Broadcoms radikaler Umbau des VMware-Ökosystems ruft die europäischen Wettbewerbshüter auf den Plan. Der Branchenverband CISPE hat offiziell Beschwerde bei der EU-Kommission eingereicht und wirft dem US-Konzern den Missbrauch seiner Marktmacht vor. Während das boomende KI-Geschäft für Wachstumsfantasien sorgt, rückt nun die Profitabilität der wichtigen Software-Sparte in den regulatorischen Fokus.
Radikaler Schnitt bei Partnern
Der Auslöser für den Konflikt ist die Neustrukturierung des Cloud-Partnerprogramms von VMware. Bis zum 31. März müssen alle Transaktionen auf das neue System umgestellt sein. Die Dimensionen des Umbaus sind gewaltig. Arbeitete VMware vor der Übernahme noch mit über 4.000 Service-Providern zusammen, schrumpft diese Zahl unter den neuen Vorgaben drastisch. In den USA bleiben lediglich 19 Partner übrig, in Großbritannien sind es neun.
CISPE kritisiert zudem massive Preisanstiege. Berichten zufolge sehen sich einige Kunden mit Kostensteigerungen von bis zu 900 Prozent konfrontiert, gepaart mit erzwungenen Produktbündelungen. Broadcom weist die Vorwürfe entschieden zurück. Das Unternehmen bezeichnet den Verband als Sprachrohr der großen Hyperscaler, das die Marktrealität verzerrt darstelle. Man investiere signifikant in europäische Partner, um genau diesen großen Cloud-Anbietern echte Alternativen entgegenzusetzen.
Broadcom Aktie Chart
Analysten bleiben optimistisch
Für Investoren birgt die formelle Beschwerde handfeste Risiken. Sollte die EU-Kommission eingreifen, könnte sie Broadcom zwingen, den Zugang für Partner wieder zu öffnen oder die Preisstruktur anzupassen. Dies würde die Margen im europäischen Softwaregeschäft direkt beeinflussen.
Ungeachtet dieser Hürden zeigt sich die Wall Street weiterhin zuversichtlich. Die Experten verweisen auf das starke Wachstum im Bereich der KI-Infrastruktur, das von einer kleinen Gruppe finanzstarker Großkunden getrieben wird. Das durchschnittliche Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten liegt aktuell bei 437,15 US-Dollar. Von den befragten Analysten raten 92 Prozent zum Kauf der Papiere.
Stichtag für die Dividende
Abseits der Kartellthematik markiert der heutige Montag den Ex-Dividenden-Tag für die anstehende Quartalsauszahlung von 0,65 US-Dollar je Aktie. An der Börse notiert der Titel aktuell bei 273,85 Euro und weist mit einem RSI von 21,2 einen technisch stark überverkauften Zustand auf. Die EU-Kommission prüft nun den Antrag der CISPE auf einstweilige Maßnahmen, der einen sofortigen Stopp der Vertragskündigungen für europäische Cloud-Anbieter erzwingen könnte.
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