Brent nähert sich der Marke von 106 Dollar je Barrel. Auslöser sind Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz auf Saudi-Arabiens wichtigsten Flughafen. Sie erhöhen den Druck auf Washington, seinem regionalen Verbündeten weiter beizustehen.
Der Markt sorgt sich vor allem um die Energieversorgung. Weitere Ausfälle könnten die Preise nach oben treiben und die Inflation länger hochhalten. Seit dem Ausbruch des Kriegs zwischen den USA und dem Iran Ende Februar ist das Thema Energie der zentrale Preistreiber an den Rohstoffmärkten.
Trumps Waffenruhe stößt auf Zweifel
Parallel versucht US-Präsident Donald Trump, die Ölpreise niedrig zu halten. Er kündigte eine Energie-Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine an, die ab sofort gelten soll. Dauer und Durchsetzung ließ er offen.
Die Reaktionen fielen geteilt aus. Der frühere JPMorgan-Stratege Marko Kolanovic zweifelt an der Glaubwürdigkeit und sprach von einem weiteren Täuschungsversuch. Er verwies auf brennende Tanker, Ölfelder und Flughäfen am Wochenende. Tom Lee, Mitgründer von Fundstrat, zeigte sich vorsichtiger: „Positiv, wenn es stimmt.“
Ungeklärt bleibt vieles. Russland hat die Vereinbarung bislang nicht bestätigt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Ankündigung sei für ihn neu gewesen. Kiew könne mitmachen, wenn Moskau zustimme, und wünsche Klarheit über den Starttermin.
Die Lage trifft besonders den Dieselmarkt. Russland attackiert regelmäßig ukrainische Strom- und Gasanlagen, ukrainische Drohnen trafen russische Raffinerien und Exportterminals. Trump machte die ukrainischen Angriffe für steigende US-Dieselpreise mitverantwortlich. Seine Regierung lockerte zuletzt Sanktionen für russische Dieselausfuhren. Selenskyj warnt, Moskau erhalte so zusätzliche Einnahmen für den Krieg.
Inflationsdaten als nächster Test
Die Ölpreise wirken direkt auf die Geldpolitik. Die US-Notenbank hat im vergangenen Monat die Zügel angezogen. Am Terminmarkt gilt eine weitere Erhöhung im Oktober als wenig wahrscheinlich, eingepreist ist rund eine Chance von 20 Prozent. Bis Jahresende erwarten Händler noch einen Zinsschritt.
Fed-Vertreterin Beth Hammack plädierte am Montag für kleinere, häufigere Anpassungen, um die Inflationserwartungen zu verankern. Eine Zinserhöhung im Oktober befürwortete sie nicht ausdrücklich.
Am Mittwoch erscheinen die US-Verbraucherpreise. Fallen sie höher aus als erwartet, dürften die Zinssorgen wachsen, und hohe Energiepreise würden zusätzlich als Inflationsrisiko gelten. Schwächere Zahlen könnten dem Markt etwas Druck nehmen. Für Brent bleibt damit die Lage am Golf maßgeblich, solange eine belastbare Waffenruhe fehlt.
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