Die Sonderkonjunktur ist vorbei. Seit das US-Iran-Rahmenabkommen die Spannungen am Golf dämpft, bröckeln die Kursgewinne weg, die der europäische Chemiesektor im Frühjahr eingesammelt hatte. Brenntag steht dabei besonders im Regen.
Dritte Korrektur in Folge
Der Brenntag-Kurs liegt aktuell bei 53,86 Euro — rund 8 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 58,54 Euro. Im Monatsverlauf hat die Aktie knapp 9 Prozent verloren. Der RSI notiert bei 33,2 und nähert sich damit der überverkauft-Schwelle von 30.
Es ist bereits die dritte Korrekturphase seit Mitte April. BASF, Brenntag und Evonik verloren am Donnerstag allesamt drei Prozent oder mehr. Der Branchenindex Stoxx Europe 600 Chemicals gab ebenfalls deutlich nach.
Fundamentale Belastungen überall
Das Umfeld ist schwierig — und das schon länger. Der Verband der Chemischen Industrie meldet für das erste Quartal 2026 einen saisonbereinigten Produktionsrückgang von 2,8 Prozent. Im Jahresvergleich lag die Branche knapp 6 Prozent im Minus. Die Kapazitätsauslastung verharrt bei 75,1 Prozent — ein Niveau, das strukturell unrentabel ist.
Brenntag spürt das direkt. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz auf 3,66 Milliarden Euro und blieb damit unter der Analystenerwartung von 3,69 Milliarden Euro. Das Ergebnis je Aktie lag bei 0,68 Euro — deutlich unter dem Konsens von 0,805 Euro. Obendrein drücken steigende Rohölpreise auf die Marge, denn Brenntag handelt viele rohölnahe Commodity-Chemikalien.
Sparplan als Stabilisator
Intern zieht das Management die Kostenbremse. Im ersten Quartal sparte Brenntag bereits 27 Millionen Euro ein. Bis 2027 sollen es 200 bis 250 Millionen Euro werden. Die Bruttomarge stieg leicht auf 25,9 Prozent — ein kleines Polster gegen weitere Lieferkettenturbulenzen.
Die Jahresprognose bleibt bestehen. Brenntag erwartet ein operatives EBITDA zwischen 1,15 und 1,35 Milliarden Euro. Das gibt dem Kurs zumindest einen fundamentalen Anker.
Technisch am Scheideweg
Der Kurs testet gerade die 200-Tage-Linie bei rund 52,64 Euro. Hält diese Unterstützung, könnte sich der Abverkauf stabilisieren. Bricht sie, öffnet sich der Weg in Richtung 50 Euro. Der VCI erwartet für das Gesamtjahr 2026 erneut sinkende Produktion — das lässt wenig Spielraum für eine schnelle Erholung.
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