Spekulationen über eine milliardenschwere Konsolidierung im britischen Telekommunikationssektor haben der BT-Aktie zum Wochenausklang deutlichen Auftrieb verliehen. Das Papier legte am gestrigen Freitag um 3,5 Prozent auf 2,33 Euro zu.
Laut Berichten der Financial Times führt der Konzern Vorgespräche mit Regierungsvertretern im Vereinigten Königreich, um die kartellrechtlichen Hürden für ein mögliches Übernahmeangebot für den Rivalen TalkTalk auszuloten.
Vorgespräche über Retail- und Wholesale-Geschäft
Im Raum steht demnach eine Übernahme sowohl des Endkunden- als auch des Großhandelsgeschäfts von TalkTalk. Medienberichten zufolge traf sich BT-Chefin Allison Kirkby persönlich mit Vertretern der britischen Regierung, um das regulatorische Risiko einer formellen Wettbewerbsprüfung abzustecken. Ein offizielles Übernahmeangebot oder eine verbindliche Vereinbarung zwischen den beiden Telekommunikationskonzernen liegt bislang allerdings nicht vor.
Zusätzliche Komplexität entsteht durch die Gläubigerstruktur des Konkurrenten. Medienberichten zufolge prüfen Kreditgeber von TalkTalk rechtliche Schritte gegen einen potenziellen Rettungsdeal durch BT. Ob rechtliche Risiken tatsächlich greifen, hängt nach derzeitigem Stand maßgeblich von der konkreten Ausgestaltung einer möglichen Transaktion ab.
Flankiert wurde das Kursplus der BT-Aktie am Freitag von einer allgemeinen Erholung am Londoner Aktienmarkt, nachdem schwächere US-Arbeitsmarktdaten Zinssorgen dämpften.
Vorstöße im Geschäftskunden- und Unterhaltungsbereich
Abseits der Übernahmegespräche treibt das Management die Weiterentwicklung des operativen Geschäfts voran. Am Donnerstag stellte BT ein neues Portfolio unter dem Namen „AI from BT“ vor.
Das Angebot richtet sich an britische Firmen und umfasst unter anderem eine automatisierte Telefonassistenz sowie eine Plattform zur Implementierung künstlicher Intelligenz. Nach Erhebungen des Unternehmens verlieren kleine und mittlere Betriebe in Großbritannien jährlich schätzungsweise 3,7 Milliarden Pfund durch verpasste Kundenanrufe.
Gleichzeitig stärkt der Konzern seine Position im Mediengeschäft und kündigte mit „BT TV“ ein Produkt an, das lineares Fernsehen, Streamingdienste und Premium-Inhalte bündelt. Der Start des Dienstes ist für den 15. Oktober vorgesehen.
Bereits wenige Tage zuvor meldete BT International einen Großauftrag der Schweizer Großbank UBS. Das Finanzinstitut modernisiert seine weltweite Händlerkommunikation über die Plattform BT Trading & Command auf Basis von Microsoft Azure und führt damit 20 bisherige Handelssysteme in einer Lösung zusammen.
Mit dem Kursanstieg am Freitag baut die BT-Aktie ihre positive Entwicklung aus und liegt seit Jahresanfang mit 10 Prozent im Plus. Ob aus den Vorgesprächen um TalkTalk ein formeller Übernahmeversuch erwächst, hängt nun vor allem an den wettbewerbsrechtlichen Signalen aus London.
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