Chinesische Aufsichtsbehörden nehmen die marktbeherrschende Stellung von Broadcom bei Netzwerk-Hardware unter die Lupe. Eine Untersuchung der staatlichen Kommission zur Überwachung und Verwaltung von Staatsvermögen (SASAC) prüft den Einsatz von Netzwerk-Switches des US-Konzerns in staatlich kontrollierten Rechenzentren. Hintergrund ist Pekings Bestreben, die Abhängigkeit von ausländischer Technologie zu reduzieren und heimische Alternativen zu stärken.
Staatskonzerne setzen weitgehend auf US-Technik
Laut einem Bericht der Financial Times ergaben vorläufige Erhebungen, dass bis zu 90 Prozent der untersuchten staatlichen Einrichtungen auf Switch-Lösungen von Broadcom zurückgreifen. Die Kontrollbehörde evaluiert nun, inwieweit diese dominierende Stellung die Einführung chinesischer Netzwerkhersteller hemmt.
Als einheimische Ausweichoptionen gelten Anbieter wie Huawei, H3C Technologies sowie Ruijie Networks. Huawei hatte erst am vergangenen Samstag eigene Netzwerkprodukte für KI-Rechenzentren vorgestellt.
Peking verfolgt das Ziel, bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts eine Halbleiter-Selbstversorgungsquote von rund 80 Prozent zu erreichen. Künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur bilden dabei Schwerpunkte des 2026 verabschiedeten 15. Fünfjahresplans. Hardware einzelner US-Rivalen ist in staatlich geförderten Rechenzentren bereits untersagt.
Begrenzter Radius bei bestehenden Installationen
Die behördlichen Schritte dürften sich nach bisherigen Erkenntnissen auf staatliche Betriebe beschränken. Private Technologiekonzerne wie Alibaba oder die TikTok-Mutter ByteDance sind von den Vorgaben nicht betroffen. Zudem deutet sich an, dass bereits installierte Ausrüstung nicht zwingend ausgemustert werden muss.
Mögliche Maßnahmen könnten sich vorrangig auf künftige Beschaffungen erstrecken. Denkbar sind informelle Vorgaben für staatliche Neuinvestitionen oder schrittweise Umstellungen bei regulären Modernisierungszyklen. Eine schriftliche Richtlinie der Aufsichtsbehörde liegt bislang nicht vor. Weder der Halbleiterkonzern noch die chinesische Behörde gaben auf Nachfrage eine Stellungnahme ab.
Kurs gibt im schwachen Marktumfeld nach
Im heutigen Handel verliert das Papier 1,3 Prozent auf 308,00 Euro. Neben den geopolitischen Bedenken belasten steigende Renditen bei US-Staatsanleihen den gesamten Technologiesektor. Mit dem aktuellen Niveau notiert die Aktie 28 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro.
Trotz der regulatorischen Unsicherheiten verweisen Branchenkenner auf das florierende Kerngeschäft. Vor rund zwei Wochen hob der Konzern seine Umsatzprognose für KI-Halbleiter auf rund 115 Milliarden US-Dollar für das Geschäftsjahr 2027 an.
Analyst William Kerwin vom Analysehaus Morningstar bekräftigte den fairen Wert der Aktie mit 650 US-Dollar. Neben dem Netzwerksegment stützen vor allem maßgeschneiderte KI-Beschleuniger für Großkunden die langfristige Ertragskraft, auch wenn margenschwächere Produktkategorien und geopolitische Spannungen die Risiken erhöhen.
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