Rund 20 Prozent hat die Broadcom-Aktie zuletzt von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 495 Dollar verloren. Auslöser der Verkaufswelle war die Sorge, dass große Cloud-Anbieter wie Google verstärkt eigene Chips entwickeln und damit Broadcoms Geschäft mit maßgeschneiderten Beschleunigern untergraben könnten. Doch aus Sicht mancher Beobachter übersieht der Markt dabei den eigentlichen Wettbewerbsvorteil des Halbleiterkonzerns. Ein genauer Blick auf die Zahlen und die Technologie liefert Argumente für diese These.
Beeindruckende Margenexpansion
Im zweiten Quartal wuchs der Bereich Halbleiterlösungen um 79 Prozent auf gut 15 Milliarden Dollar, während die Infrastruktursoftware um neun Prozent auf rund 7,2 Milliarden zulegte. Der Gewinn je Aktie sprang nach GAAP von 1,03 auf 1,91 Dollar, ein Plus von 85 Prozent. Bemerkenswert ist, dass die Erträge fast doppelt so schnell wuchsen wie der Umsatz. Der Grund liegt in der Margenausweitung. Die operativen Kosten stiegen nur um sechs Prozent, während der Umsatz um 48 Prozent kletterte. Dadurch verbesserte sich die operative Marge von 38,9 auf 48,6 Prozent.
Das Netzwerk als eigentlicher Trumpf
Der entscheidende Punkt liegt für viele im Netzwerkgeschäft. Broadcoms Ethernet-Sparte ist unabhängig davon, welcher Beschleuniger in einem Server-Rack steckt. Der Switch-Chip Tomahawk 6 liefert eine Schaltkapazität von 102,4 Terabit pro Sekunde und ist für riesige Verbünde aus über einer Million Beschleunigern ausgelegt. Ergänzt wird das durch Taurus, einen optischen Signalprozessor in moderner 3-Nanometer-Technik. Genau hier liegt der schwer kopierbare Vorteil.
Sogenannte co-verpackte Optik, bei der Laser und Photonik direkt in das Chip-Gehäuse integriert werden, lässt sich anders als ein Beschleuniger kaum von den Cloud-Riesen selbst nachbauen. Sie erfordert Siliziumphotonik, Hochgeschwindigkeits-Analogtechnik und aufwendiges Wärmemanagement zugleich.
Broadcom Aktie Chart
Bewertung mit Aufschlag
Das KI-Netzwerkgeschäft machte im Quartal fast 40 Prozent des KI-Halbleiterumsatzes aus, also rund 4,3 Milliarden Dollar. Diese Chips verkauft Broadcom offen am Markt, unabhängig davon, wessen Beschleuniger im Rack sitzt. Genau deshalb berührt das Risiko, das den Kursrutsch auslöste, diesen Umsatz kaum. Das Management stellt für das Geschäftsjahr 2027 einen KI-Halbleiterumsatz von über 100 Milliarden Dollar in Aussicht. Zusätzlich sorgt eine Kooperation mit OpenAI über zehn Gigawatt an Beschleunigern und Netzwerksystemen für Fantasie.
Günstig ist die Aktie nicht. Auf GAAP-Basis notiert Broadcom beim rund 42-fachen der erwarteten Gewinne. Angesichts eines Gewinnwachstums von 85 Prozent erscheint dieser Aufschlag manchen jedoch vertretbar. Als Risiken bleiben mögliche Marktanteilsverluste im Beschleunigergeschäft und die Abhängigkeit von Kunden, deren KI-Finanzierung selbst noch unsicher ist. Anleger sollten diese Chancen und Gefahren sorgfältig gegeneinander abwägen.
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