Broadcom Aktie: T-Mobile US migriert VMware

Broadcoms Aktie leidet unter Anthropics Plänen für eigene KI-Chips und dem angekündigten VMware-Rückzug von T-Mobile US.

Auf einen Blick:
  • Anthropic entwickelt eigenen KI-Prozessor
  • T-Mobile US plant VMware-Abkehr
  • Insider verkauft Broadcom-Aktien
  • Kurs nahe 52-Wochen-Tief

Ein Bericht über Anthropics Pläne für eigene KI-Chips und ein möglicher Großkunden-Verlust bei VMware drücken die Broadcom-Aktie. Der Titel schloss am Donnerstag bei 315,20 Euro. Innerhalb von 30 Tagen hat das Papier fast ein Viertel seines Werts verloren, minus 23,80 Prozent.

Anthropic betritt den Markt für eigene KI-Chips

Am Freitag berichtete The Information, dass Anthropic an einem eigenen internen KI-Prozessor arbeitet. Das Unternehmen hinter dem Sprachmodell Claude will damit seine Server-Infrastruktur künftig selbst versorgen. Aktuell klärt Anthropic intern die nötigen Leistungsanforderungen für die eigene Hardware.

Das Projekt steckt Berichten zufolge noch in einer frühen Phase. Design und Fertigung liegen noch in weiter Ferne. Anleger werteten die Nachricht dennoch als Signal für einen zunehmend überfüllten Markt bei kundenspezifischen KI-Chips.

Erst kürzlich hatte Broadcom eine prominente Partnerschaft mit OpenAI für den Inferenz-Chip „Jalapeño“ verkündet. Die Anthropic-Meldung erinnert Investoren nun daran, wie aggressiv Hyperscaler und KI-Labore ihre Hardware-Abhängigkeiten diversifizieren. Etablierte Anbieter wie Broadcom geraten dabei zunehmend unter Beobachtung.

T-Mobile US kündigt Rückzug von VMware an

Auch im Software-Geschäft brodelt es. Berichten zufolge plant T-Mobile US, rund 1.000 Anwendungen von der VMware-Plattform zu migrieren. Die Migration betrifft mehr als 300.000 Rechenkerne in der Netzinfrastruktur des Telekommunikationsriesen.

Hintergrund ist offenbar Unmut über die neuen Abo-Lizenzmodelle und steigende Support-Kosten seit der VMware-Übernahme durch Broadcom. Ein möglicher Abschied eines derart großen Kunden zeigt die Risiken der Broadcom-Strategie deutlich: Der Konzern konzentriert sich auf wenige hochwertige Kunden und erhöht gleichzeitig die Preise.

Insider-Verkauf und technisches Bild

Zusätzlich belastet ein Insider-Verkauf die Stimmung. Mark Brazeal, Chief Legal & Corporate Affairs Officer bei Broadcom, verkaufte am 2. Juli Aktien im Wert von rund 9,7 Millionen Dollar. Solche Verkäufe sind meist langfristig geplant. Der Zeitpunkt inmitten der Sektor-Schwäche sorgt bei Privatanlegern trotzdem für Aufmerksamkeit.

Technisch zeigt sich das Ausmaß der Korrektur deutlich. Die Aktie notiert rund 26,63 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro vom 3. Juni. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 352,69 Euro fehlen 10,63 Prozent.

Der 14-Tage-RSI liegt bei 39,4 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität bleibt mit 62,22 Prozent hoch. Auf Jahressicht steht die Aktie dennoch mit 6,25 Prozent im Plus, getragen vom strukturellen Trend zu kundenspezifischen KI-Beschleunigern und leistungsstarken Ethernet-Switches.

Die aktuellen Entwicklungen bei Anthropic und OpenAI zeigen aber: Der Markt für Custom-Silicon verändert sich. Broadcoms Sonderstellung als bevorzugter Partner der großen KI-Labore steht damit erstmals seit Längerem zur Debatte.

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