Fünf europäische Cloud-Verbände setzen Broadcom unter Druck. In einem gemeinsamen Brief fordern sie die EU-Kartellwächter auf, bestimmte Geschäftspraktiken rund um die VMware-Virtualisierungsplattform vorübergehend zu stoppen. Im Zentrum des Streits: Preiserhöhungen und der Ausschluss von Cloud-Anbietern nach der VMware-Übernahme durch Broadcom im Jahr 2023.
Verbände fordern dreijährige Übergangsfrist
Der Cloud-Verband CISPE hatte bereits im März 2026 eine formelle Kartellbeschwerde bei der EU-Kommission eingereicht. Auslöser war Broadcoms Entscheidung vom Januar 2026, die meisten VMware-Partnerschaften mit europäischen Cloud-Dienstleistern zu beenden. Der neue gemeinsame Appell vom 10. Juli richtet sich direkt an EU-Kartellchefin Teresa Ribera und Tech-Kommissarin Henna Virkkunen.
Die Verbände verlangen eine Übergangsfrist von mindestens drei Jahren, während die Behörden ihre Untersuchung fortsetzen. Broadcom weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen erklärt, die Darstellung der Cloud-Anbieter verzerre die tatsächlichen Marktverhältnisse.
Sicherheitslücken geschlossen, Wartungsarbeiten laufen
Parallel zum Regulierungsstreit kümmert sich Broadcom um technische Baustellen. Am 14. Juli veröffentlichte der Konzern Patches für sieben Schwachstellen im VMware Avi Load Balancer. Darunter eine kritische Lücke zur Umgehung der Authentifizierung (CVE-2026-47865) sowie mehrere Fehler, die Angreifern mit Netzwerk- oder lokalem Zugriff das Ausführen von Schadcode ermöglichen könnten.
Externe Forscher hatten die Schwachstellen verantwortungsvoll gemeldet. Broadcom dankte ihnen öffentlich für die Zusammenarbeit. Zusätzlich läuft am 16. Juli ab 22:00 UTC eine siebenstündige Wartung am Cloud SWG Portal und der Symantec Enterprise Cloud Platform Console — Administratoren müssen sich danach neu einloggen, die Echtzeit-Filterung des Datenverkehrs bleibt aber durchgehend aktiv.
Kurs unter Druck, Apple-Deal stützt die Story
An der Börse zeigt sich die Aktie zuletzt uneinheitlich. Broadcom schloss am Mittwoch bei 344,55 Euro, nach einem Wochenminus von 1,87 Prozent. Auf Monatssicht steht dennoch ein Plus von 6,13 Prozent, seit Jahresbeginn hat die Aktie 16,15 Prozent zugelegt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 429,60 Euro, erreicht am 3. Juni, ist der Titel knapp 20 Prozent entfernt. Zum Tief von 237,05 Euro aus dem Juli 2025 beträgt der Abstand dagegen über 45 Prozent — ein Beleg für die enorme Schwankungsbreite des vergangenen Jahres. Die 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 50 Prozent, der RSI von 52,4 signalisiert derzeit weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand.
Für langfristige Anleger dürfte ein anderes Ereignis schwerer wiegen als der Kartellstreit: die Anfang Juli bestätigte Mehrjahresvereinbarung mit Apple. Der Deal über mutmaßlich mehr als 30 Milliarden Dollar umfasst Custom-Silicon-Komponenten und drahtlose Verbindungstechnologien für Apple-Produkte. Broadcom investiert davon 1,5 Milliarden Dollar in die Modernisierung seines Werks in Fort Collins, Colorado, und will dort über 15 Milliarden in den USA gefertigte Chips produzieren.
Der Streit um VMware in Europa bleibt vorerst ein Verfahren ohne Enddatum. Die EU-Kommission hat sich zu einer möglichen Übergangsfrist noch nicht öffentlich positioniert. Für Broadcom zählt derzeit vor allem das Apple-Geschäft als Wachstumstreiber — der europäische Cloud-Konflikt bleibt ein Belastungsfaktor im Hintergrund.
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