BYD will in Europa schneller Wurzeln schlagen. Nicht nur mit Importen, sondern mit eigener Produktion vor Ort. Der chinesische E-Auto-Konzern verhandelt dafür mit Stellantis und weiteren europäischen Herstellern über kaum ausgelastete Werke. Der Treiber dahinter ist klar: Zölle, Wachstumstempo und der Wunsch nach Kontrolle.
Italien rückt in den Mittelpunkt
Im Zentrum der Gespräche stehen offenbar die italienischen Standorte Cassino und Mirafiori. Beide Werke bringen vorhandene Infrastruktur mit, die BYD den Aufbau lokaler Kapazitäten beschleunigen könnte. Für europäische Hersteller wäre ein Deal zugleich eine Möglichkeit, schwach ausgelastete Anlagen neu zu nutzen.
Cassino zeigt, wie groß der Druck ist. Im ersten Quartal 2026 liefen dort nur 2.916 Fahrzeuge vom Band, ein Rückgang um 37,4 Prozent zum Vorjahr. Für BYD ist genau das interessant: vorhandene Fabriken, eingespielte Logistik und qualifizierte Belegschaften statt jahrelanger Aufbauarbeit auf der grünen Wiese.
Der Konzern bevorzugt dabei volle Kontrolle. BYD strebt 100 Prozent Eigentum und direkte operative Führung an, statt sich über Gemeinschaftsunternehmen an europäische Partner zu binden. Das passt zur bisherigen Strategie: Produktionstechnik, Lieferketten und Qualitätsstandards sollen möglichst geschlossen aus dem eigenen System kommen.
Zölle erhöhen den Druck
Der Standort Europa ist für BYD nicht nur eine Wachstumsfrage. Er ist auch eine Kostenfrage. Auf importierte Elektrofahrzeuge aus China fällt für BYD ein zusätzlicher EU-Zoll von 17 Prozent an, neben dem regulären Satz von 10 Prozent. Lokale Fertigung würde diese Belastung deutlich entschärfen.
Parallel baut BYD bereits in Ungarn auf. Im Werk Szeged soll die Serienproduktion im zweiten Quartal 2026 anlaufen. Kommen italienische Standorte hinzu, hätte der Konzern mehrere europäische Ankerpunkte und könnte flexibler auf Nachfrage, Regulierung und politische Risiken reagieren.
Auch im Premiumsegment sucht BYD Anschluss. Die Marke Maserati bezeichnete das Management als „sehr interessant“, eine konkrete Kaufvereinbarung gibt es bislang nicht. Für die eigene Premiumlinie Denza holte BYD zuletzt Fachkräfte von Porsche; der Marktstart in Großbritannien ist später im Jahr 2026 geplant.
Exportboom trifft Margendruck
Operativ liefert BYD weiter beeindruckende Volumina. Im April 2026 exportierte der Konzern 135.098 Fahrzeuge und lag damit über dem geschätzten monatlichen Tesla-Niveau von rund 119.341 Einheiten. Das unterstreicht, wie stark BYD inzwischen außerhalb Chinas skaliert.
Das ist mehr als Symbolik. Der Auslandsanteil wird für BYD zur zentralen Stellschraube, weil der Heimatmarkt hart umkämpft bleibt und Preisdruck die Margen belastet.
Im selben Monat verkaufte BYD insgesamt 314.100 Fahrzeuge; der Exportanteil lag bei rund 43 Prozent. In Australien überholte der Sealion 7 zuletzt Teslas Model Y, wodurch BYD dort im April zur zweitbestverkauften Marke aufstieg.
Auch Südkorea entwickelt sich dynamisch. Dort erreichte BYD innerhalb von 11 Monaten mehr als 10.000 verkaufte Fahrzeuge und setzte damit eine neue Bestmarke für eine Importmarke. Die Expansion greift also nicht nur in Europa, sondern auf mehreren Auslandsmärkten.
Allerdings ist das Wachstum teuer. Im ersten Quartal 2026 sank der Nettogewinn um 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2025 strich BYD weltweit rund 100.000 Stellen, um die Kostenstruktur auf das Exportziel von 1,5 Millionen Fahrzeugen auszurichten.
Der Serienanlauf in Szeged und mögliche Werksdeals in Italien werden nun zum Praxistest. Gelingt BYD der schnelle Aufbau lokaler Fertigung, könnte der Konzern seine europäische Kostenbasis spürbar verbessern und den Zollnachteil gegenüber etablierten Herstellern verkleinern.
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