Ein Tagesplus von fast 50 Prozent hat es bei Bumble noch nie gegeben. Auslöser sind fortgeschrittene Gespräche über eine Privatisierung der Dating-App. Als Käufer gilt Ithaca Holdings, eine junge Investmentfirma mit KI-Schwerpunkt.
Der mögliche Deal
Der Kaufpreis soll bei rund einer Milliarde US-Dollar liegen. Vor Bekanntwerden der Gespräche war Bumble an der Börse nur gut 300 Millionen Dollar wert, je nach Berechnung zwischen 335 und 389 Millionen. Der Preis entspräche damit fast einer Verdreifachung. Der Handel mit den Aktien wurde zwischenzeitlich wegen der extremen Schwankungen kurz ausgesetzt. Zuletzt notierte das Papier bei etwa 3,81 Dollar, im Tageshoch waren es 3,97 Dollar.
Gründerin und CEO Whitney Wolfe Herd soll an Bord bleiben. Sie dürfte zumindest einen Teil ihrer Beteiligung in die Transaktion einbringen. Eine Einigung könnte noch diese Woche folgen, sofern die Verhandlungen nicht platzen. Eine offizielle Bestätigung des Unternehmens liegt bislang nicht vor.
Ithaca ist ein ungewöhnlicher Bieter. Die Firma wurde erst kürzlich von Ravi Gupta, früher Finanzchef bei Instacart und heute Partner bei Sequoia, sowie dem ehemaligen Meta-Manager John Hegeman gegründet. Bumble wäre eine der ersten großen Transaktionen. Geplant ist, künstliche Intelligenz in den Beteiligungen stärker zu nutzen.
Vom Börsenliebling zum Sanierungsfall
Der Preis relativiert sich mit Blick zurück. Nach dem Börsengang 2021 war Bumble zeitweise mehr als 14 Milliarden Dollar wert. Seither hat die Aktie über 90 Prozent verloren.
Die Branche kämpft mit einem strukturellen Problem: Jüngere Nutzer verbringen weniger Zeit auf Dating-Plattformen, die Zahlungsbereitschaft sinkt. Auch Konkurrent Match Group mit Tinder und Hinge spürt das. Bei Bumble kommt operative Schwäche hinzu. Im zweiten Quartal ging der Umsatz um 15,2 Prozent zurück, die Zahl zahlender Nutzer sank. Der bereinigte Betriebsgewinn fiel von 94,6 auf 72,9 Millionen Dollar.
Zudem hat das Unternehmen sein Markenzeichen aufgegeben: Die Regel, dass nur Frauen die erste Nachricht senden dürfen, ist Geschichte. Bereits früher in diesem Jahr war bekannt geworden, dass Bumble einen Verkauf prüft. Dass die Gespräche nun weit fortgeschritten sind, passt zu diesem Bild.
Gelingt der Abschluss, wäre es ein Neustart unter privater Regie, weit entfernt von den Höchstbewertungen der Börsenzeit. Eine Ankündigung könnte noch in dieser Woche kommen. Platzen die Gespräche, fehlt dem Kurssprung die Grundlage.
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