BYD Aktie: 11,275 Gigawattstunden für Masdar

BYD meldet Sicherheitszertifikat, 11,3 GWh Speicherauftrag aus Abu Dhabi und Roboter-Pläne. Die erneute US-Listung trübt die positive Bilanz.

Auf einen Blick:
  • Sicherheitszertifikat für Fahrassistenzsysteme erhalten
  • Riesiger Energiespeicher-Deal mit Masdar
  • US-Verteidigungsministerium setzt BYD erneut auf Liste
  • Humanoiden Roboter für August angekündigt

BYD meldet gleich mehrere positive Entwicklungen binnen weniger Tage: eine neue Sicherheitszertifizierung für Fahrassistenzsysteme, einen milliardenschweren Energiespeicher-Auftrag in den Vereinigten Arabischen Emiraten und einen bevorstehenden Vorstoß ins Robotik-Geschäft. Gleichzeitig hat das US-Verteidigungsministerium den chinesischen Autobauer erneut auf eine Liste vermeintlicher „chinesischer Militärunternehmen“ gesetzt – ein Nadelstich, der die geopolitischen Spannungen um den Konzern unterstreicht.

Zertifizierung für neuen Sicherheitsstandard

Am Dienstag gab BYD bekannt, die Sicherheitsmanagement-Zertifizierung für Chinas kommenden verpflichtenden L2-Standard GB 47955-2026 erhalten zu haben. Der Standard wurde am 27. Juni verabschiedet, Anfang Juli veröffentlicht und tritt zum 1. Januar 2027 in Kraft. An seiner Ausarbeitung waren neben BYD auch Xiaomi, Tesla, NIO, XPENG und Li Auto beteiligt. Nach eigenen Angaben übertreffen alle BYD-Modelle mit dem hauseigenen Assistenzsystem „God’s Eye“ die Mindestanforderungen des Standards bereits jetzt. Das Zertifikat bezieht sich auf das organisatorische Sicherheitsmanagement des Unternehmens, nicht auf einzelne Fahrzeugmodelle. Der Zeitpunkt ist strategisch: In China erreicht die Verbreitung von L2-Systemen in Neuwagen inzwischen rund 70 Prozent, Systeme mit Navigations-Autopilot liegen bei über 30 Prozent.

Großauftrag für Energiespeicher in Abu Dhabi

Parallel dazu hat BYD einen Vertrag über 11,275 Gigawattstunden Energiespeicherkapazität mit dem emiratischen Unternehmen Masdar abgeschlossen. Der Auftrag ist Teil des Projekts „Round The Clock“ in Abu Dhabi, dessen Gesamtbedarf bei 19 Gigawattstunden liegt – den restlichen Anteil von 7,5 Gigawattstunden übernimmt der chinesische Konkurrent Sunshine Power. Zum Einsatz kommt BYDs „Haohan“-System, dessen 20-Fuß-Container jeweils zehn Megawattstunden Kapazität bieten. Der Auftrag zeigt, dass BYD sein Geschäft über den reinen Fahrzeugbau hinaus zunehmend auf Energiespeicherlösungen ausweitet und dabei international expandiert.

US-Blacklist als politischer Belastungsfaktor

Weniger erfreulich fällt eine Entscheidung aus Washington aus: Das US-Verteidigungsministerium hat BYD zusammen mit Alibaba und Baidu erneut auf eine Liste chinesischer Unternehmen mit vermuteten Verbindungen zum Militär gesetzt. Die Liste umfasst mittlerweile 188 Firmen, nach 134 im Vorjahr. Die chinesische Botschaft bezeichnete den Schritt als diskriminierend. Für BYD hat die Einstufung vor allem symbolischen Charakter, da das Unternehmen in den USA ohnehin durch Zölle von rund 100 Prozent sowie kommende Verbote chinesischer Software ab 2027 und Hardware ab 2030 vom Massenmarkt weitgehend ausgeschlossen bleibt. Ford-Chef Jim Farley warnte diese Woche seine Belegschaft dennoch, chinesische Hersteller könnten binnen fünf bis zehn Jahren in den US-Markt eindringen – ein Hinweis darauf, wie ernst die Konkurrenz aus China selbst hinter geschlossenen Handelsgrenzen genommen wird.

Expansion in Robotik und neue Märkte

BYD kündigte zudem an, im August erstmals einen humanoiden Roboter vorzustellen. Die Präsentation soll in den „Di Space“-Zentren beginnen, zunächst in Zhengzhou. Konzernvize Stella Li strebt an, künftig zwei bis drei Roboter pro Verkaufsfiliale zu platzieren – ein direkter Vorstoß in das Feld, das Tesla mit seinem Optimus-Projekt bereits besetzt. Auf den etablierten Absatzmärkten läuft es für BYD unterdessen weiter rund: In Brasilien überholte der Konzern Hyundai und rückte auf Platz vier der Verkaufsrangliste vor, während das Modell Song im Januar mit gut 42.000 verkauften Einheiten meistverkauftes Auto in ganz China war. In Großbritannien knackte BYD binnen drei Jahren seit Markteintritt die Marke von 100.000 verkauften Fahrzeugen, das Händlernetz wuchs von fünf auf 143 Standorte.

Kursbild bleibt volatil

An der Börse hat sich das Papier zuletzt spürbar erholt: Seit einem Monat steht ein Plus von 19,86 Prozent zu Buche, der Schlusskurs vom Donnerstag lag bei 10,40 Euro. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch aus dem August vergangenen Jahres fehlen dennoch weiterhin 21,44 Prozent. Die operative Entwicklung bleibt dabei durchwachsen: Im ersten Quartal war der Umsatz um 11,8 Prozent gesunken, der Nettogewinn brach um 55,4 Prozent ein. Die Diskrepanz zwischen schwächeren Konzernzahlen und starker operativer Nachrichtenlage – neue Aufträge, neue Zertifikate, neue Märkte – dürfte Anleger in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.

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