Morgan Stanley bekräftigte am 14. Juli 2026 seine Kaufempfehlung für die Aktie und hält an einem Kursziel von 502 US-Dollar fest. Analyst Joseph Moore bezeichnet Broadcom als „core AI winner“ und sieht das Unternehmen weiterhin als klaren Zweiten hinter Nvidia im KI-Geschäft.
Die Aktie notiert aktuell bei 344,50 Euro und legt am Handelstag um 1,17 Prozent zu. Gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag bei 340,50 Euro setzt sich damit die jüngste Erholung fort, auf Sicht von sieben Tagen steht ein Plus von 1,15 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es 1,26 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 16,13 Prozent gewonnen, auf Zwölfmonatssicht sogar 42,24 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, fehlen dennoch fast 20 Prozent, während der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 237,05 Euro aus dem Juli 2025 mittlerweile bei 45,33 Prozent liegt. Der Kurs bewegt sich mit 349,47 Euro knapp unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, klar über dem 200-Tage-Durchschnitt von 313,48 Euro. Der RSI von 52,4 signalisiert keine Überhitzung, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 50 Prozent.
Google-TPU-Geschäft im Zentrum der Debatte
Kern der Analysteneinschätzung ist die Frage, wie stark MediaTek Broadcom im Geschäft mit Googles Tensor Processing Units (TPU) bedrängen kann. Google hat MediaTek als zweiten TPU-Zulieferer aufgenommen, was Investoren seit rund einem halben Jahr belastet. Morgan Stanley erwartet dennoch, dass Broadcom langfristig rund 80 Prozent des TPU-Umsatzes hält, während MediaTek auf 15 bis 20 Prozent kommen dürfte. Als Eintrittsbarrieren nennt die Bank die HBM-Speicherknappheit, fortgeschrittenes Packaging wie CoWoS und EMIB sowie die aufwendige Systemvalidierung im großen Maßstab. Für das Geschäftsjahr 2027 taxiert Morgan Stanley den KI-Umsatz von Broadcom auf rund 120 Milliarden US-Dollar, davon etwa 80 Milliarden aus dem TPU-Geschäft. Das Kursziel von 502 Dollar entspricht dem 28-Fachen der für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Gewinne je Aktie von 17,92 Dollar. Im Bull-Case sieht die Bank bis zu 637 Dollar möglich, im Bear-Case 308 Dollar. Der Wall-Street-Konsens reicht je nach Erhebung von rund 457 bis 513 US-Dollar im Mittel, JPMorgan führt mit einem Overweight-Rating und einem Kursziel von 580 Dollar die optimistischeren Stimmen an.
Apple-Deal und Zahlenwerk stützen die These
Gestützt wird die positive Einschätzung auch durch einen neuen Großauftrag: Apple hat eine fünfjährige Vereinbarung im Volumen von 30 Milliarden US-Dollar mit Broadcom für drahtlose Chips geschlossen. Zusätzlich investiert Apple 1,5 Milliarden Dollar in den Ausbau einer Fertigungsstätte in Fort Collins. Apple will dabei eigene C1/C1X-5G-Modemtechnik mit HF-Komponenten von Broadcom kombinieren – Teil des von Apple angekündigten Investitionspakets von 600 Milliarden Dollar in den USA. Auch operativ liefert Broadcom Argumente: Im zweiten Quartal übertraf das Unternehmen mit einem Gewinn je Aktie von 2,44 Dollar die Erwartung von 2,40 Dollar, der Umsatz stieg um 47,9 Prozent auf 22,19 Milliarden Dollar. Für das dritte Quartal stellte Broadcom einen Umsatz von 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht, mehr als die am Markt erwarteten 28,54 Milliarden Dollar. Allerdings gab die Bruttomarge im Ausblick auf rund 74 Prozent nach, nach 77,1 Prozent im zweiten Quartal. Für das Geschäftsjahr 2026 kalkuliert Broadcom mit einem KI-Umsatz von 56 Milliarden Dollar, für 2027 mit mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Quartalsdividende bleibt bei 0,65 Dollar.
Insiderverkäufe und Marktumfeld
Parallel zu den positiven Analystenkommentaren meldete Broadcom Insiderverkäufe: Chief Legal Officer Mark Brazeal veräußerte am 10. Juli 2026 gemäß Aufsichtsmeldung 25.000 Aktien im Wert von rund 10,03 Millionen US-Dollar. Über die vergangenen drei Monate summierten sich die Insiderverkäufe auf 273,7 Millionen Dollar. Das breitere Marktumfeld half der Aktie zuletzt zusätzlich: Nach einer schwächeren Phase des gesamten Halbleitersektors sorgte ein überraschend niedriger US-Verbraucherpreisindex für Juni – ein Rückgang um 0,4 Prozent bei einer Jahresrate von 3,5 Prozent – für eine Erholung von Chipwerten wie Broadcom, Nvidia, Micron und AMD. Zusätzlich verstärkte die überraschende Gewinnwarnung von IBM, deren Aktie um 25 Prozent einbrach, eine Kapitalrotation von Software- hin zu Hardware-Werten, von der auch Broadcom profitierte.
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