Broadcom Aktie: OpenAI-Chip soll 2027 starten

Symbolbild, KI-generiert

Broadcom übertrifft im dritten Quartal die Erwartungen, verfehlt jedoch die Umsatzprognose für das Folgequartal knapp und belastet damit die Aktie.

Auf einen Blick:
  • Quartalsgewinn und Umsatz über Erwartungen
  • Halbleitererlöse auf 16,7 Milliarden Dollar verdreifacht
  • Ausblick bleibt knapp hinter Konsensschätzung
  • Analysten überwiegend positiv, Truist vorsichtiger

Manchmal reicht Rekord nicht. Broadcom hat am Mittwoch Quartalszahlen vorgelegt, die auf dem Papier beeindrucken – und der Markt hat trotzdem mit Verkäufen reagiert. Wer verstehen will, warum eine Aktie fällt, obwohl das Unternehmen so ziemlich alles liefert, was man sich wünschen kann, muss sich von der reinen Zahlenlogik lösen und fragen, wogegen hier eigentlich gemessen wird.

Die Fakten zuerst: Im dritten Geschäftsquartal 2026, das am 2. August endete, verdiente Broadcom bereinigt 3,32 Dollar je Aktie, mehr als die erwarteten 3,24 Dollar. Der Umsatz kletterte auf 29,59 Milliarden Dollar, ebenfalls über der Konsensschätzung von 29,36 Milliarden.

Besonders der Halbleiterbereich explodierte förmlich – die Erlöse verdreifachten sich auf 16,7 Milliarden Dollar und übertrafen die Analystenschätzung von 15,2 Milliarden deutlich. Das ist keine kosmetische Verbesserung, das ist ein Unternehmen mitten im Zentrum des KI-Baubooms.

Wenn die Zukunft nicht groß genug ist

Und doch: Die Prognose für das vierte Geschäftsquartal blieb mit 34,8 Milliarden Dollar unter den erwarteten 35,03 Milliarden. Diese vergleichsweise kleine Lücke reichte, um die Aktie im vorbörslichen Handel um mehr als drei Prozent abrutschen zu lassen.

Genau darin liegt die eigentliche Geschichte: Broadcom ist längst nicht mehr an der Gegenwart zu messen, sondern an einer Zukunft, die das Unternehmen selbst mit gewaltigen Ambitionen aufgeladen hat.

CEO Hock Tan will das KI-bezogene Geschäft im Fiskaljahr 2027 auf 115 Milliarden Dollar verdoppeln, im Jahr darauf noch einmal auf 230 Milliarden. Der Gewinn je Aktie soll dann über 30 Dollar liegen, deutlich mehr als die von LSEG erhobene Konsensschätzung von 25,86 Dollar für 2028.

Diese Zahlen sind so groß, dass sie fast schon abstrakt wirken – und genau das macht die Aktie anfällig. Wer eine Story von dieser Dimension erzählt, muss jedes Quartal liefern, sonst wird selbst eine geringfügige Guidance-Verfehlung zum Warnsignal interpretiert.

Der Kurs notiert inzwischen 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro, erreicht am 3. Juni, während der Abstand zum Jahrestief von 250,55 Euro noch 23 Prozent beträgt. Der RSI von 36,6 deutet auf eine überverkaufte Lage hin, die 30-Tage-Volatilität von 41 Prozent zeigt, wie nervös der Markt das Papier derzeit handelt.

Die eigentliche Substanz hinter der Skepsis

Was in der kurzfristigen Kursreaktion leicht untergeht: Broadcom hat operativ substanzielle Fortschritte gemeldet. Der eigens mit OpenAI entwickelte Jalapeno-Chip soll 2027 in einer Größenordnung von 1,3 Gigawatt ausgerollt werden, mit Aussicht auf über 5 Gigawatt in einer zweiten Generation.

Parallel will Google jährlich zehnstellige Dollarbeträge für Prozessoren an Broadcom zahlen, während Anthropic laut Tan 2027 rund 5 Gigawatt an TPU-8i-Kapazität abnehmen soll – mit Perspektive auf weitere 10 Gigawatt. Auch Apple hat angekündigt, mehr Geld für US-Chipfertigung bei Broadcom auszugeben.

Free Cashflow von 13,7 Milliarden Dollar im Quartal und eine Dividende von 0,65 Dollar je Aktie, zahlbar am 30. September, runden das Bild eines finanziell robusten Unternehmens ab.

Analysten reagierten überwiegend konstruktiv: Cantor Fitzgerald hob das Kursziel auf 600 Dollar an, Morgan Stanley bestätigte am selben Tag Overweight bei 505 Dollar, und Macquarie stufte die Aktie sogar von Neutral auf Outperform hoch – mit dem Argument, das Risiko einer Google-Insourcing-Strategie sei angesichts des Kursrückgangs von 24 Prozent gegenüber dem Jahreshoch bereits eingepreist. Truist dagegen senkte sein Ziel von 550 auf 520 Dollar.

Gleichzeitig zeigt sich unter der Oberfläche eine interessante Verschiebung im institutionellen Geld: Hedgefonds wie Appaloosa, Third Point und Duquesne haben ihre Broadcom-Positionen im zweiten Quartal reduziert oder ganz verkauft und stattdessen bei Taiwan Semiconductor aufgestockt – ein Hinweis darauf, dass manche Investoren die KI-Chip-Rally inzwischen selektiver spielen wollen.

Ist Broadcom damit aus der Gunst gefallen? Kaum. Aber die Episode zeigt, wie fein die Grenze zwischen Wachstumsstory und Bewertungsrisiko in diesem Sektor inzwischen verläuft.

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