Ein Milliarden-Deal von Google mit Marvell schickt Broadcom auf Talfahrt. Sieben Prozent Wochenverlust, dann noch mehr. Doch wer genauer hinschaut, erkennt: Die eigentliche Story bei Broadcom war nie nur die Google-Beziehung. Es ist ein Netzwerk-Monopol, das kaum jemand auf dem Radar hat.
Der Marvell-Schock und die Google-Frage
Am Mittwoch sickerte durch: Marvell Technology hat seine Vereinbarung mit Google ausgeweitet. Der Chip-Konzern soll künftig maßgeschneiderte KI-Chips für Google entwickeln, inklusive einer möglichen Options-Vereinbarung über 12,2 Milliarden Dollar. Für Broadcom, das lange als exklusiver Partner für Googles Tensor Processing Units galt, ist das ein Schlag ins Kontor.
Die Marktreaktion folgte prompt. Die Aktie verlor binnen sieben Tagen 14 Prozent und steht jetzt bei 311,85 Euro.
Aber die Panik greift zu weit. Broadcom hält einen langfristigen Vertrag mit Google, der bis 2031 läuft. Er deckt kommende Generationen kundenspezifischer KI-Chips ab. Ein zweiter Lieferant wie Marvell bringt zweifellos Preisdruck und dünnere Margen mit sich. Trotzdem bleibt Broadcoms Position in Googles Infrastruktur fest verankert. Eine ähnliche Partnerschaft mit Meta wurde erst kürzlich bis 2029 verlängert.
Das unsichtbare Monopol
Die eigentliche Geschichte spielt sich woanders ab. Während alle über kundenspezifische Chips reden, sitzt Broadcoms härtester Wettbewerbsvorteil im Netzwerk-Geschäft. Im jüngsten Quartal erreichte der KI-bezogene Halbleiterumsatz 10,8 Milliarden Dollar – ein Plus von 143 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Fast 40 Prozent dieses KI-Umsatzes stammen aus Netzwerkkomponenten wie den Tomahawk- und Jericho-Switching-Chips. Das ist kein Nebengeschäft. Es ist die Verkabelung der gesamten KI-Revolution.
Amazon, Meta und andere Hyperscaler bauen gerade Rechenzentren im Multi-Gigawatt-Maßstab. Der Flaschenhals verschiebt sich zunehmend von der reinen Rechenleistung zur Verbindung zwischen Tausenden von GPUs. Broadcoms Dominanz bei Hochgeschwindigkeits-Ethernet-Switches und PCIe-Interconnects macht den Konzern zum Klempner der KI-Branche. Selbst wer sich für einen anderen Chip-Anbieter entscheidet, kommt an Broadcoms Netzwerktechnik kaum vorbei.
Charttechnik: Ausverkauft, aber nicht gebrochen
Der Kursrutsch hat die Aktie in eine interessante Zone befördert. Broadcom notiert derzeit 27 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 429,60 Euro aus dem Juni. Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 34,4 – nahe der Schwelle, die Techniker als überverkauft einstufen.
Bemerkenswerter ist ein anderer Wert: Der aktuelle Kurs liegt nur 2,1 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 318,60 Euro. Diese Linie gilt für institutionelle Investoren traditionell als psychologisch wichtige Unterstützung. Trotz des herben Wochenverlusts steht die Aktie auf Zwölf-Monats-Sicht immer noch 25 Prozent im Plus. Das spricht eher für eine lokale Reaktion auf die Konkurrenz-Nachricht als für einen Bruch der langfristigen KI-These.
VMware als Sicherheitsnetz
Jenseits der Hardware baut Broadcom parallel sein Software-Geschäft aus. Nach der VMware-Übernahme hat der Konzern das Geschäft auf ein Abo-Modell für die VMware Cloud Foundation umgestellt. Für das dritte Fiskalquartal rechnet das Management mit einer Beschleunigung: 8,9 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Dieses Software-Segment fährt Bruttomargen von rund 90 Prozent ein. Es finanziert die kapitalintensive Chip-Roadmap, ohne dass Broadcom dafür auf externe Mittel zurückgreifen muss.
Der Marvell-Deal zeigt: Der Kuchen der kundenspezifischen Chips wird künftig aufgeteilt. Trotzdem bleibt Broadcoms Kombination aus Netzwerk-Dominanz und wiederkehrenden Software-Cashflows ein Profil, das kein anderer Halbleiterkonzern derzeit bieten kann. Der Analysten-Konsens sieht ein Kursziel von 527,88 Dollar – ein möglicher Aufschlag von 45,1 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Für viele Beobachter markiert die jüngste Korrektur damit eher eine Verzerrung als eine Neubewertung der fundamentalen Rolle, die Broadcom im globalen Technologie-Stack spielt.
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