BYD steckt mitten in einem tiefgreifenden Konzernumbau — und kämpft gleichzeitig gegen juristische Vorwürfe in Europa. Während die Aktie auf ein Mehrmonatstief gefallen ist, setzt das Unternehmen auf Dezentralisierung, um das schwächelnde Inlandsgeschäft zu stabilisieren.
Fünf Marken, fünf Forschungszentren
CEO Wang Chuanfu zerschlägt das bisherige zentrale Automotive Engineering Research Institute. An seiner Stelle entstehen fünf eigenständige Forschungseinheiten — je eine für die Marken Dynasty, Ocean, Denza, Fang Cheng Bao und Yangwang.
Das Modell folgt dem Prinzip der vollständigen Eigenverantwortung. Jede Einheit trägt künftig ihre eigene Gewinn- und Verlustrechnung. Kerntechnologien wie die Blade-Batterie und gemeinsame Plattformen bleiben zentral gesteuert. Produktdefinition und Fahrzeugplanung hingegen liegen fortan bei den Marken selbst.
Das Ziel: interne Konkurrenz abbauen. Vor allem zwischen den volumenstarken Serien Dynasty und Ocean gab es bisher Überschneidungen, die Ressourcen verschwendeten.
Umweltvorwürfe in Ungarn
Parallel läuft ein juristischer Konflikt um BYDs erstes europäisches Werk im ungarischen Szeged. Vizepräsidentin Stella Li wies am 21. Juni auf einer Konferenz in Belgrad Vorwürfe zurück, das Unternehmen habe beim Bau Umweltvorschriften verletzt. Die Anschuldigungen — illegale Entsorgung von mit Alkylbenzol belastetem Erdreich — bezeichnete sie als falsch. Anwälte wurden eingeschaltet.
Ungarische Behörden hatten im Mai 2026 Ermittlungen wegen möglicher Umweltgefährdung eingeleitet. Der Bau läuft trotzdem weiter. Die Produktion in Szeged soll noch 2026 starten.
Exportboom trifft auf Kapazitätsgrenzen
Das Inlandsgeschäft schwächelt: Von Januar bis Mai 2026 verkaufte BYD rund 1,4 Millionen Fahrzeuge — ein Rückgang von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Ausland läuft es besser. Allein im Mai exportierte BYD mehr als 160.000 Einheiten, ein Plus von über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Wachstum im Export bremst allerdings der Hochlauf der zweiten Generation der Blade-Batterie. Die neue Technologie ermöglicht eine Ladung von zehn auf 70 Prozent in fünf Minuten. Die Kapazität steigt monatlich um 20.000 bis 30.000 Einheiten. Hinzu kommt ein weiteres Risiko: Die EU prüft neue Zölle auf chinesische Plug-in-Hybride, um bestehende Importschlupflöcher zu schließen — das könnte BYDs Exportmargen mittelfristig belasten.
Aktie tief im überverkauften Bereich
Die Aktie schloss am Freitag bei 8,90 Euro, knapp über dem 52-Wochen-Tief von 8,82 Euro vom 18. Juni. Seit Jahresbeginn hat das Papier fast 19 Prozent verloren. Der RSI liegt bei 25,6 — ein Wert, der technisch als stark überverkauft gilt und erfahrungsgemäß antizyklische Käufer anzieht.
Ob das reicht, um die Trendwende einzuleiten, hängt auch davon ab, wie schnell BYD den Umbau intern umsetzt und die Exportkapazitäten hochfährt. Die nächsten Monatszahlen werden zeigen, ob der Exportboom die Inlandsschwäche tatsächlich kompensieren kann.
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