsrat hat einen neuen Fünfjahresplan zur Emissionsreduktion vorgelegt — und der enthält eine Zahl, die für den größten Elektroautobauer des Landes zählt.
Der 30-Prozent-Fahrplan aus Peking
Bis 2030 sollen Neuenergiefahrzeuge 30 Prozent des chinesischen Autobestands ausmachen. So steht es im am Donnerstag veröffentlichten „Carbon Peaking Action Plan“ für den 15. Fünfjahresplan. Das Ziel ist Teil von Chinas größerem Vorhaben, die CO2-Emissionen noch vor 2030 zu drosseln.
Wie ambitioniert das Ziel ist, zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen. Ende 2025 lag Chinas NEV-Flotte bei 43,97 Millionen Fahrzeugen, das entspricht 12,01 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands, so das chinesische Ministerium für öffentliche Sicherheit. Um die Vorgabe für 2030 zu erreichen, muss sich die Flotte innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppeln.
Der Plan geht noch weiter. Auch bei gewerblich genutzten Transportfahrzeugen sollen Neuenergie-Antriebe bis 2030 einen Anteil von 25 Prozent erreichen. Um das zu stemmen, will die Regierung Lade- und Batteriewechsel-Infrastruktur ausbauen, dazu grünen Wasserstoff, Ammoniak und Methanol als Kraftstoffe fördern. Der Fokus liegt auf Autobahnen und Fernstraßen mit hohem Frachtaufkommen.
Ein Wermutstropfen bleibt: Direkte E-Auto-Subventionen laufen aus, Steuerbefreiungen für Plug-in-Hybride und bestimmte gewerbliche Elektrofahrzeuge enden 2027. Reine Batterie-Elektroautos bleiben vorerst verschont — und genau dort ist BYD stark aufgestellt.
Produktion läuft heiß, Inlandsnachfrage schwächelt
Die politische Nachricht trifft auf einen Konzern, der gerade einen Produktionsrekord feiert. Am 8. Juli 2026 rollte das 17-millionste Neuenergiefahrzeug vom Band, ein Seal 08. Erst 82 Tage zuvor, am 17. April, hatte BYD die 16-Millionen-Marke geknackt.
Die Halbjahreszahlen zeigen aber auch, wie stark sich das Wachstum ins Ausland verlagert. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte BYD 1.808.511 Fahrzeuge aus. Die Auslandsverkäufe von Pkw und Pickups stiegen dabei um 68 Prozent auf 789.367 Einheiten.
Zu Hause läuft es schlechter. Die Inlandsverkäufe fielen im Juni um 22 Prozent auf 228.123 Fahrzeuge. Exporte machen mittlerweile 43 Prozent der monatlichen Verkäufe aus — BYD verlagert sein Wachstum zunehmend nach außen.
Parallel schiebt der Konzern sich technologisch nach oben. Beim Goodwood Festival of Speed zeigte BYD diese Woche den Denza Z, einen Elektro-Hypercar mit knapp 1.600 PS und einem Sprintwert von unter zwei Sekunden auf 100 km/h. Beim Laden will das Unternehmen ebenfalls Tempo machen: Mehr als 7.000 Schnellladestationen in über 300 Städten sind bereits installiert, bis Jahresende sollen es 20.000 werden.
Südafrika-Deal erweitert die Finanzierungsschiene
Auch außerhalb Chinas baut BYD seine Infrastruktur aus. Die Bankengruppe Absa und BYD Auto South Africa haben ihre Zusammenarbeit über BYD Finance, ein Produkt von Absa, vertieft — eine Fortführung der 2025 gestarteten Partnerschaft.
Der Markt dahinter wächst rasant. Zwischen Januar und Mai 2026 legten NEV-Verkäufe in Südafrika laut Absa um 78,8 Prozent zu, Plug-in-Hybride kletterten um 681 Prozent, reine Batteriefahrzeuge um 193 Prozent. BYD belegte in diesem Zeitraum mit 2.011 verkauften Einheiten Platz zwei unter den NEV-Marken des Landes.
Aktuell stützt die Vereinbarung ein Netzwerk von 52 Händlern. Bis Jahresende will BYD auf 80 Standorte kommen.
Charttechnik bleibt angeschlagen
Trotz des Freitagssprungs liegt die Aktie noch rund 35 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,80 Euro, erreicht im Juli 2025. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 12,55 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es fast 27 Prozent. Immerhin: Vom 52-Wochen-Tief bei 8,03 Euro Ende Juni hat sich der Kurs bereits um knapp 19 Prozent erholt.
Der RSI von 55,8 signalisiert neutrales Terrain, weder überkauft noch überverkauft. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 10,70 Euro — gut 10 Prozent über dem aktuellen Kurs. Ob Pekings langfristiges Ziel kurzfristig für echte Nachfrage sorgt oder der Freitagssprung ein Strohfeuer bleibt, hängt auch davon ab, wie schnell BYD diese Lücke zum 200-Tage-Schnitt schließen kann.
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