BYD hat auf einer Technologiemesse in Shenzhen einen eigenen Autopilot-Chip vorgestellt. Der Kurs legte am Freitag zu — kann ein Halbleiter die Wachstumssorgen überdecken?
Xuanji A3: BYDs Antwort auf den Preiskampf
Der neue Chip heißt Xuanji A3. Er basiert auf einem 4-Nanometer-Prozess und unterstützt autonomes Fahren auf Level 3 und Level 4. Drei Chips zusammen liefern mehr als 2.100 TOPS Rechenleistung. BYD sagt, der Chip befindet sich bereits in der Massenproduktion.
Die strategische Botschaft dahinter ist klar. BYD will zeigen, dass der nächste Wettbewerbsvorteil nicht aus günstigeren Preisen oder größeren Batterien kommt. Das Unternehmen setzt auf Kontrolle über die eigene Technologiekette — von der Hardware bis zur Fahrzeugsoftware. In einem chinesischen EV-Markt mit Rivalen wie Xpeng und Xiaomi ist das eine wichtige Differenzierung.
BYD beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 7.000 Ingenieure allein in der Chip-Entwicklung. Die Investitionen in diesem Bereich überschreiten umgerechnet rund 100 Milliarden Renminbi. Vier eigene Forschungszentren arbeiten an Halbleitern für Fahrzeuge.
Schwaches Quartal, starke Exportzahlen
Der Zeitpunkt des Chip-Launches ist kein Zufall. BYD steht unter Druck. Im ersten Quartal 2026 sank der Betriebsumsatz um knapp zwölf Prozent auf 150,2 Milliarden Renminbi. Der Nettogewinn brach um mehr als 55 Prozent auf 4,1 Milliarden Renminbi ein. Der Gewinn je Aktie fiel um fast 57 Prozent.
Indes liefern die Exportzahlen ein anderes Bild. Im April verkaufte BYD rund 134.500 Elektrofahrzeuge und Pickups im Ausland — ein Plus von fast 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist deutlich stärker als zunächst kommuniziert. Die Inlandsnachfrage bleibt dagegen schwach: Auf Jahresbasis lagen die Gesamtverkäufe im April noch 26 Prozent unter Vorjahr.
Der Chip-Launch gibt der Aktie deshalb eine neue Erzählung. Statt eines weiteren Rabattkampfes steht jetzt Technologiekompetenz im Vordergrund.
Kurs erholt sich, Bild bleibt gemischt
Die Hongkonger Aktie schloss am Freitag bei 91,30 Hongkong-Dollar — ein Tagesplus von gut einem Prozent. Die Handelsspanne reichte von 89,15 bis 93,30 HKD. Über die gesamte Woche gesehen blieb der Kurs nahezu unverändert: Am Donnerstag der Vorwoche hatte er bei 91,60 HKD geschlossen.
Technisch ist das Bild noch nicht repariert. Kurzfristige Durchschnitte — darunter der 5-, 10- und 20-Tage-Schnitt — liegen weiterhin unter den längerfristigen Linien. Die nächste Unterstützung markiert der Bereich um 89 HKD, erster Widerstand liegt beim Freitagshoch bei 93,30 HKD.
Ob der Xuanji A3 tatsächlich Nachfrage, Preissetzungsmacht oder Margen verbessert, wird sich erst in künftigen Liefer- und Ergebniszahlen zeigen. Analysten mahnen, dass BYDs Technologiefortschritt erst durch reale Fahrleistung bestätigt werden muss. Die nächste Bewährungsprobe liefern die Verkaufszahlen für Mai — erwartet Anfang Juni.
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