Broadcom Aktie: 16 Milliarden KI-Umsatz unter Erwartung

Broadcom-Aktie erholt sich leicht, nachdem Bedenken über KI-Wachstum und Google-Partnerschaft den Kurs gedrückt hatten. Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch.

Auf einen Blick:
  • Kursplus von 2,45 Prozent nach Vortagesverlust
  • KI-Umsatzprognose verfehlt Analystenerwartungen
  • JPMorgan widerspricht Google-Gerüchten
  • Apple-Deal über 30 Milliarden Dollar als Stütze

Broadcom-Aktien erholen sich am Dienstag um 2,45 Prozent auf 345,45 Euro. Am Vortag war das Papier noch um mehr als 4 Prozent eingebrochen. Anleger hatten sich aus KI-nahen Chipwerten zurückgezogen — nun kaufen die ersten Schnäppchenjäger wieder zu.

Enttäuschte Erwartungen bei KI-Umsätzen

Der Auslöser für den Rücksetzer liegt in Broadcoms jüngstem Ausblick. Für das dritte Geschäftsquartal stellt der Konzern einen Umsatz von rund 29,4 Milliarden Dollar in Aussicht. Bei den KI-Chip-Umsätzen rechnet das Management mit etwa 16 Milliarden Dollar — Analysten hatten auf rund 17,2 Milliarden Dollar gehofft.

Die Diskrepanz bei der Prognose für das kommende Quartal fällt ähnlich aus: 16 Milliarden Dollar avisiert, 17,3 Milliarden Dollar erwartet. Der Markt liest daraus ein Signal: Das Tempo der KI-Expansion könnte sich abschwächen.

Hinzu kommt eine Aussage von CEO Hock Tan. Er deutete an, dass Google als wichtiger Custom-Chip-Kunde seine Lieferkette künftig diversifizieren könnte. Das nährt Sorgen um Broadcoms Marktanteile im lukrativen Custom-Silicon-Geschäft.

Broadcom bekräftigte zwar sein langfristiges Ziel von über 100 Milliarden Dollar KI-Umsatz bis zum Geschäftsjahr 2027. Eine Anhebung dieser Marke blieb jedoch aus. Genau das verstärkt bei manchen Investoren den Eindruck, die explosive Wachstumsphase des KI-Trades könnte ihren Höhepunkt überschritten haben.

JPMorgan widerspricht der pessimistischen Lesart

Nicht alle Analysten teilen die skeptische Einschätzung. JPMorgan hält an seiner positiven Haltung zu Broadcom fest. Die Bank weist Berichte zurück, wonach die Zusammenarbeit mit Google an neuen TPU-Chips verzögert oder gar gestoppt worden sei.

Der Widerspruch zeigt, wie gespalten die Wall Street aktuell bei Broadcoms Custom-Silicon-Geschäft ist. Dieses Geschäft bleibt eng an die großen Hyperscale-Kunden im KI-Beschleuniger-Markt gekoppelt.

Kursziele bleiben hoch, ein Analyst weicht ab

Trotz des Kurseinbruchs am Montag bleibt die Konsensmeinung der Wall Street deutlich bullish. 26 Analysten haben in den vergangenen drei Monaten Kursziele für die nächsten zwölf Monate abgegeben. Im Schnitt liegt das Ziel bei 513,29 Dollar, die Spanne reicht von 390 bis 630 Dollar. Das entspräche einem Potenzial von gut 26 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs.

Die Rating-Verteilung untermauert diesen Optimismus: 23 Kaufempfehlungen stehen drei Halteempfehlungen gegenüber, keine einzige Verkaufsempfehlung ist darunter. Eine Ausnahme bildet Erste-Group-Analyst Hans Engel. Er stufte die Aktie am 7. Juli von Kaufen auf Halten zurück und verwies dabei auf die mittlerweile ambitionierte Bewertung.

Apple-Deal als Rückhalt

Die aktuelle Volatilität überschattet einen wichtigen Rückhalt für die Bullen: Anfang des Monats hatte Apple seine Partnerschaft mit Broadcom deutlich ausgebaut. Der Chipfertigungsvertrag hat ein Volumen von über 30 Milliarden Dollar — Apples größte Fertigungszusage in den USA bisher. Geplant sind mehr als 15 Milliarden in den USA gefertigte Chips, dazu kommt eine Erweiterung von Broadcoms Werk in Fort Collins, Colorado, im Umfang von 1,5 Milliarden Dollar.

Die Ankündigung hatte die Aktie kurzzeitig beflügelt. Die Gewinne verpufften jedoch schnell, als die breitere Rotation aus KI-Werten wenige Tage später einsetzte.

Wie es weitergeht

Mit einem Abstand von rund 19,6 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro notiert die Aktie klar unter ihrem Rekordniveau vom 3. Juni. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 349,97 Euro — knapp über dem aktuellen Kurs. Der RSI von 52,7 signalisiert dabei weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen.

Auf Jahressicht steht die Aktie noch mit 46,25 Prozent im Plus, seit Jahresbeginn sind es 16,45 Prozent. Die Kluft zwischen den weiterhin hohen Kurszielen der Wall Street und der jüngsten Risikoscheu am Markt dürfte die Schwankungen bei Broadcom bis zum nächsten Quartalsbericht hoch halten.

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