Ein Angriff auf Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline hatte die Ölpreise zuletzt kräftig angetrieben. Jetzt bringt die Aussicht auf eine baldige Reparatur wieder etwas Druck aus dem Markt. Brent-Rohöl zur Novemberlieferung gab um 0,75 Prozent auf 107,93 Dollar je Barrel nach.
Die Erleichterung speist sich aus einer Ankündigung aus Washington. US-Energieminister Chris Wright erklärte, die nach Drohnenangriffen stillgelegte Leitung werde „sehr bald“ wieder anlaufen — die Unterbrechung bemesse sich in Tagen, nicht Wochen.
Die Pipeline verbindet die Ölfelder am Persischen Golf mit den Exporthäfen am Roten Meer und erlaubt es Saudi-Arabien, die faktisch blockierte Straße von Hormus zu umgehen. Genau diese Umgehungsroute nutzt das Königreich seit Beginn des Iran-Kriegs, um seine Exporte trotz gestörter Schifffahrt durch die Meerenge aufrechtzuerhalten.
Saudi-Arabien kann Puffer nutzen
Die Leitung hat eine Kapazität von 7 Millionen Barrel pro Tag und transportierte vor der Abschaltung rund 5 Millionen Barrel täglich. Das ermöglichte Exporte von etwa 4 Millionen Barrel pro Tag über das Rote Meer.
Saudi-Arabien verfügt zudem über Lagerbestände von rund 14 Millionen Barrel an den Exportterminals der Westküste sowie weiteren 12 Millionen Barrel in Sidi Kerir und Ain Sukhna — Reserven, die kurzfristige Exportverpflichtungen auch bei anhaltendem Ausfall abdecken könnten.
Cargo-Tracking-Daten zeigen bereits eine Anpassung: Die saudischen Rohölexporte aus Yanbu lagen im September bislang bei 1,8 Millionen Barrel pro Tag mit 13 verladenen Schiffen, verglichen mit 1,6 Millionen Barrel und 35 Schiffen im August. Weniger Schiffe bei höherem Volumen deuten auf größere Einzelladungen hin — ein Zeichen dafür, dass der Export trotz der Störung läuft.
Geopolitisches Risiko bleibt der Preistreiber
Trotz der Entspannungssignale bleibt die Lage fragil. Der Markt hat nach Einschätzung von Branchenbeobachtern Mühe, mit den parallelen Bedrohungen für die Schifffahrt im Roten Meer und in der Straße von Hormus sowie mit den Schäden an Pipelines und Schiffen Schritt zu halten. Diese Gemengelage dürfte die Preise auf erhöhtem Niveau halten, selbst wenn die Ost-West-Pipeline wieder anläuft.
Der Blick auf die Jahresbilanz zeigt das Ausmaß der Bewegung: Brent hatte in den vergangenen Tagen zeitweise rund 110 Dollar je Barrel erreicht, nicht mehr weit entfernt vom Höchststand von 126 Dollar im April seit Beginn des Iran-Kriegs.
Seit Jahresbeginn 2026 hat sich das Nordseeöl um nahezu 80 Prozent verteuert. Citi-Analysten rechnen kurzfristig mit weiterer Preisstütze durch geopolitische Risiken und robuste Nachfrage, etwa aus China, bevor eine mögliche Wiederöffnung der Straße von Hormus im vierten Quartal 2026 für Entlastung sorgen könnte.
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