Broadcom Aktie: 60 Milliarden Fremdkapital für KI-Infrastruktur

Broadcom verhandelt über 60 Mrd. Dollar Fremdkapital für KI-Infrastruktur. Ein Google-Deal mit Marvell verstärkt die Sorgen der Anleger vor den Quartalszahlen.

Auf einen Blick:
  • Broadcom verhandelt über Milliardenkredit
  • Google-Deal mit Marvell verunsichert Anleger
  • Aktie fällt deutlich vom Rekordhoch
  • Quartalszahlen am 2. September erwartet

Es gibt Wochen, in denen eine Aktie nicht wegen ihrer Zahlen bewegt wird, sondern wegen der Frage, wie viel Schulden ein Unternehmen der Fantasie einer ganzen Branche aufbürden darf. Bei Broadcom ist genau das gerade der Fall. Während der Kurs binnen 30 Tagen fast 9,5 Prozent verloren hat, verhandelt der Halbleiterkonzern im Hintergrund über eine Finanzierung, die selbst in einer Branche, die an Superlative gewöhnt ist, aus dem Rahmen fällt.

Am Donnerstag berichtete Bloomberg, Broadcom stehe mit Kreditgebern in Gesprächen über mehr als 60 Milliarden Dollar an Fremdkapital, um ein KI-Chip-Finanzierungspaket zu stemmen, von dem unter anderem Anthropic profitieren soll. Ein Teil davon, rund 30 Milliarden Dollar, könnte als nachrangige Schuldtranche strukturiert werden – jener Teil des Kapitalstapels, der im Ernstfall zuerst brennt.

Am selben Tag wurde bekannt, dass Broadcom zusätzlich mit Blackstone und Apollo Global Management über eine Beteiligung an dieser Finanzierung spricht. Das knüpft an eine Partnerschaft an, die beide Häuser bereits im Juni mit Broadcom zur Finanzierung von Rechenzentrums-Infrastruktur geschlossen hatten.

Man kann das als klugen Schachzug lesen: Broadcom lagert das Kapitalrisiko der KI-Aufrüstung teilweise an spezialisierte Finanzinvestoren aus, statt es allein auf der eigenen Bilanz zu tragen.

Man kann es aber auch als Symptom einer Branche lesen, die inzwischen so viel Kapital für Rechenleistung verschlingt, dass selbst die Gewinner des KI-Booms auf die Kreditmärkte angewiesen sind, um mit dem Tempo der Nachfrage Schritt zu halten. Beides schließt sich nicht aus.

Ein Konkurrent mischt die Karten neu

Verschärft wird die Nervosität durch einen Konkurrenten. Marvell Technology hat vergangene Woche in einer Pflichtmitteilung offengelegt, bereits Ende Juli eine kommerzielle Vereinbarung mit Google zur Entwicklung kundenspezifischer Chips unterzeichnet zu haben.

Google erhielt dabei laut Reuters eine Option auf knapp 59 Millionen Marvell-Aktien zu je 206,58 Dollar – ein Paket, das bei vollständiger Ausübung rund 12,2 Milliarden Dollar wert wäre.

Für Broadcom, dessen Geschäft mit kundenspezifischen KI-Beschleunigern für Google zu den wichtigsten Wachstumstreibern zählt, war das ein Warnschuss. Die Aktie fiel an jenem Tag um 5 Prozent, weil Marktbeobachter darin ein Zeichen sahen, dass Google seine Zulieferer diversifiziert, etwa in Richtung MediaTek und möglicherweise AMD.

Diese beiden Themen – die Milliarden-Kreditverhandlung und der Marvell-Google-Deal – verdichten sich zu einem größeren Bild: Der KI-Infrastrukturmarkt wird enger umkämpft, gerade weil er so lukrativ ist.

Wer heute Broadcoms Kursverlauf betrachtet, sieht keine Wachstumsstory in der Krise, sondern eine Aktie, die neu bepreist, wie riskant es ist, an der Spitze eines Booms zu stehen, den plötzlich mehr Anbieter bedienen wollen als noch vor einem Jahr.

Der Markt zweifelt, bevor Zahlen kommen

Die Kursreaktion spricht für sich: Vom 52-Wochen-Hoch bei 429,60 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie inzwischen 27 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 36,8 signalisiert eine überverkaufte Lage, während der Kurs mit 315,45 Euro knapp unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 318,63 Euro notiert – ein Niveau, das viele charttechnisch orientierte Anleger als wichtige Marke beobachten. Am Freitag legte die Aktie immerhin 1,1 Prozent zu, ein kleines Signal der Beruhigung nach Wochen der Unsicherheit.

Am 22. August verlor die Aktie im US-Handel zudem rund 5,94 Prozent und schloss bei 392,99 Dollar, weil Investoren offenbar Gewinne mitnahmen und das Risiko vor den anstehenden Quartalszahlen neu einschätzten.

Broadcom wird seine Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal 2026 am 2. September vorlegen. Analysten erwarten laut Medienberichten einen Gewinn je Aktie von 3,22 Dollar bei einem Umsatz von 29,44 Milliarden Dollar, getragen von anhaltend starker Nachfrage nach KI-Chips.

Die eigentliche Frage, die der Markt bis dahin nicht beantworten wird, lautet nicht, ob Broadcom genug KI-Chips verkauft. Sie lautet, ob ein Unternehmen, das gerade erst im Juli ein Abkommen mit Samsung über mehr als 200 Milliarden Dollar bis 2030 geschlossen hat, jetzt zusätzlich zweistellige Milliardenbeträge an fremdfinanzierter Infrastruktur stemmen kann, ohne dass die Bilanz zum eigentlichen Risikofaktor der Story wird. Bis zum 2. September bleibt das eine offene Rechnung.

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